München/Ainring - Deutschland zählt zu den lukrativsten Absatzmärkten für illegale Drogen weltweit. Ab heute treffen sich im Fortbildungsinstitut der Bayerischen Polizei in Ainring Führungskräfte und Verantwortliche von Polizei, Zoll und Staatsanwaltschaften aus 20 Staaten, um Informationen auszutauschen und gemeinsame Strategien in der Drogenbekämpfung zu beraten. Die Veranstaltung mit dem Namen Arbeitsgruppe (AG) Südost wird vom Bayerischen Landeskriminalamt zusammen mit der amerikanischen Spezialeinheit zur Drogenbekämpfung, der Drug Enforcement Administration (DEA) geleitet.
Neben der
- massiven Problemstellung hinsichtlich Kokain in Europa sind
- die Bekämpfung des Rauschgift-Online-Handels sowie
- die Bedrohung durch hochgefährliche synthetische Opioide wie Fentanyl
Schwerpunkte im diesjährigen Tagungsprogramm.
Der Anbau und der Export von Rohopium aus Afghanistan als Basis für Heroin sind seit der Machtübernahme der Islamisten massiv zurückgegangen, was zu einer Verknappung auf dem Schwarzmarkt führen wird. Es bleibt zu befürchten, dass diese Lücke durch das günstige und deutlich gefährlichere Fentanyl gefüllt wird und sich möglicherweise rasch ausbreiten könnte.
„Fentanyl ist eine extrem potente und gefährliche Droge die bereits Europa erreicht hat. Wir müssen entschieden und in enger Abstimmung mit unseren internationalen Partnern gegen die Verbreitung vorgehen. Europa und Deutschland dürfen sich nicht zu einem lukrativen Absatzmarkt dieser synthetischen Droge entwickeln“ sagt LKA-Vizepräsident Guido Limmer.
Die Bekämpfung der organisierten Rauschgiftkriminalität stellt nach wie vor einen wichtigen Teil der polizeilichen Arbeit dar, Rauschgift ist ein Motor der Organisierten Kriminalität. Rauschgiftkartelle machen nicht vor Staatsgrenzen halt. Die internationale Zusammenarbeit der Sicherheitsbehörden ist hierzu unerlässlich und die AG Südost ist seit über 50 Jahren ein fester Bestandteil des weltweiten Austausches.
Die AG Südost blickt auf eine langjährige Geschichte zurück. Ihre Gründung erfolgte im Jahr 1972 in den Hochzeiten des Kalten Krieges. Damals ermittelten die US-Behörden gegen die berüchtigte „French Connection“. Die Täter schmuggelten Heroin über die Balkanroute nach Frankreich und verschifften die Drogen in die USA. Da die Täter einen Bezug nach München hatten, baten die Amerikaner das Bayerische Landeskriminalamt um Unterstützung. So entstand die Arbeitsgruppe, der die Arbeit auch nach fünf Jahrzehnten nicht ausgegangen ist.
Zwar gelang die Zerschlagung der French Connection schon damals vor 50 Jahren, jedoch traten an ihre Stelle immer wieder neue Gruppierungen, die das große Geld mit den Drogen witterten und die Strafverfolgungsbehörden immer wieder aufs Neue herausforderten.
Die Profiteure sind international agierende kriminelle Netzwerke, die von der EU als ernsthafte Gefahr für die Innere Sicherheit eingestuft werden. Sie zu fassen und zu zerschlagen, stellt die Sicherheitsbehörden vor immense Herausforderungen. Eine eng abgestimmte internationale Zusammenarbeit der Strafverfolgungsbehörden ist dazu unabdingbar.
„Die AG Südost zählt zu den wichtigsten internationalen Plattformen, um auf Fachebene Strategien zur Bekämpfung dieser sogenannten Hochrisikonetzwerke zu erörtern“, erläutert Kriminaldirektor Markus Neueder, der als Leiter des LKA-Drogendezernats zugleich Geschäftsführer der internationalen Konferenzreihe ist.