09.08.2024, Polizeipräsidium Schwaben Süd/West

Callcenter-Betrüger machen große Beute | Mehrere erfolgreiche Betrugsfälle

PP SCHWABEN SÜD/WEST. Im gesamten Präsidiumsbereich ereigneten sich in den letzten Tagen etliche Betrugsfälle. Drei von ihnen verliefen mit jeweils einer fünfstelligen Beute erfolgreich für die Täter. Einmal konnte ein aufmerksamer Bankmitarbeiter einen Vermögensschaden gerade noch verhindern. Egal, ob per SMS, telefonisch oder persönlich – die Betrüger täuschten ihre Opfer mit perfiden Maschen.

 

Der falsche Bankmitarbeiter im Landkreis Neu-Ulm

Die Tat

Ein 50-jähriger Mann erhielt am Freitag, den 02.08.2024, einen Anruf. Hierbei gab sich der Gesprächspartner als Mitarbeiter einer örtlich ansässigen Bank aus und teilte mit, dass wohl das Bankkonto des Angerufenen gehackt worden wäre. Einige Überweisungen wären ins Ausland getätigt worden. Um diese Überweisungen rückgängig zu machen, sollte der Geschädigte seine Kontodaten mitteilen und im Folgenden über seinen Push-Generator, über den beim Online-Banking Aufträge freigegeben werden, einen vierstelligen Betrag für die angebliche Stornierung eingeben. Die Betrüger schickten ihm einen Link per SMS, mit dem man das pushTAN-Verfahren einrichten könnte. Der 50-Jährige vertraute dem vermeintlichen Bankmitarbeiter und gab die geforderten Daten weiter.

Nachdem er im Anschluss eine E-Mail von seiner tatsächlichen Bank erhielt, dass die Rufnummer für sein Online-Banking geändert wurde, bemerkte der Geschädigte, dass er Betrugsopfer wurde und erstattete Anzeige. Dem Geschädigten entstand in Folge ein Vermögensschaden im niedrigen fünfstelligen Bereich. Die Kriminalpolizei Neu-Ulm hat die Ermittlungen in diesem Fall aufgenommen.

Die Entwicklung der Betrugsmasche

Dieses Jahr wurden im Polizeipräsidium Schwaben Süd/West bis dato über 40 Betrugsfälle mit dieser Masche angezeigt. Das sind halb so viele Fälle wie letztes Jahr.

Knapp 20 Fälle aus dem Jahr 2023 verliefen erfolgreich für die Betrüger – sie erbeuteten insgesamt fast 100.000 Euro. Dieses Jahr erbeuteten die Täter in über ein Dutzend Fällen rund 65.000 Euro.

Hinweise der Polizei
  • Geben Sie niemals Ihre Kontodaten am Telefon heraus.
  • Bei Forderungen von Bankdaten oder TAN-Codes legen Sie einfach auf.
  • Lassen Sie sich nicht unter Druck setzen.
  • Melden Sie sich bei Ihrer Bank, wenn Sie unsicher sind. 
  • Rufen Sie im Zweifel bei der Polizei an.

 

Die falsche Tochter im Landkreis Lindau

Die Tat

Eine 79-jährige Frau wurde von unbekannten Tätern Anfang letzter Woche zunächst über SMS-Kontakt getäuscht. Der angeblichen Tochter wäre das Handy in die Toilette gefallen, weshalb die SIM-Karte kaputt sei und sie eine neue Handynummer hätte. Im weiteren Verlauf erfolgte die Kommunikation über einen Messengerdienst. Die unbekannten Täter erschlichen sich das Vertrauen der Frau und sie glaubte schließlich, es würde sich tatsächlich um ihre Tochter handeln. Die vermeintliche Tochter bat ihre Mutter, Geldüberweisungen für sie durchzuführen. In mehreren Tranchen überwies die 79-Jährige letztlich einen niedrigen fünfstelligen Betrag auf unterschiedliche Konten.

Die Entwicklung der Betrugsmasche

Im Jahr 2023 wurden im Landkreis Lindau fast 50 solcher Betrugsfälle angezeigt. Knapp 20 von ihnen verliefen erfolgreich für die Betrüger. Sie erbeuteten insgesamt fast 50.000 Euro.

