20.09.2024, Polizeipräsidium Unterfranken

Ein Jahr Videoüberwachung in Würzburg - Polizei zieht positive Zwischenbilanz

WÜRZBURG / INNENSTADT. Vor einem Jahr nahm die Würzburger Polizei Kameras am Bahnhofsvorplatz und am Barbarossaplatz in Betrieb. Nach Rückmeldungen aus der Bevölkerung, präventiven Einsatz- wie auch Ermittlungserfolgen zieht die Polizei eine positive Zwischenbilanz.

Wie bereits berichtet, übertragen die Kameras Bilder in Echtzeit in einen Überwachungsraum der Polizeiinspektion Würzburg-Stadt. Dort können die Beamten live und bei Bedarf auch rückwirkend die Kameraaufnahmen ansehen.

Grund für die Anbringung der Videokameras war die Entwicklung der beiden Örtlichkeiten, die sich in den Vorjahren als Schwerpunkte für Kriminalität mit steigender Tendenz herauskristallisierten.

Übergeordnetes Ziel der Polizei ist die Nutzung der Kameraaufnahmen zum Zwecke der Gefahrenabwehr. Durch Einsichtnahmen der Livebilder sollen bevorstehende Straftaten verhindert und unterbunden werden. 

 

Positive Rückmeldungen von Anwohnenden und Gewerbetreibenden

Zur Erhebung eines Stimmungsbildes anlässlich des ersten Jahrestages der Videoüberwachung suchten Beamte der Würzburger Polizei den Dialog mit Anwohnenden und Gewerbetreibenden rund um den Barbarossaplatz.

Das Fazit der Gesprächspartner zur Entwicklung des Sicherheitsgefühls am Barbarossaplatz fiel nahezu ausnahmslos positiv aus. Demnach hätten die Häufigkeit und Notwendigkeit von Anrufen bei der Polizei, die in bestehenden Sicherheitsstörungen begründet waren, deutlich abgenommen. Insbesondere größere Gruppen, die in der Vergangenheit durch ihr Verhalten das Sicherheitsempfinden erheblich beeinträchtigt hätten, würden sich dort nur noch selten aufhalten. Zudem würden sich Anwohner sowie Mitarbeiter und Kunden umliegender Geschäfte seit Anbringung der Kameras deutlich sicherer fühlen.

 

Präventive Einsatzerfolge

Die Beobachtung der Kameraüberwachungen in Echtzeit ermöglichte den Beamtinnen und Beamten der Polizeiinspektion Würzburg-Stadt häufig ein zeitnahes polizeiliches Einschreiten. 

So wurden im November 2023 circa 20 Personen am Barbarossaplatz bemerkt, die anfänglich in Streit gerieten und anschließend begannen, sich gegenseitig zu schubsen. Nachdem Streifen vor Ort entsandt wurden, konnte die angespannte Situation schnell aufgelöst und die Begehung von Straftaten verhindert werden.

Erst Anfang Juli 2024 beobachteten die Beamten eine offensichtlich verwirrte und aggressive Person am Barbarossaplatz. Streifenbeamte wurden umgehend hinzugezogen und kontrollierten den stark alkoholisierten Mann, ehe es zu strafbaren Handlungen kam.

 

Gegenüberstellung der beiden videoüberwachten Plätze

Im Jahr vor der Inbetriebnahme der Kameras (20.09.2022 bis 19.09.2023) bearbeitete die Würzburger Polizei insgesamt 317 bekanntgewordene Straftaten und Ordnungswidrigkeiten von erheblicher Bedeutung, die sich im videoüberwachten Bereich des Barbarossaplatzes ereigneten. Seit Inbetriebnahme der Kameras (20.09.2023 bis 19.09.2024) bewegten sich die strafbaren Sachverhalte am Barbarossaplatz auf einem annähernd gleichbleibenden Niveau. Dabei war ein geringer Anstieg von 4,7 % auf rund 330 Fälle zu verzeichnen.

Vor dem Hintergrund der bereits im Vorfeld prognostizierten Verschiebung von Straftaten aus dem Dunkel- in das Hellfeld lässt der lediglich geringfügige Anstieg dennoch auf eine positive präventive Wirkung schließen. So macht sich die abschreckende Wirkung der installierten Kameras beispielsweise bei der Entwicklung der Körperverletzungsdelikte am Barbarossaplatz bemerkbar. Dort fanden im Vergleich zu dem Jahr vor der Inbetriebnahme gut 20 % weniger körperliche Auseinandersetzungen statt.

Auf dem videoüberwachten Areal des Hauptbahnhofes wurden im Jahr vor der Inbetriebnahme 386 Straftaten und Ordnungswidrigkeiten von erheblicher Bedeutung verzeichnet, im Jahr danach waren es 470 Fälle. Dies bedeutet einen Anstieg von rund 20 %.

