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28.05.2020, PP München


Kampagne zur Erhöhung der Sicherheit rund um den Fahrradverkehr

Zur Verbesserung der Sicherheit des Radverkehrs führt das Polizeipräsidium München auch während der diesjährigen Fahrradsaison wieder die Kampagne „Gscheid radln - aufeinander achten“ 2020 durch.


Logo - Gscheid radln

Radfahrer gehören aufgrund kaum vorhandener Schutzeinrichtungen und fehlender „Knautschzone aus Blech“ zur Gruppe der sogenannten ungeschützten Verkehrsteilnehmer.

Im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums München (Stadtgebiet und Landkreis) ereigneten sich im Jahr 2019 insgesamt 3.161 Radfahrunfälle (Vorjahr: 3.297). Dabei wurden 2.845 (Vorjahr: 2.933) Radfahrer verletzt, davon 330 (Vorjahr: 333) schwer.

8 Radfahrer kamen ums Leben (2018: 10), 4 davon waren älter als 80 Jahre (80, 81, 84, 86 Jahre). Keiner der getöteten Radfahrer trug einen Fahrradhelm. 6 der getöteten Radfahrer zogen sich bei Unfällen schwere Kopfverletzungen zu, an denen sie letztlich starben.

Über die Hälfte der Verkehrsunfälle wurden von den Radfahrern verursacht. Hauptsächlich missachteten sie dabei die Vorfahrt bzw. den Vorrang anderer Verkehrsteilnehmer, fuhren als sog. Geisterradler entgegen der vorgeschriebenen Fahrtrichtung auf dem Radweg oder verbotswidrig auf dem Gehweg.

Etwa jeder siebte Unfall mit Beteiligung von Radfahrern (2018: jeder 8.) ereignete sich, weil der Pkw- oder Lkw-Fahrer beim Rechtsabbiegen den in gleicher Richtung fahrenden Radfahrer übersehen hat.

Vor allem bei rechtsabbiegenden Lkw spielt der sogenannte „Tote Winkel“ eine entscheidende Rolle. Im Jahr 2019 kam es aufgrund dieser Problematik zu insgesamt 25 Verkehrsunfällen mit Personenschaden. Bei einem dieser Unfälle wurde ein 11-jähriger Schüler getötet.

Unter den 3.161 Radfahrerunfällen waren 176 mit Pedelecs. Das sind mehr als doppelt so viele wie im Vorjahr mit 86. Angesichts der rasanten Zuwachsraten der Elektrofahrräder im Straßenverkehr ist dieser deutliche Anstieg jedoch nicht verwunderlich. Unter den verunfallten Pedelec-Fahrern befanden sich 52 Senioren (2018: 37).


Die Münchner Polizei rät allen Verkehrsteilnehmern:

  • Denken Sie im Bereich von Kreuzungen und Einmündungen an die Gefahren des „Toten Winkels“!
  • Denken Sie als Kraftfahrer beim Rechtsabbiegen an den sogenannten Schulterblick und fahren Sie vorsichtig und umsichtig in den Kreuzungsbereich ein! Tasten Sie sich gegebenenfalls langsam voran!
  • Suchen Sie als Radfahrer Blickkontakt zu den Fahrern von rechtsabbiegenden Fahrzeugen und stellen Sie so sicher, dass Sie wahrgenommen wurden!
  • Verzichten Sie lieber auf Ihr Vorrecht, wenn Sie nicht sicher sind, dass Sie der Fahrer gesehen hat!
  • Achten Sie als Autofahrer beim Aussteigen auf Radfahrer. Türe am besten mit der rechten Hand öffnen, dann drehen sie automatisch den Oberkörper mit und haben besseren Blick nach hinten (sog. "Holländer-Griff")

Kampagne „Gscheid radln – aufeinander achten!“


Verkehrsunfälle haben in den allermeisten Fällen im falschen Verhalten eines oder mehrerer Beteiligter ihre Ursache. Teilweise liegt auch riskantes und manchmal sogar bewusstes Fehlverhalten zu Grunde.

Mit einem ausgewogenen Anteil an Verkehrsaufklärung, Verkehrsüberwachung und Öffentlichkeitsarbeit möchten wir auf eine weitere Erhöhung der Verkehrssicherheit für alle Menschen im Ballungsraum München hinwirken.
Die bewährte Kooperation mit der Landeshauptstadt München setzen wir auch heuer fort, um noch mehr Bürger zu erreichen und noch mehr Nachhaltigkeit zu erzielen.