Dieses Jahr wurden im Landkreis Lindau bisher nur wenige Fälle dieser Betrugsmasche zur Anzeige gebracht. Nicht einmal fünf Fälle verliefen erfolgreich. Die Schadenssumme beträgt dieses Jahr jedoch bereits die Hälfte des Betrages aus dem Vorjahr.

Hinweise der Polizei
  • Kontaktieren Sie den Verwandten über die Ihnen bekannte Rufnummer.
  • Beharren Sie auf ein Telefonat.
  • Lassen Sie sich nicht unter Druck setzen.
  • Rufen Sie im Zweifel bei der Polizei an.

 

Schockanruf durch falsche Polizeibeamtin im Landkreis Lindau

Die erfolgreiche Tat

Am Mittwochvormittag wurde ein 83-Jähriger Opfer eines sogenannten Schockanrufs. Der Rentner bekam gegen 10:00 Uhr einen Anruf auf dem Festnetzanschluss von einer angeblichen Polizeibeamtin. Diese teilte dem Mann mit, dass der Sohn einen tödlichen Verkehrsunfall verursacht hätte. Es wäre deshalb eine Kautionszahlung zur Abwendung einer Haftstrafe erforderlich. Der Mann sollte dann über sein Mobiltelefon mit einem angeblichen Staatsanwalt sprechen, der nochmals Druck aufbaute. Der Staatsanwalt besprach mit dem Opfer schließlich die Übergabemodalitäten der Kaution. Der 83-Jährige übergab daraufhin einen mittleren fünfstelligen Geldbetrag an einen vermeintlichen Mitarbeiter des Amtsgerichtes, der zu ihm nach Hause kam.

Als der 83-Jährige danach seinen Sohn verständigte, flog der Betrug auf. Der Mann erstattete Anzeige bei der Polizei. Die Ermittlungsgruppe der Lindauer Polizeiinspektion hat den Fall übernommen.

Die versuchte Tat

Der Mitarbeiter einer Bankfiliale in der Kemptener Straße in Lindau teilte am Donnerstagnachmittag, gegen 14:30 Uhr, der Polizeiinspektion Lindau telefonisch mit, dass ein Rentner gerade in der Bank wäre und eine fünfstellige Geldsumme von seinem Konto abheben wollten. Erst auf hartnäckiges Nachfragen zur Verwendung dieser Summe, gab der 97-jährige Rentner an, dass er einen Anruf von der Polizei bekommen hätte und ihm mitgeteilt wurde, dass sein Sohn einen schweren Autounfall verursacht habe. Dabei sei auch eine Person getötet worden. Zur Verhinderung einer Inhaftierung wäre nun eine Kautionszahlung fällig.

Der Rentner wurde dann über den Betrug aufgeklärt und von Beamten der Ermittlungsgruppe der Lindauer Polizeiinspektion betreut. Durch den aufmerksamen Bankmitarbeiter konnte der 97-Jährige von einem beträchtlichen finanziellen Schaden bewahrt werden.

Die Entwicklung der Betrugsmasche

Der Schockanruf boomt. Letztes Jahr erbeuteten die Täter im Bereich des Polizeipräsidiums Schwaben Süd/West durch die Betrugsmasche fast eine Millionen Euro in über 20 Fällen. Dieses Jahr sind es bis dato schon ungefähr genauso viele Fälle mit einer Beutesumme von weit über eine Millionen Euro.

Im Landkreis Lindau ergingen letztes Jahr über 50 Anzeigen, dieses Jahr sind es bisher etwas mehr als halb so viel.

Die Hinweise der Polizei
  • Die Polizei wird Sie niemals um eine Kaution für einen Angehörigen fragen.
  • Kontaktieren Sie den Angehörigen selbst.
  • Legen Sie auf und wählen Sie die 110 oder die Nummer Ihrer örtlichen Polizei.
  • Übergeben Sie kein Geld an Unbekannte.
  • Lassen Sie sich nicht unter Druck setzen.
 
Bitte sprechen Sie mit Verwandten, Bekannten und Nachbarn über diese Betrugsmaschen!

(PP Schwaben Süd/West)

 

Medienkontakt:

Pressestelle beim Polizeipräsidium Schwaben Süd/West, D-87439 Kempten (Allgäu), Rufnummer (+49) 0831 9909-0 (-1012/ -1013).