27.06.2025, Polizeipräsidium München

992. Pressekonferenz zum Lagebild „Gewalt gegen Polizeibeamte im Jahr 2024“ im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums München

Am Donnerstag, 26.06.2025, 11:30 Uhr, stellte Polizeipräsident Thomas Hampel im Medienzentrum des Polizeipräsidiums Münchens in einer Pressekonferenz das Lagebild „Gewalt gegen Polizeibeamte im Jahr 2024“ im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums München vor.

Im vergangenen Jahr wurden mit insgesamt 1.338 Fällen 111 Fälle von Gewalt gegen Polizeibeamte weniger als im Vorjahr erfasst, was einem Rückgang von -7,7% entspricht. Demgegenüber steht jedoch ein Anstieg der Fälle im 10-Jahresvergleich von +10,4%.

Die insgesamt 1.338 Straftaten gegen Polizeibeamtinnen und -beamte setzen sich schwerpunktmäßig wie folgt zusammen:

332 Beleidigungen (2023: 443 Fälle)

- 25,1%

347 Widerstände gegen Polizeivollzugsbeamte (2023: 332 Fälle)

+ 4,5%

483 Tätliche Angriffe (2023: 489 Fälle)

- 1,2%

63 gefährliche oder schwere Körperverletzungen (2023: 67 Fälle)

- 6,0%

Trotz des Rückgangs liegt die Anzahl gewaltsamer Übergriffe auf hohem Niveau. Ein Großteil des Rückgangs der Gesamtzahl bezieht sich auf den Bereich der Beleidigungen. Über 70% aller registrierten Straftaten richteten sich direkt gegen die körperliche Unversehrtheit der Polizeikräfte.

Dabei wurden 609 Polizeibeamtinnen und -beamte verletzt (2023: 568). Seit 2015 (331 Verletzte) stieg die Zahl innerhalb von 10 Jahren somit auf nahezu das doppelte an.

Das sind fast zwei verletzte Polizeibeamte jeden Tag.

In 23 (12) Fällen wurden Hieb- und Stoßwaffen mitgeführt, bzw. eingesetzt. In 3 (3) Fällen handelte es sich um Messerangriffe gegen Polizeikräfte.

Polizeibeamte werden häufig mit Einsätzen konfrontiert, bei denen damit gerechnet werden muss, dass die agierenden Personen Waffen oder gefährliche Gegenstände mitführen. Im Jahr 2024 kam es zu insgesamt 236 entsprechenden Einsätzen, mit Einsatzschlagworten wie „Bedrohung - Waffe“ oder „Körperverletzung - Waffe“. In den überwiegenden Fällen kann durch schnelles und konsequentes Einschreiten der Polizeikräfte verhindert werden, dass es zu konkreten Gefährdungen oder Personenschäden kommt.

Dennoch kommt es immer wieder vor, dass sich Polizeibeamtinnen und -beamte bei ihrer Dienstverrichtung mit gefährlichen und sogar lebensgefährlichen Situationen konfrontiert sehen. In diesen Situationen müssen sie innerhalb von Sekunden reagieren.

Durch den Attentäter am Karolinenplatz im September 2024 wurde gezielt auf Polizeibeamte geschossen. Da das diesbezügliche Ermittlungsverfahren allerdings noch nicht abgeschlossen ist, findet der Angriff jedoch noch keinen Eingang in die aktuelle Statistik.

Doch auch scheinbar harmlose Einsätze können schnell und unvorhersehbar eskalieren. Am 28.08.2024 wurde eine Streife der Polizeiinspektion 41 (Laim) zu einer Sachbeschädigung an mehreren geparkten Pkw in die Schröfelhofstraße beordert. Die schnell eintreffende Streifenbesatzung konnte einen Tatverdächtigen feststellen, der passiv am Gehweg stand. Als sich die Polizeibeamten im Streifenfahrzeug näherten, begann der 46-Jährige zu schreien und schlug auf die Beifahrerseite des Fahrzeugs ein, sodass die Beifahrerin nicht aussteigen konnte.

Der 51-jährige Polizeibeamte, der das Fahrzeug führte, stieg aus. Der Tatverdächtige rannte unmittelbar auf ihn zu und schlug ihn mit einer mitgeführten Tüte, in der sich ein Glas befand so massiv ins Gesicht, dass der Polizeibeamte einen Jochbeinbruch und eine stark blutende Schnittverletzung am Kopf davontrug. Er musste stationär im Krankenhaus behandelt werden und war mehr als zwei Wochen dienstunfähig. Näheres ist der Medieninformation 1356 vom 30.08.2024 zu entnehmen.

