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02.11.2020, PP München


Kampagne zur Erhöhung der Sicherheit rund um den Fahrradverkehr

Zur Verbesserung der Sicherheit des Radverkehrs führte das Polizeipräsidium München auch während der diesjährigen Fahrradsaison wieder die Kampagne „Gscheid radln - aufeinander achten“ durch.


Gscheid radln - aufeinander achten!


Logo - Gscheid radln

Radfahrer gehören aufgrund kaum vorhandener Schutzeinrichtungen und fehlender „Knautschzone aus Blech“ zur Gruppe der sogenannten ungeschützten Verkehrsteilnehmer.

Verkehrsunfälle haben in den allermeisten Fällen im falschen Verhalten eines oder mehrerer Beteiligter ihre Ursache. Teilweise liegt auch riskantes und manchmal sogar bewusstes Fehlverhalten zu Grunde.

Ziel dieser Kampagne ist es, mit einem ausgewogenen Anteil an Verkehrsaufklärung, Verkehrsüberwachung und Öffentlichkeitsarbeit auf eine weitere Erhöhung der Verkehrssicherheit für alle Menschen im Ballungsraum München hinzuwirken.
Die bewährte Kooperation mit der Landeshauptstadt München setzen wir konsequent fort, um noch mehr Bürger zu erreichen und noch mehr Nachhaltigkeit zu erzielen.

Mit warmem Wetter stehen auch wieder Biergartenbesuche an. Hierbei bitten wir dringend Folgendes zu beachten: Nach wissenschaftlichen Erkenntnissen ist die Wahrscheinlichkeit zu verunglücken, für Radfahrer bereits bei 0,8 Promille signifikant höher!

Bei alkoholbedingter Fahrunsicherheit oder wenn sie einen Unfall verursachen machen sich Radfahrer bereits ab 0,3 Promille strafbar. Ab 1,6 Promille wird das Rad fahren generell als Straftat verfolgt. Der Umstieg vom Auto auf das Fahrrad ist nach Alkoholgenuss daher keine sinnvolle Alternative. Auch die Nutzung von E-Scootern ist dann keine gute Idee, diese zählen zu den Kraftfahrzeugen, so dass die Folgen, in Abhängigkeit vom Grad der Alkoholisierung und deren Auswirkung, die gleichen wie beim Führen eines Autos sind.

Die Münchner Polizei appelliert an alle Radfahrer einen Helm zu tragen. Was beim Motorrad- oder beim Skifahren mittlerweile üblich ist, ist beim Radfahren noch nicht so verbreitet. Hierzu sollte man wissen, dass ein gut sitzender und richtig eingestellter Fahrradhelm das Risiko, bei einem Unfall schwere Kopfverletzungen oder Hirnschäden zu erleiden, um knapp zwei Drittel senkt.

Das Verparken des Radweges wirkt sich bereits bei kurzer Zeitdauer negativ auf die Sicherheit und Leichtigkeit des Radverkehrs aus. Deshalb wurde mit der StVO-Novelle für diese Halt- und Parkverstöße das Bußgeld auf 55 Euro (ohne Behinderung) bzw. auf 70 Euro / 1 Punkt (mit Behinderung) deutlich erhöht.

Mit Inkrafttreten der 54. Verordnung zur Änderung straßenverkehrsrechtlicher Vorschriften (StVO-Novelle) am 28.04.2020 dürfen Kraftfahrzeuge über 3,5 t innerorts nur noch in Schrittgeschwindigkeit (max. 11 km/h) nach rechts abbiegen. Zudem wurde zum Schutz von Fußgängern und Radfahrern der Bereich vor Kreuzungen und Einmündungen, in dem das Parken generell verboten ist, auf 8 m erweitert, sofern rechts neben der Fahrbahn ein Radweg baulich angelegt ist. Dadurch soll das Sichtfeld in Kreuzungsbereichen mit Radwegen für alle Verkehrsteilnehmer, insbesondere bei Abbiegevorgängen, verbessert werden.