Mit zunehmend warmem Wetter stehen auch wieder Biergartenbesuche an. Hierbei bitten wir dringend Folgendes zu beachten: Nach wissenschaftlichen Erkenntnissen ist die Wahrscheinlichkeit zu verunglücken, für Radfahrer bereits bei 0,8 Promille signifikant höher!

Bei alkoholbedingter Fahrunsicherheit oder wenn sie einen Unfall verursachen machen sich Radfahrer bereits ab 0,3 Promille strafbar. Ab 1,6 Promille wird das Rad fahren generell als Straftat verfolgt. Der Umstieg vom Auto auf das Fahrrad ist nach Alkoholgenuss daher keine sinnvolle Alternative. Auch die Nutzung von E-Scootern ist dann keine gute Idee, diese zählen zu den Kraftfahrzeugen.

Die Münchner Polizei appelliert an alle Radfahrer einen Helm zu tragen. Was beim Motorrad- oder beim Skifahren mittlerweile üblich ist, ist beim Radfahren noch nicht so verbreitet. Hierzu sollte man wissen, dass ein gut sitzender und richtig eingestellter Fahrradhelm das Risiko, bei einem Unfall schwere Hirnschäden zu erleiden, um knapp zwei Drittel senkt.

Das Verparken des Radweges wirkt sich bereits bei kurzer Zeitdauer negativ auf die Sicherheit und Leichtigkeit des Radverkehrs aus. Deshalb wurde mit der StVO-Novelle für diese Halt- und Parkverstöße das Bußgeld auf 55 Euro (ohne Behinderung) bzw. auf 70 Euro / 1 Punkt (mit Behinderung) deutlich erhöht.

Mit Inkrafttreten der 54. Verordnung zur Änderung straßenverkehrsrechtlicher Vorschriften (StVO-Novelle) am 28.04.2020 dürfen Kraftfahrzeuge über 3,5 t innerorts nur noch in Schrittgeschwindigkeit (max. 11 km/h) rechts abbiegen. Ein Verstoß hiergegen ist mit 70 Euro und einem Punkt im Fahreignungsregister sanktioniert. Zudem wurde zum Schutz von Fußgängern und Radfahrern der Bereich vor Kreuzungen und Einmündungen, in dem das Parken generell verboten ist, auf 8 m erweitert, sofern rechts neben der Fahrbahn ein Radweg baulich angelegt ist. Dadurch soll das Sichtfeld in Kreuzungsbereichen mit Radwegen für alle Verkehrsteilnehmer, insbesondere bei Abbiegevorgängen, verbessert werden.

Zudem müssen gemäß § 5 Abs. 4 Satz 2 StVO (neu) Kraftfahrer beim Überholen von zu Fuß Gehenden, Rad Fahrenden und Elektrokleinstfahrzeug Führenden innerorts einen Sicherheitsabstand von mindestens 1,5 m und außerorts von mindestens 2 m einhalten. Ein Verstoß hiergegen ist mit 30 Euro sanktioniert.


Möglichkeiten der Unfallvermeidung


Die Radfahrer selbst können demnach wesentlich dazu beitragen, Unfälle mit ihrer Beteiligung zu vermeiden, indem sie sich


  • zu allererst an die einschlägigen Verkehrsregeln halten,
  • nicht stur auf ihr Recht beharren,
  • vorausschauend und defensiv fahren,
  • mögliche Fehler anderer einkalkulieren und
  • auf andere Rücksicht nehmen.

Das Gleiche gilt natürlich auch für die Fußgänger, die oftmals unvorsichtig vom Gehweg aus auf den Radweg treten, und vor allem für die Kraftfahrer, die nicht nur beim Abbiegen besser aufpassen sollten, sondern darüber hinaus insbesondere


  • beim Überholen von Radfahrern einen Seitenabstand innerorts von mindestens 1,5 m und außerorts von mindestens 2 m einhalten,
  • nicht auf Radwegen oder Schutzstreifen für Radfahrer halten oder parken
  • beim Parken den vorgeschriebenen 8-Meter-Bereich vor Einmündungen bzw. Kreuzungen einhalten, um die Sicht auf den Radweg nicht zu behindern.

Bewährte Kooperation mit der Stadt München


Die bewährte Kooperation mit der Landeshauptstadt München setzen wir auch heuer fort, um mit mehr Effektivität noch mehr Bürger zu erreichen und noch mehr Nachhaltigkeit zu erzielen.


Weitere Infos


 

 

 

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