Die Anzahl der Tatverdächtigen beläuft sich auf insgesamt 1.174 (2023: 1.264). Über diese kann Folgendes festgehalten werden:

über 84% männlich

53,0% alkoholisiert (allgemeine Gewaltkriminalität ohne Gewalt gegen Polizeibeamtinnen und -beamte: ~ 27%)

77,2% bereits polizeibekannt

Mit 1.002 Personen von 1.174 Tatverdächtigen handelte es sich bei den Beschuldigten überwiegend um Erwachsene. In 88 Fällen waren die Tatverdächtigen Heranwachsende unter 21 Jahren, in 81 Fällen Jugendliche und in 3 Fällen strafunmündige Kinder. Die zuletzt angestiegene Kinder- und Jugendkriminalität ist somit auch im Bereich Gewalt gegen Polizeibeamte als relevant anzusehen.

Nach herausfordernden Einsätzen, auch mit verletzten Polizeibeamten, geht es nicht nur darum, die körperliche Gesundheit wiederherzustellen, sondern auch möglichen psychischen Folgen solcher Angriffe zu begegnen. Bereits unmittelbar nach belastenden Einsätzen beginnt ein umfangreiches Fürsorge- und Betreuungskonzept. In der unmittelbaren Erstphase erfolgt die Betreuung durch die direkten Vorgesetzten. In entsprechenden Fällen organisiert das Präsidium zudem darauf aufbauend Nachsorgemaßnahmen durch psychosoziale Fachkräfte und speziell beschulte Beamte, sogenannte „Peers“. Diese sollen als qualifizierte und kollegiale Ansprechpartner in den ersten Stunden und Tagen nach herausfordernden Einsätzen dienen und sind ein weiterer Baustein, mit dem das Polizeipräsidium München seinen Einsatzkräften zur Seite steht.

In diesem Zusammenhang bedankte sich Polizeipräsident Hampel sowohl beim Zentralen Psychologischen Dienst der Bayerischen Polizei, der Einsatzkräfte nach belastenden Erlebnissen professionell behandelt und begleitet sowie allen weiteren Beteiligten. Hierzu sagte Polizeipräsident Hampel: „Wer täglich mit Gewalt und Eskalation konfrontiert ist, braucht nicht nur körperlichen Schutz, sondern auch mentale Stärke. Und die volle Rückendeckung der Organisation.“

Außerdem wurde erneut der Dank für die großzügige und unbürokratische Unterstützung verletzter Polizeibeamter durch die Bayerische Polizeistiftung ausgesprochen, die im Jahr 2024 in 35 Fällen Zuwendungen in Höhe von insgesamt ca. 50.000 EUR an Geschädigte ausgezahlt hatte.

Um die Einsatzkräfte bestmöglich vor Angriffen zu schützen, arbeitet die Münchner Polizei umfangreich im präventiven Bereich. Neben intensiver Aus- und Fortbildung, moderner Schutzausstattung, neuer Dienstwaffe, Body-Cam und Distanz-Elektroimpulsgerät (DEIG), liegt ein Schwerpunkt auf moderner Einsatzsteuerung. Damit soll erreicht werden, dass die Polizei bestens auf jedes erdenkliche Szenario vorbereitet ist. Die Erfahrungen der Vergangenheit zeigten zudem, dass sich auch unscheinbare Einsatzlagen dynamisch entwickeln können und eine moderne Informationssteuerung zwischen der Einsatzzentrale und den beteiligten Einsatzkräften entscheidend sein kann.

Ein Einsatzmittel, das sich in den vergangenen Jahren zum Schutz von Einsatzkräften etabliert hat, ist die Bodycam. Sie dient primär dazu, potentielle Straftäter abzuschrecken, indem sie ab der manuellen Aktivierung durch den Nutzer Video- und Tonaufzeichnungen des Geschehens fertigt. Neben einem präventiven Nutzen haben die Bodycam Aufzeichnungen auch einen hohen Beweiswert im Strafverfahren. In 420 (2023: 356) Fällen von Gewalt gegen Polizeibeamte wurden im vergangenen Jahr Bodycam Aufzeichnungen gefertigt. Kriminaldirektor Holger Schmidt, Leiter der Bayernweiten Verfahrenskoordinierung Bodycam, schilderte die Erfahrungen mit diesem Einsatzmittel und gab einen Ausblick auf die Weiterentwicklung und zukünftigen technischen Möglichkeiten bei der Bayerischen Polizei.

Polizeipräsident Thomas Hampel betonte zum Abschluss der Pressekonferenz: „Die Münchner Polizei genießt bei der großen Mehrheit unserer Bürgerinnen und Bürger ein hohes Maß an Vertrauen - und das zurecht. München ist zum 49. Mal in Folge sicherste Millionenstadt Deutschlands und hat sich zum wiederholten Male auf Platz 1 bei den sichersten Städten über 200.000 Einwohnern behauptet. Doch gleichzeitig beobachten wir, dass die Hemmschwelle, Polizistinnen und Polizisten zu beleidigen, zu bedrohen oder gar anzugreifen, sinkt. Deshalb ist unser gemeinsames Handeln gefordert. Unsere Polizistinnen und Polizisten stehen für unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung ein. Wer sie angreift, greift nicht nur Menschen in Uniform an. Er greift auch die Werte an, auf denen unser Zusammenleben fußt.“