Zudem müssen gemäß § 5 Abs. 4 Satz 2 StVO (neu) Kraftfahrer beim Überholen von zu Fuß Gehenden, Rad Fahrenden und Elektrokleinstfahrzeug Führenden innerorts einen Sicherheitsabstand von mindestens 1,5 m und außerorts von mindestens 2 m einhalten.


Kampagne 2020


Zur Verbesserung der Sicherheit des Radverkehrs führte das Polizeipräsidium München auch während der diesjährigen Fahrradsaison, im Zeitraum vom 01.06. bis einschließlich 30.09.2020, wieder die Kampagne „Gscheid radln - aufeinander achten“ 2020 durch.

Ziel der Kontrollen ist die Einhaltung der Verkehrsregeln, gegenüber Fahrradfahrern und durch Fahrradfahrer, zu überwachen und dadurch langfristig die Verkehrsunfälle unter Beteiligung von Fahrradfahrern zu reduzieren.

Im Zuge der Lockerungen im Hinblick auf die Corona-Pandemie war eine erhebliche Zunahme des Individualverkehrs in München, einschließlich des Radverkehrs, festzustellen.

Tragischerweise endeten sechs der genannten Unfälle wegen schwerer Kopfverletzungen tödlich. Hierbei gilt es besonders hervorzuheben, dass in allen sechs Fällen kein Fahrradhelm getragen wurde.

Im Rahmen der Kampagne wurden zusätzlich auch zahlreiche verkehrserzieherische Gespräche zur „Tote-Winkel-Problematik“ und zu den Gefahren beim Rechtsabbiegen geführt.

Es wurden insgesamt knapp 11.000 Beanstandungen gegenüber Rad- sowie Kfz-Fahrern und Fußgängern ausgesprochen. Knapp über die Hälfte der Verkehrsordnungswidrigkeiten betrafen dabei Radfahrer.

766 Radfahrer erhielten eine Verwarnung, weil sie als sogenannte Geisterradler entgegen der vorgeschriebenen Fahrtrichtung fuhren. Des Weiteren mussten über 1.400 Radfahrer und Fahrer von E-Scootern beanstandet werden, weil sie das Rotlicht missachteten.

2404 Radfahrer nutzten verbotswidrig ein Mobiltelefon, circa 503 den Gehweg und knapp 700 fuhren nicht auf dem vorhandenen benutzungspflichtigen Radweg.

Bei annähernd 700 Radfahrern entsprach die lichttechnische Einrichtung nicht den Vorschriften oder es wurde die vorgeschriebene Beleuchtungseinrichtung wurde nicht benutzt.

174 Radfahrer wurden wegen Trunkenheit im Straßenverkehr (Alkohol) gem. § 316 StGB angezeigt. Im Zeitraum der Kampagne kam es zu 85 Verkehrsunfällen durch eine Alkoholisierung von Fahrradfahrern.

65 Kfz-Führer wurden wegen Fehler beim Abbiegen verwarnt. Knapp 400 Verwarnungen wurden ausgestellt, weil Kraftfahrzeuge verbotswidrig auf dem Radweg abgestellt waren.

Auch während der Wintermonate werden die polizeilichen Kontroll- und Aufklärungsmaßnahmen im Rahmen des täglichen Streifendienstes fortgeführt.

Wer sich nicht an die Verkehrsvorschriften hält und somit eine Gefahr für sich selbst und andere darstellt, muss also weiterhin mit einer Beanstandung rechnen.


Fahrradunfälle im Jahr 2019


Im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums München (Stadtgebiet und Landkreis) ereigneten sich im Jahr 2019 insgesamt 3.161 Radfahrunfälle (Vorjahr: 3.297). Dabei wurden 2.845 (Vorjahr: 2.933) Radfahrer verletzt, davon 330 (Vorjahr: 333) schwer.

