MARKTOBERDORF/GÖRISRIED/AITRANG. Seit einiger Zeit sind im Dienstbereich der Polizeiinspektion Marktoberdorf überregional agierende betrügerische Dachdecker unterwegs. Sie suchen nach alten Häusern mit älteren Hausbesitzern, bieten an die Dachrinnen oder Dächer zu renovieren, und überzeugen die Hausbesitzer, dass dies dringend notwendig sei. Ohne Kostenvoranschlag und eine Preisvereinbarung beginnen die Dachdecker ihre Arbeit und bauen hierbei minderwertiges Material ein. Nach Abschluss der Arbeiten verlangen sie horrend hohe Preise, was in keinem Verhältnis zur geleisteten Arbeit steht.
So wie in einem Fall im Gemeindegebiet Görisried vom 06.05.2025. Hier wurden vermeintliche Dachdecker bei einem 78-jährigen Hausbesitzer vorstellig und konnten diesen überzeugen, dessen Dachrinne zu wechseln. Nach dem Austausch von 28 laufenden Metern Dachrinne verlangen die Täter 18.000 Euro für die geleistete Arbeit und wollten den Betrag bar kassieren. Da der ältere Herr nicht über diesen Betrag verfügte, senkten die Betrüger den Preis und drängten ihn, das Geld von der Bank abzuholen. Als die örtliche Bank geschlossen war, forderten sie ihn auf, eine Bank in der Nachbargemeinde aufzusuchen. Dort wurde er jedoch von einem Bankmitarbeiter gewarnt und informierte anschließend die Polizei.
Die Täter kündigten an, am nächsten Tag zurückzukehren, um das Geld abzuholen, und verlangten weiterhin Bargeld ohne Rechnung. Der 78-jährige vereinbarte nach Absprache mit der Polizei mit den Tätern am nächsten Tag einen Termin zur Geldübergabe. Zu diesem erschienen die Täter verfrüht und wurden misstrauisch, da der 78-jährige die Täter erneut vertröstete und etwas hinhielt. Die Täter zogen sich anschließend zurück. Dank der Sensibilisierung der Nachbarn konnte ein Nachbar ein Foto des Täterfahrzeugs machen.
Eine großräumige Fahndung führte dazu, dass das Fahrzeug der Täter von einer Zivilstreife der Polizeiinspektion Buchloe auf der B12 mit hoher Geschwindigkeit gesichtet wurde. Als die Täter die Polizei bemerkten, flüchteten sie mit Geschwindigkeiten von über 200 km/h, überholten im Überholverbot. Schließlich konnten sie an einem Parkplatz angehalten werden. Die beiden Insassen sehen einem Strafverfahren wegen Wuchers und verbotenem Straßenrennen entgegen.
In einem weiteren Fall wurden die Täter bei einem 90-jährigen Hausbesitzer in Aitrang vorstellig, auch hier haben diese einen Teil der Dachrinne gewechselt, jedoch wurden die Täter hier durch die aufmerksamen Nachbarn gestört und verließen bei halbfertigen Arbeiten das Grundstück. Hier wurde jedoch noch kein Preis verhandelt.
Die Tätergruppe stammt aus dem südeuropäischen Raum und agiert bundesweit. Die Polizei warnt eindringlich vor solchen Haustürgeschäften und rät, im Zweifelsfall immer die Polizei zu kontaktieren.
Medienkontakt:
Pressestelle beim Polizeipräsidium Schwaben Süd/West, D-87439 Kempten (Allgäu), Rufnummer (+49) 0831 9909-0 (-1012/ -1013).