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16.06.2019, PP Unterfranken


Junggesellenabschiede auf Abwegen – Missglückter „Spaß“ löst Polizeieinsätze aus

UNTERFRANKEN. Bei gleich zwei Junggesellenabschieden am Samstagmittag haben unüberlegte „Überraschungsaktionen“ zu Polizeieinsätzen geführt. Die unterfränkische Polizei freut sich über jede Hochzeit im Regierungsbezirk, mahnt allerdings auch dazu, bei der Vorbereitung von Junggesellenabschieden die Grenzen des Spaßes nicht zu überschreiten und keine Personen zu verängstigen.


Am Samstagmittag hatte ein 27-Jähriger aus Amorbach im unterfränkischen Landkreis Miltenberg völlig aufgelöst den Notruf gewählt und mitgeteilt, bei ihm wären Einbrecher im Haus, die Gegenstände zerstören würden. Noch während der Einsatz anlief, stellte sich wenige Minuten später zum Glück heraus, dass es sich bei den vermeintlichen „Einbrechern“ um Freunde des Mitteilers handelte. Die Männer hatten den 27-Jährigen zu dessen Junggesellenabschied abholen und erschrecken wollen.

Weniger glimpflich verlief ein Vorfall in Nordheim vor der Rhön im Landkreis Rhön-Grabfeld. Dort hatte gegen 10.00 Uhr eine aufmerksame Autofahrerin während sie an einer Baustellenampel stand beobachtet, wie ein maskierter und mit Pistole bewaffneter Mann zu einem Hauseingang lief und die Türe des Anwesens geöffnet wurde. Mehr hatte die Dame nicht mehr sehen können, da sie weiterfahren musste. Sie hatte umgehend sehr besorgt die Polizei in Mellrichstadt verständigt, welche mit Unterstützung der umliegenden Dienststellen mit mehreren Streifenwagenbesatzungen ausrückte.

Die Beamten konnten niemanden an dem Anwesen antreffen und auch den Hauseigentümer und seine zukünftige Gattin telefonisch nicht erreichen. Da eine Straftat zunächst nicht ausgeschlossen werden konnte, wurde das Anwesen umstellt und im Nahbereich gefahndet. Als der Hauseigentümer durch rasche Ermittlungen schließlich doch telefonisch erreicht und am Bahnhof angetroffen werden konnte, stellte sich folgender Sachverhalt dar:

Es hatte sich um keinen Überfall gehandelt, sondern um eine gespielte „Entführung“ im Rahmen eines Junggesellenabschiedes. Der Trauzeuge hatte mit einer Sturmhaube maskiert und mit einer Schreckschusspistole bewaffnet an der Haustüre geklingelt, um den Bräutigam zu erschrecken. Anschließend hatte sich die Männergruppe – mittlerweile ohne Maskierung und Schusswaffe - zum Bahnhof in Mellrichstadt begeben, um dort den Ausflug zu starten. Dass eine Zeugin alles hautnah mitbekommen und verängstigt die Polizei verständigt hatte sowie derweil ein Polizeieinsatz angelaufen war, hatte der Trauzeuge nicht bedacht. Da dem Bräutigam von seinen Freunden zudem das Mobiltelefon „abgenommen“ worden war, hatten die Polizisten ihn zuerst nicht erreichen können.

Den 26 Jahre alten Trauzeugen, der die Schreckschusspistole zwar legal besitzt, für das Führen in der Öffentlichkeit allerdings keine Erlaubnis, einen sogenannten „kleinen Waffenschein“ vorweisen kann, erwartet nun ein Strafverfahren. Die Waffe wurde durch die Beamten sichergestellt.

Glücklicherweise konnte der Polizeieinsatz abgebrochen werden, nachdem sichergestellt war, dass tatsächlich niemand zu Schaden gekommen ist. Die unterfränkische Polizei bittet dennoch dringend darum, eine gewisse Sensibilität bei der Planung solcher Veranstaltungen an den Tag zu legen und vor allem nicht mit Waffen in der Öffentlichkeit zu hantieren. Hier hört – bei aller Liebe – der Spaß tatsächlich auf! Die Polizei prüft derzeit übrigens auch, ob dem 26-Jährigen die Einsatzkosten in Rechnung gestellt werden.


 

 

 

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