26.06.2024, Polizeipräsidium Schwaben Süd/West

Gewalt gegen Polizeibeamte | Rückblick auf das Jahr 2023

PP SCHWABEN SÜD/WEST. Die Fallzahlen der verbalen und körperlichen Gewalt gegen Polizeibeamtinnen und -beamte sind im Bereich des Polizeipräsidiums Schwaben Süd/West das dritte Jahr in Folge gesunken. Die Anzahl der verletzten Polizistinnen und Polizisten liegt dennoch über dem Durchschnitt der letzten fünf Jahre.

Der aktuelle Trend:

Im Zuständigkeitsbereich des PP Schwaben Süd/West kam es im Jahr 2023 zu 617 Fällen von verbaler und körperlicher Gewalt, denen die Einsatzkräfte ausgesetzt waren. Das stellt einen Rückgang von 6,5 Prozent im Vergleich zum Jahr 2022 dar. In allen Landkreisen blieb die Anzahl an Gesamtfällen entweder gleich oder sie sank. Besonders der Landkreis Unterallgäu sticht mit einem Rückgang der Delikte um 19 Prozent hervor. 

Insgesamt sind 257 Polizeikräfte im Jahr 2023 durch Gewalt des Gegenübers verletzt worden – ein Rückgang von 4,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Es gab keine schwer verletzten Beamtinnen und Beamten (im Vorjahr: zwei Personen). Was zunächst positiv erscheint, ist kritisch zu beleuchten. Betrachtet man den Fünfjahresdurchschnitt mit 236 verletzten Polizeikräften, ist die Anzahl der verletzten Polizistinnen und Polizisten aus dem letzten Jahr immer noch problematisch hoch.

Die Einschätzung der Polizeipräsidentin:

„Es ist erfreulich, dass die Fallzahlen im Präsidium insgesamt zum dritten Mal in Folge gesunken sind und damit unter dem Durchschnitt der letzten fünf Jahre liegen. Allerdings bin ich wegen der Qualität der einzelnen Fälle besorgt. Es ist alarmierend, dass 257 unserer Polizeibeamtinnen und Polizeibeamten in der Ausübung ihres Berufs verletzt wurden.“,

so Polizeipräsidentin Dr. Claudia Strößner.

Ein Fall:

Im September 2023 wurde die Polizei in Kaufbeuren verständigt, da sich ein 45-Jähriger aggressiv verhalten würde. Auch den hinzugerufenen Einsatzkräften gegenüber verhielt sich der Mann so aggressiv, dass ihn die Beamten fesseln und in Gewahrsam nehmen mussten. Dabei beleidigte der 45-jährige Mann die Polizeikräfte und bedrohte sie verbal. Die Polizeistreife transportierte den Mann zur Polizeiinspektion, wobei der Mann während der Fahrt ein Loch in die Innenverkleidung des Polizeifahrzeugs trat. Schließlich leistete der 45-Jährige noch Widerstand im Haftraum und griff einen Polizeibeamten tätlich an. Der Beamte erlitt eine Verletzung am Unterarm. Der 45-jährige Randalierer stand unter erheblichem Alkoholeinfluss und war wegen ähnlicher Delikte bereits polizeibekannt.

Das sind die Tatverdächtigen und ihre Taten:

Die Tatverdächtigen der Gewaltdelikte gegen Polizeibeamtinnen und -beamte standen im Jahr 2023 in fast zwei Drittel aller Fälle unter dem Einfluss von berauschenden Mitteln, am häufigsten unter Alkoholeinfluss. Zumeist ist der Tatverdächtige ein erwachsener Mann und knapp vier von fünf der Verdächtigen sind polizeilich bereits bekannt oder sogenannte Wiederholungstäter. Bei den Delikten handelte es sich zu 63 Prozent um körperliche Angriffe und zu 37 Prozent um verbale Attacken. 

Die Polizeikräfte wurden in 183 Fällen beleidigt, in 180 Fällen tätlich angegriffen, in 137 Fällen leisteten die Täter Widerstand und in 70 Fällen wurden die Polizeibeamtinnen und -beamte Opfer von einfacher oder gefährlicher Körperverletzung.

Die meisten dieser Straftaten finden auf öffentlichen Straßen, Wegen und Plätzen statt. In zwei Drittel der Fälle finden die Übergriffe bei polizeilichen Maßnahmen wie Festnahmen, Gewahrsamnahmen oder Identitätsfeststellungen statt.

Die geschädigten Polizeibeamtinnen und -beamten sind in den allermeisten Fällen im Wach- und Streifendienst tätig und in 73 Prozent der Fälle männlich. Als häufigstes Zwangsmittel der Polizeikräfte kommen einfache körperliche Gewalt und Fesselungen vor.

Das Fazit der Polizeipräsidentin:

„Der brutale tödliche Angriff auf den Polizisten in Mannheim führt uns allen unmittelbar vor Augen, welche entsetzlichen Folgen ein solcher Übergriff haben kann.“

so die Polizeipräsidentin Dr. Claudia Strößner. Weiter appelliert sie:

„Die Polizei muss oft in schwierigen Situationen einschreiten, in denen es keine anderen Lösungen mehr gibt. Sich dann gewaltsam gegen die Einsatzkräfte zu wenden, ist völlig inakzeptabel und muss entsprechende Konsequenzen haben. Wir handeln zum Schutz anderer Menschen, wir akzeptieren keine Gewalt und brauchen für unsere wichtige Aufgabe den Rückhalt der Gesellschaft.“

(PP Schwaben Süd/West)

 

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