Diese Entwicklung ist nach polizeilicher Bewertung zum einen auf die erhöhte Frequentierung unterschiedlicher gesellschaftlicher Gruppen und den damit einhergehenden Nutzungskonflikten zurückzuführen. Gerade im Bereich der Hilfesuchenden bei der Bahnhofsmission Würzburg sind die Zahlen erheblich gestiegen.

Zum anderen hat die Einführung der Videoüberwachung dazu geführt, dass insbesondere Körperverletzungsdelikte innerhalb einer Szene, die vormals aufgrund fehlendem Strafverfolgungsinteresse regelmäßig nicht polizeilich bekannt geworden sind, durch die vorhandenen Videoaufzeichnungen erkannt, aufgehellt und aufgeklärt werden konnten.

 

Aufklärung von Straftaten

Neben dem primären Zweck der Gefahrenabwehr dient die Videoüberwachung auch als wichtiges Beweis- und Fahndungsmittel in möglichen Strafverfahren. Insgesamt 193 Videoauswertungen im Zusammenhang mit Straftaten führte die Würzburger Polizei im ersten Jahr durch. Dabei konnten Tatverdächtige identifiziert, Tatabläufe rekonstruiert oder weitere wichtige Ermittlungsansätze gewonnen werden. 

Im April 2024 entwickelte sich am Kiliansbrunnen vor dem Bahnhofsgebäude eine gewaltsame Auseinandersetzung zwischen drei Männern. Dabei schlugen zwei Täter einen Mann mit Fäusten und einer Plastikflasche. Als der Mann bewusstlos zu Boden ging, setzten sie die Angriffe auf das Opfer fort. Durch die vorhandenen Videoaufzeichnungen waren die einzelnen Handlungen der Täter nachvollziehbar, sodass wegen versuchten Totschlags ermittelt wurde.

Ende Juli 2024 übergab eine Dame im Bereich des Bahnhofsvorplatzes 19.000 Euro an zwei Unbekannte, nachdem sie Opfer eines bundesweit bekannten Tuchtrickphänomens wurde. Bis dato war noch in keinem gleich gelagerten Fall die tatsächliche Vorgehensweise der Täter nachvollziehbar. Mit Hilfe der Videoaufzeichnungen konnte der Großteil der Tathandlungen beobachtet werden, wodurch die Kripo Würzburg wichtige Erkenntnisse zu dem Phänomen erlangte.

Unter Einbeziehung der Kameraaufnahmen wird eine konsequente und qualitativ hochwertige Strafverfolgung ermöglicht, wodurch sich auch weitreichende spezial- und generalpräventive Ansätze eröffnen. So schreckt eine beweisfeste Überführung von Tätern vor der Begehung weiterer Taten ab.

 

Fazit und Ausblick

Nach einem Jahr mit Videoüberwachung im öffentlichen Raum konnte die Polizei hierüber erste Erkenntnisse gewinnen sowie wiederholt zu präventiven Einsatz- und auch Ermittlungserfolgen berichten. Zudem ist eine hohe gesellschaftliche Akzeptanz in Bezug auf die videoüberwachten Plätze feststellbar.

„Unser Ziel ist es, neben der objektiven Sicherheit auch das Sicherheitsgefühl in der Bevölkerung zu steigern. Hierzu leistet die Videoüberwachung bereits bei gegenwärtiger Betrachtung einen bedeutenden Beitrag“, unterstreicht Holger Baumbach, Vizepräsident des Polizeipräsidiums Unterfranken, die Bedeutung der Videoüberwachung im öffentlichen Raum. Von einem gestiegenen Sicherheitsgefühl berichten jedenfalls Anwohnenden und Gewerbetreibende rund um den Barbarossaplatz.

Auch Bayerns Innenstaatssekretär Sandro Kirchner äußert sich positiv: „Die Videoüberwachung ist ein wichtiger Baustein der Sicherheitsarchitektur. Gerade im Bereich von Bahnhöfen leistet auch der Fortbestand und Ausbau von Sicherheitspartnerschaften beteiligter Organisationen einen zentralen Beitrag.“ 

Eine belastbare Bewertung zur Entwicklung der Fallzahlen an beiden Örtlichkeiten kann erst mit fortlaufender Betrachtung in den nächsten Jahren getroffen werden.  Die ersten Erkenntnisse bestätigen, dass die Videoüberwachung ein wichtiger Baustein im interdisziplinären Sicherheitskonzept für die beiden Örtlichkeiten ist. Unbenommen davon, wird die Polizeiinspektion Würzburg-Stadt ihre ganzheitlichen Bemühungen am Bahnhofsvorplatz und am Bahnhofsvorplatz fortsetzen und, wenn notwendig, intensivieren.