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20.08.2019, PP München


Geschwindigkeit

Überhöhte Geschwindigkeit zählt mit zu den häufigsten Unfallursachen, besonders bei Verkehrsunfällen mit schweren Folgen. Bei etwa einem Drittel der Getöteten war nicht angepasste Geschwindigkeit die Unfallursache.


Situation


Ortsschild München

Bei der Konfrontation mit einer plötzlich auftretenden Gefahrensituation spielt die tatsächlich gefahrene Geschwindigkeit eine wichtige Rolle, weil Fahrzeuge nicht abrupt zum Stehen gebracht werden können. Sie benötigen einen Anhalteweg, der sich aus dem Reaktions- und dem Bremsweg zusammensetzt. Eine Verdoppelung der Geschwindigkeit führt zu einer 4fach höheren Energie bei einem Aufprall und einem 4mal längeren Bremsweg. Eine geringfügige Geschwindigkeitserhöhung bewirkt eine beträchtliche Verlängerung des Anhalteweges.

Schon bei geringen Geschwindigkeiten ist die Energie des Fahrzeuges sehr groß. Bereits bei einem Aufprall von 30 km/h können die Insassen oder Gegenstände z.B. der Atlas auf der Hutablage eine Energie entwickeln, die dem 30fachen ihres Eigengewichts entspricht.

Warum fahren wir zu schnell?

Dass Schnellfahren reine Einstellungssache ist, belegen Studien, die nachgewiesen haben, dass es kein "Raserhormon" gibt und sich auch keine Anzeichen für den sogenannten "Temporausch" messen lassen. Der Mensch kann zwar mit Hilfe der Technik 130, 150, 180 km/h erreichen, diese Situationen aber nicht entsprechend verarbeiten, da er eigentlich nur für 15 km/h "gebaut" ist. Vor allem je komfortabler Fahrzeuge konstruiert und hergestellt werden, d.h. je weniger Geschwindigkeitseinflüsse oder Motorgeräusche den Fahrzeuglenker erreichen, desto eher wiegt er sich in Sicherheit. Die Geborgenheit der Miniwelt im Fahrzeuginneren wird reflexionslos in die Welt nach außen transportiert, wo es aber nicht so reibungslos zugeht. Der Mensch hat kein geeignetes Sinnesorgan, um das Gefahrenpotential von hohen Geschwindigkeiten wahrzunehmen. Rasen ist demnach eine psychische Angelegenheit, der nur durch entsprechende Einstellung und Verantwortungsbereitschaft beizukommen ist. Überwachen, Strafen und verstärkte Kontrollen der Verkehrsteilnehmer können dazu beitragen, dass Tempolimits eingehalten werden.


Tipps und Infos


Anhalteweg

Reaktionsweg Bremsweg

Der Reaktionsweg ist abhängig von der Reaktionszeit und der gefahrenen Geschwindigkeit.


In Berechnungen wird meist eine Reaktionszeit von 1 Sekunde angenommen. Erhöhung der Aufmerksamkeit kann die Reaktionszeit geringfügig verringern. Eine kurze Unaufmerksamkeit, Ablenkung, Müdigkeit, Krankheit, Medikamenteneinnahme, Alkohol- oder Drogenkonsum verlängern diese Zeit u.U. erheblich. Zur Reaktionszeit wird auch die Bremsansprechzeit von ca. 0,2 Sek. (Pkw) hinzugerechnet.

Reaktionsweg = km/h : 3,6 x Reaktionszeit

Beispiel:

Geschwindigkeit 50 km/h,
Reaktionszeit 0,8 Sekunden

Reaktionsweg = 50 / 3,6 x 0,8 = 11 Meter

Der Fahrzeugführer legt innerhalb der Reaktionszeit von 0.8 Sekunden etwa 11 Meter zurück. Am Ende des Reaktionsweges fährt das Fahrzeug noch immer mit unverminderter Geschwindigkeit von 50 km/h.


Bremsweg nennt man jenen Weg, den das Fahrzeug vom Betätigen des Bremspedales bis zum Stillstand benötig.


Ungünstige Wetter- und Straßenverhältnisse, schlechte Bremsen oder abgefahrene Reifen können den Bremsweg erheblich verlängern.

Auch der Druck auf das Bremspedal (zögerliches Antippen oder Vollbremsung) spielen eine wichtige Rolle.

Bremsweg = (km/h* km/h)/200

(entspricht einer mittleren Bremsverzögerung bei trockener, griffiger Fahrbahn und kräftiger Bremsung)

Beispiel:

Geschwindigeit 50 km/h

Bremsweg = (50* 50)/200 = 12,5 Meter

Der Fahrzeugführer benötigt nach dem Reaktionsweg nochmals 12,5 Meter bis zum Stillstand des Fahrzeuges. 3 Meter bevor das Fahrzeug steht, zeigt der Tacho noch 25 km/h an. In dreiviertel der Wegstecke wird nur die Hälfte der Bewegungsenergie abgebaut.


Restgeschwindigkeit


Während ein Fahrzeug bei 50 km/h bereits steht, hat ein um 10 km/h schnelleres Fahrzeug noch eine Restgeschwindigkeit von 40 km/h.


Achtung!

doppelte Geschwindigkeit
doppelter Reaktionsweg
vierfacher Bremsweg

Wenn Sie es nicht glauben - rechnen Sie nach!


