WÜRZBURG / OBERDÜRRBACH. Am Dienstagnachmittag haben Betrüger eine Frau angerufen und ihr eine erfundene Geschichte erzählt. Die Geschichte hörte sich so real an und klang so schlimm, dass die 61-Jährige den Anruf für echt empfand. Gleichzeitig wurde ihr skeptischer Ehemann durch die Täter zum Amtsgericht geschickt und somit abgelenkt. Die Täter konnten Bargeld im niedrigen fünfstelligen Bereich erbeuten.
Am Dienstag klingelte bei einer 61-jährigen Würzburgerin das Telefon. Am Apparat war die angebliche Tochter der Frau. Das Telefonat wurde sehr schnell an einen Mann weitergegeben, welcher eine typische Betrugsmasche schilderte. „Ihre Tochter hat einen Verkehrsunfall mit Todesfolge verursacht und muss nun einem Haftrichter vorgeführt werden. Eine Haftstrafe kann nur gegen eine Kaution abgewendet werden“. Die 61-Jährige glaubte die erfundene Geschichte am Telefon und berichtete von ihren zu Hause aufbewahrten Wertgegenständen.
Ehemann wird ebenfalls getäuscht
Während des Gespräches kam der 59-jährige Ehemann hinzu, übernahm kurzzeitig das laufende Telefonat und wurde schließlich von den Tätern in ein separates Telefongespräch verwickelt. Hier wurde dem Mann glaubhaft erzählt, dass kein Bargeld übergeben werden muss. Der 59-Jährige sollte jedoch die angebliche Kaution mit seiner EC-Karte beim Amtsgericht in Würzburg hinterlegen.
Übergabe von Bargeld
Während der Ehemann zum Gericht fuhr, wurde die 61-Jährige am Telefon zu Hause überzeugt, Bargeld im niedrigen fünfstelligen Bereich an einen Abholer zu übergeben.
Die Übergabe des Bargeldes erfolgte gegen 16:45 Uhr in der Straße „Sonnenweg“. Der Abholer des Geldes wird folgedermaßen beschrieben:
- Männlich
- Circa 175 cm groß
- Schlanke Statur
- Etwa 23 Jahre alt
- Brauner Hautteint
- Trug einen weißen Jogginganzug
- Hatte eine schwarze Umhängetasche bei sich
Bei der Geldübergabe konnte die 61-jährige Frau auf dem Dorfplatz eine Frau mit einem Kind wahrnehmen. Diese Frau könnte eine wichtige Zeugin sein und wird dringend gebeten, sich bei der Kripo zu melden.
Wer den Abholer möglicherweise beobachtet hat oder wer sonst sachdienliche Hinweise geben kann, die zur Identifizierung des Mannes beitragen könnten, wird dringend gebeten, sich unter Tel. 0931/457-1732 mit der Kriminalpolizei Würzburg in Verbindung zu setzen. Auch Hinweise auf ein mögliches Fluchtfahrzeug sind für die Ermittler wichtig.
Die Präventionskampagnen des Polizeipräsidiums Unterfranken
Bereits Ende 2020 hat das Polizeipräsidium Unterfranken die Präventionskampagne “Leg´auf!” ins Leben gerufen. Zusätzlich startete im Juli 2022 auch an unterfränkischen Schulen die Kampagne „Ich schütze Oma und Opa“. Mit den Kampagnen „Ich schütze Oma und Opa“ sowie „Chill mal Oma“ setzt die unterfränkische Polizei nun auf die Unterstützung von Jugendlichen, sowie Schülerinnen und Schülern. Diese sollen Großeltern sowie ältere Bekannte auf die Betrugsmaschen der Täter aufmerksam machen.
Das Ziel dieser Kampagnen ist es, insbesondere ältere Menschen und deren Angehörigen über die Phänomene wie „Enkeltrickbetrug“ und „Falsche Polizeibeamte“ zu informieren, zu sensibilisieren und Verhaltenstipps zu geben. Die wichtigsten Botschaften sind:
- Legen Sie auf. Wählen Sie selbst die Notrufnummer 110 und fragen bei der Polizei nach einem entsprechenden Einsatz bzw. ob tatsächlich Verwandte in Not sind.
- Die Polizei weist Sie niemals an, Geld oder Schmuck zu Hause zur Abholung bereit zu legen oder an Abholer zu übergeben!
- Übergeben Sie keine Geldbeträge an Fremde! Auch die Polizei holt bei Ihnen an der Haustüre keine Wertsachen ab, um sie in Verwahrung zu nehmen!
- Die Täter können mittels Call ID-Spoofing jede von ihnen gewünschte Rufnummer auf dem Telefondisplay anzeigen lassen - bei der echten Polizei erscheint niemals die 110 (auch nicht mit Vorwahl)!
- Sprechen Sie mit ihren Freunden, Nachbarn und Verwandten über das Phänomen!
Weitere Informationen:
„Leg‘ auf!“: Die Bayerische Polizei - Präventionskampagne - LEG' AUF! in Unterfranken (bayern.de)
Dort finden sie zudem weiterführende Links zu den Kampagnen
- „Ich schütze Oma und Opa“
- „Chill mal Oma“