Gemeinsame Pressemitteilung der Zentralstelle Cybercrime Bayern und des Polizeipräsidiums Oberfranken
Bamberg/Coburg/Râmnicu Vâlcea. Umfangreiche Ermittlungen der Zentralstelle Cybercrime Bayern und der Kriminalpolizeiinspektion Coburg gemeinsam mit rumänischen Ermittlungsbehörden führten zur Festnahme von zwei Tatverdächtigen im rumänischen Râmnicu Vâlcea. Ihnen wird vorgeworfen, mit betrügerischen Onlinegeschäften einen hohen finanziellen Schaden verursacht zu haben.
Bereits seit Januar 2026 führen die Spezialstaatsanwälte der Zentralstelle Cybercrime Bayern und die bei der Kriminalpolizeiinspektion Coburg eigens eingerichtete Ermittlungsgruppe „Cardealer“ Ermittlungen gegen eine zunächst unbekannte Gruppierung u.a. wegen des Verdachts des gewerbsmäßigen Betrugs.
Nach den bisherigen Erkenntnissen verschafften sich die Täter unberechtigt Zugang zu Benutzerkonten seriöser Fahrzeughändler auf Onlineplattformen und veröffentlichten dort gefälschte Fahrzeuginserate. Zudem fälschten sie bei Fahrzeugverkäufen Rechnungen, sodass die Geschädigten das Geld nicht auf Konten der Händler, sondern auf von den Tätern kontrollierte Bankkonten in Deutschland und Spanien überwiesen. Die Tätergruppe soll seit September 2025 mehrere hundert Händlerkonten übernommen und über 5.000 gefälschte Fahrzeugangebote veröffentlicht haben. Der den gutgläubigen Fahrzeugkäufern entstandene Schaden liegt nach aktuellen Erkenntnissen bei mehr als 660.000 EUR.
Im Zuge der Ermittlungen gelang es, zwei Tatverdächtige zu identifizieren. Im Rahmen eines Action Days gemeinsam mit den rumänischen Behörden am 7. Juli 2026 wurden ein 40-jähriger und ein 44-jähriger rumänischer Staatsangehöriger in Râmnicu Vâlcea festgenommen und Durchsuchungen durchgeführt. An den Maßnahmen in Rumänien waren zwei Staatsanwälte der Zentralstelle Cybercrime Bayern und Ermittler der KPI Coburg unmittelbar beteiligt. Es wurden vor Ort Bargeld und Goldmünzen im Wert von ca. 100.000 EUR sichergestellt und unmittelbar an die deutschen Beamten übergeben. Die beiden Beschuldigten wurden bereits nach Deutschland ausgeliefert und dem Haftrichter vorgeführt. Die Männer befinden sich in Untersuchungshaft.
Râmnicu Vâlcea trägt in den Medien oft den Spitznamen „Hackerville“, weil die rumänische Stadt über Jahre hinweg als Zentrum international agierender Cyberkrimineller und insbesondere des Online-Betrugs bekannt wurde.
Die weitere Auswertung der gesicherten Beweismittel sowie die Ermittlungen zu weiteren Tatbeteiligten dauern an. Weitere Einzelheiten zum laufenden Ermittlungsverfahren können deshalb derzeit nicht mitgeteilt werden.
Seit dem 1. Januar 2015 besteht bei der Generalstaatsanwaltschaft Bamberg die Zentralstelle Cybercrime Bayern. Diese Zentralstelle ist bayernweit zuständig für die Bearbeitung heraus-gehobener Ermittlungsverfahren im Bereich der Cyberkriminalität. Sie ermittelt in Zusammenarbeit mit den entsprechenden Spezialisten der Landes- und Bundespolizei, des Bundeskriminalamts, des Zollfahndungsdienstes und mit internationalen Partnern, z.B. bei Angriffen auf bedeutende Wirtschaftszweige oder bei Verfahren aus dem Bereich der organisierten Cyberkriminalität. Auch dann, wenn bei Verfahren der Allgemeinkriminalität ein hoher Ermittlungsaufwand im Bereich der Computer- und Informationstechnik abzuarbeiten ist, werden die Staatsanwälte der Zentralstelle tätig. Die bearbeiteten Fälle sind vielfältig. Sie reichen von Hackerangriffen über Fälle des Vorkasse-Betrugs im Internet, z. B. durch professionelle sog. Fake-Shops, und Fälle von Ransomware bis hin zum Handel mit Waffen, Drogen und Falschgeld im Darknet. Zudem ist die Zentralstelle Cybercrime Bayern für herausgehobene Fälle der Wirtschaftscyberkriminalität zuständig.
Seit dem 1. Oktober 2020 besteht bei der Zentralstelle Cybercrime Bayern zudem das Zentrum zur Bekämpfung von Kinderpornografie und sexuellem Missbrauch im Internet. Diese Spezialeinheit konzentriert sich insbesondere auf Betreiber und Nutzer von Darknet-Foren, die kinderpornografisches Material herstellen, posten oder damit handeln.
Für Rückfragen steht Ihnen Leitender Oberstaatsanwalt Thomas Goger unter der Telefonnummer 0951/833-1451 oder über pressestelle@gensta-ba.bayern.de gerne zur Verfügung.