8 Radfahrer kamen ums Leben (2018: 10), 4 davon waren älter als 80 Jahre (80, 81, 84, 86 Jahre). Keiner der getöteten Radfahrer trug einen Fahrradhelm. 6 der getöteten Radfahrer zogen sich bei Unfällen schwere Kopfverletzungen zu, an denen sie letztlich starben.

Über die Hälfte der Verkehrsunfälle wurden von den Radfahrern verursacht. Hauptsächlich missachteten sie dabei die Vorfahrt bzw. den Vorrang anderer Verkehrsteilnehmer, fuhren als sog. Geisterradler entgegen der vorgeschriebenen Fahrtrichtung auf dem Radweg oder verbotswidrig auf dem Gehweg.

Etwa jeder siebte Unfall mit Beteiligung von Radfahrern (2018: jeder 8.) ereignete sich, weil der Pkw- oder Lkw-Fahrer beim Rechtsabbiegen den in gleicher Richtung fahrenden Radfahrer übersehen hat.

Vor allem bei rechtsabbiegenden Lkw spielt der sogenannte „Tote Winkel“ eine entscheidende Rolle. Im Jahr 2019 kam es aufgrund dieser Problematik zu insgesamt 25 Verkehrsunfällen mit Personenschaden. Bei einem dieser Unfälle wurde ein 11-jähriger Schüler getötet.

Unter den 3.161 Radfahrerunfällen waren 176 mit Pedelecs. Das sind mehr als doppelt so viele wie im Vorjahr mit 86. Angesichts der rasanten Zuwachsraten der Elektrofahrräder im Straßenverkehr ist dieser deutliche Anstieg jedoch nicht verwunderlich. Unter den verunfallten Pedelec-Fahrern befanden sich 52 Senioren (2018: 37).


Unser Rat an alle Verkehrsteilnehmer:

  • Denken Sie im Bereich von Kreuzungen und Einmündungen an die Gefahren des „Toten Winkels“!
  • Denken Sie als Kraftfahrer beim Rechtsabbiegen an den sogenannten Schulterblick und fahren Sie vorsichtig und umsichtig in den Kreuzungsbereich ein! Tasten Sie sich gegebenenfalls langsam voran!
  • Suchen Sie als Radfahrer Blickkontakt zu den Fahrern von rechtsabbiegenden Fahrzeugen und stellen Sie so sicher, dass Sie wahrgenommen wurden!
  • Verzichten Sie lieber auf Ihr Vorrecht, wenn Sie nicht sicher sind, dass Sie der Fahrer gesehen hat!
  • Achten Sie als Autofahrer beim Aussteigen auf Radfahrer. Türe am besten mit der rechten Hand öffnen, dann drehen sie automatisch den Oberkörper mit und haben besseren Blick nach hinten (sog. "Holländer-Griff")

Möglichkeiten der Unfallvermeidung


Die Radfahrer selbst können demnach wesentlich dazu beitragen, Unfälle mit ihrer Beteiligung zu vermeiden, indem sie sich


  • zu allererst an die einschlägigen Verkehrsregeln halten,
  • nicht stur auf ihr Recht beharren,
  • vorausschauend und defensiv fahren,
  • mögliche Fehler anderer einkalkulieren und
  • auf andere Rücksicht nehmen.

Das Gleiche gilt natürlich auch für die Fußgänger, die oftmals unvorsichtig vom Gehweg aus auf den Radweg treten, und vor allem für die Kraftfahrer, die nicht nur beim Abbiegen besser aufpassen sollten, sondern darüber hinaus insbesondere


  • beim Überholen von Radfahrern einen Seitenabstand innerorts von mindestens 1,5 m und außerorts von mindestens 2 m einhalten,
  • nicht auf Radwegen oder Schutzstreifen für Radfahrer halten oder parken
  • beim Parken den vorgeschriebenen 8-Meter-Bereich vor Einmündungen bzw. Kreuzungen einhalten, um die Sicht auf den Radweg nicht zu behindern.

Weitere Infos


 

 

 

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