Rechtslage


Zulässige Höchstgeschwindigkeit


Zulässige Höchstgeschwindigkeit - Zone 30

Auch unter günstigsten Umständen, wie geringes Verkehrsaufkommen, nachts, breite Straße, o.ä., darf nicht schneller als angegeben gefahren werden.

Innerhalb geschlossener Ortschaften ist abseits der Vorfahrtstraßen (Zeichen 306) mit der Anordnung von Tempo-30-Zonen (Zeichen 274.1) zu rechnen.


Angepasste Geschwindigkeit


Vorsicht Kinder

Die Verkehrsregeln verlangen sogar eine geringere Geschwindigkeit, wenn es die Straßen-, Verkehrs-, Sicht- oder Witterungsverhältnisse oder die Eigenschaften von Fahrzeug oder Ladung verlangen.
Auch die Verfassung des Fahrers kann für eine geringere Geschwindigkeit sprechen, wenn nicht gar eine Fahruntüchtigkeit vorliegt. Jeder muss innerhalb der überschaubaren Strecke anhalten können.

Kinder, ältere Menschen und Hilfsbedürftige
Hier gilt: Geschwindigkeit verringern! Erhöhte Bremsbereitschaft! Jede Gefährdung muss ausgeschlossen sein!



Verkehrsberuhigter Bereich

In Verkehrsberuhigten Bereichen müssen Sie mit spielenden Kindern und anderen unaufmerksamen Personen rechnen.

Als Fahrzeugführer (auch Radfahrer) dürfen Sie nur mit Schrittgeschwindigkeit (4-7 km/h) fahren. Beim Verlassen verhalten Sie sich wie bei einer Hofausfahrt - Sie haben keine Vorfahrt!



Nebel

Auf Autobahnen und Landstraßen kommt es häufig bei schlechten Sichtverhältnissen, z.B. bei Nebel, zu Massenkarambolagen.
Bei einer Geschwindigkeit von 130 km/h benötigt jeder Fahrzeugführer bereits unter günstigsten Voraussetzungen mindestens 120 Meter, um sein Fahrzeug zum Stillstand zu bringen. Ein ausreichender Sicherheitsabstand (mindestens ein halber Tacho) sorgt zusätzlich für Sicherheit.
Bei Sichtweiten unter 50 m durch Regen, Nebel oder Schnee gilt eine Geschwindigkeitsbeschränkung von 50 km/h. Nur bei Nebel darf in einem solchen Fall die Nebelschlussleuchte verwendet werden!


Wissen Sie eigentlich, mit welchen Sanktionen Sie rechnen müssen, wenn Sie mit Ihrem Pkw oder Motorrad die zulässige Höchstgeschwindigkeit überschreiten?

InnerortsAußerorts
Überschreitung in km/h Punkte Ahndungssatz in EUR Punkte Ahndungssatz in EUR
bis 10 30 20
11 - 15 50 40
16 - 20 70 60
21 - 25 1 80
1 M.FV
1 70
26 - 30 1 100
1 M.FV
1 80
1 M.FV
31 - 40 2 160
1 M.FV
1 120
1 M.FV
41 - 50 2 200
1 M.FV
2 160
1 M.FV
51-60 2 280
2 M.FV
2 240
1 M.FV
61 - 70 2 480
3 M.FV
2 440
2 M.FV
über 70 2 680
3 M.FV
2 600
3 M.FV

Ahndungssätze und Punkteregelung gültig seit 28.04.2020

(1): Verwarnungsgeldentscheidungen und Geldbußen unter 60 EUR werden weder mit Punkten bewertet noch für die Fahrerlaubnis auf Probe berücksichtigt

M.FV: Monat/e Fahrverbot

Achtung!


Warnblinken an Bushaltestelle

Schul- oder Linienbus mit Warnblinklicht an Bushaltestellen

Hier gilt: Schrittgeschwindigkeit (4-7 km/h). Mit 50 km/h fahren Sie 43 km/h zu schnell !

Dies gilt auch im Gegenverkehr auf derselben Fahrbahn.




Vorgeschriebene Mindestgeschwindigkeit

Auf deutschen Autobahnen gilt zwar keine generelle Geschwindigkeitsbegrenzung, jedoch sind vorhandene Verkehrszeichen über die zulässige Höchstgeschwindigkeit zu beachten. Allgemein wird eine Richtgeschwindigkeit von nicht mehr als 130 km/h empfohlen.
Auf einzelnen Fahrstreifen, insbesondere an Steigungen, kann die Nutzung von der Einhaltungen einer Mindestgeschwindigkeit abhängig sein. Oder die Nutzung ist durch Überholverbote für bestimmte Fahrzeugkategorien ausgeschlossen.


Weitere Themen


Bußgeldkatalog der Bayerischen Polizei

Die Teilnahme am Straßenverkehr steckt voller Gefahren. Leider verunglücken auf unseren Straßen täglich Menschen, weil sie die Gefahren unterschätzen, oder sich über die Verkehrsregeln hinwegsetzen.

 
Paragraphenzeichen



Einschalten des Warnblinklichts von Bussen an Haltestellen

An Bushaltestellen besteht immer eine besondere Gefahr: Fahrgäste, die die Fahrbahn überqueren, werden häufig von vorbeifahrenden Kraftfahrzeugführern übersehen. Dadurch kommt es immer wieder zu Unfällen oder Gefährdungen.

 
Bushaltestelle



Bayerisches Staatsministerium des Innern

Publikationen zur Verkehrssicherheit

 
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