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30.01.2014, PP München


"Winterreifenpflicht" bei Glatteis, Schneeglätte, Schneematsch, Eis- oder Reifglätte

„Wozu Winterreifen, wenn es in der Stadt so gut wie nie schneit?" – „Meine neuen Sommerreifen genügen mir auch im Winter!“ Diese und ähnliche Ansichten haben schon viele Autofahrer buchstäblich aufs Glatteis geführt.

Seit 4. Dezember 2010 gilt nun eine "Winterreifenpflicht" bei Glatteis, Schneeglätte, Schneematsch, Eis- oder Reifglätte.


Für viele Betroffene war dann Endstation in zermürbenden Staus auf der Autobahn und bei unzähligen vermeidbaren Unfällen.

Beispiellose Folge unangepasster Bereifung – insbesondere bei Lkws – waren die dramatischen Staus in weiten Teilen Deutschlands beim Schneechaos noch Ende November 2010.

Anknüpfend werden die Wirkungsweisen von Winterreifen sowie die rechtlichen und versicherungstechnischen Aspekte erläutert.


I. Technische Aspekte


1. Wirkungsunterschiede


a) Gummimischung - der Reibwiderstand


Den jährlichen Umfragen zufolge glauben noch immer viele Autofahrer, dass die Profiltiefe alleine entscheidend ist für den sicheren Grip auf der Straße. Ausschlaggebend dafür ist vielmehr, dass sich der Laufflächengummi im Mikrobereich der rauen Oberfläche des Asphaltes anpasst, also eine formschlüssige Reibung erzeugt.

Die Laufflächenmischung von Winterreifen soll ein hohes Maß an Kälteflexibilität bewahren und so auch bei Minusgraden eine elastische Mikroverzahnung mit der Fahrbahn gewährleisten. Dies gelingt durch die vermehrte Zugabe von Naturkautschuk, Silicaten und bestimmten Additiven.

Eine Gummimischung, die im Sommer wie im Winter ihre gleich bleibende bzw. erforderliche Geschmeidigkeit behält, gibt es – noch – nicht. Mittlerweile wird bereits an adaptiven (anpassenden) Gummimischungen geforscht, die bei hohen Temperaturen härter und bei tiefen Temperaturen weicher werden sollen. Wegen seiner weicheren Gummimischung hat ein Winterreifen im Sommer allerdings einen etwa 10 % höheren Verschleiß als ein Sommerreifen. Dieser büßt dafür bei niedrigen Temperaturen etwa 10 - 20 % seiner Lebensdauer ein; Ursache sind die sich auflösenden chemischen Verbindungen.


b) Profil - grobe Verzahnung


Schnee und Matsch drücken sich in die breiten Rillen zwischen den Profilblöcken und erzeugen den Scheerwiderstand gegenüber der Fahrbahn. Aus den breiten Rillen kann sich wiederum beim Abrollen der anhaftende Schnee und Matsch leicht lösen, sodass beim erneuten „Eintauchen“ in den winterlichen Straßenbelag ein offenes Profil zur Verfügung steht. Ungeachtet der gesetzlichen Mindestprofiltiefe von 1,6 mm sollten Winterreifen nicht unter 4 mm und Sommerreifen nicht unter 2 mm Restprofiltiefe eingesetzt werden, denn darunter nimmt die Traktions- und Bremskraftübertragung sprunghaft ab. Ein Neureifen verfügt über ca. 8 mm Profiltiefe.


c) Lamellen - kleine Griffkanten


Hierunter versteht man die zahlreichen sichtbaren, feinen Einschnitte in den Profilblöcken. Diese sind von oben betrachtet meist zackig oder wabenartig ausgeformt. Bei einer Reifendrehung unter Antriebs- oder Verzögerungsbelastung verbiegen sich die Profilklötze minimal (Scheibenwischereffekt), sodass die feinen Kanten der Lamellen an der Kontaktstelle zur Fahrbahn wie Krallen nach außen treten und für zusätzlichen Grip und bessere Nässeableitung sorgen. Die Längen aller Lamellen und Profilblockkanten zusammenaddiert ergibt die so genannte Kantenlänge eines Reifens. Ein guter Winterreifen erreicht hierbei im Bereich der Reifenaufstandsfläche etwa 30 Meter Kantenlänge.


2. Bremsvergleiche und Handling


Bei einem Versuch wurde festgestellt, dass ein Pkw mit Sommerreifen auf verschneiter Fahrbahn bei 50 km/h nach 43 m zum Stehen kommt, während ein Pkw mit Winterreifen nur 35 m benötigte. Dort wo der Pkw mit Winterreifen bereits stand, hatte das Fahrzeug mit Sommerreifen noch eine Restgeschwindigkeit von 23 km/h.

Bei 80 km/h betrug der Bremsweg mit Sommerreifen auf schneebedeckter Straße sogar 112 Meter. Mit Winterreifen kam der Pkw bereits nach 70 Metern zum Stillstand. Der Pkw mit Sommerreifen träfe an diesem Haltepunkt noch mit 48,8 km/h auf ein Hindernis!

Auch bei nasser oder trockener Fahrbahn unterhalb 7° Celsius lag der Winterreifen mit knapp 10 % kürzerem Bremsweg wieder vor dem Sommerreifen. Erst ab etwa 7° Celsius – egal ob nass oder trocken – lag der Sommerreifen mit bis zu 10 % besseren Ergebnissen im Vorteil.

Verschiedene Tests in Automobilzeitschriften haben ergeben, dass Sommerreifen beim Handling (Kurvenfahren) auf Schnee nur ca. 35 % des Leistungsvermögens eines Winterreifens erreichen. Bei der Traktion (Zug-/Bremskraft) erzielen Sommerreifen sogar nur noch ca. 30 % des Möglichen. Ein halb abgefahrener Winterreifen (4 mm) bewältigt etwa 80 % der Leistung eines neuen Modells. Ein gebrauchter Winterreifen ist somit immer noch besser ist, als ein neuer Sommerreifen.


3. Welche Reifen


Schneeflocke

In der Zulassungsbescheinigung Teil I (bisher Fahrzeugschein) sind in der Regel zwei Reifengrößen eingetragen. Der Mythos, dass man im Winter schmalere Reifen als im Sommer verwenden soll, hat noch seinen Ursprung aus Zeiten, in denen es deutliche konstruktive Grenzen in der Profil- und Lamellengestaltung der Winterreifen gab. Heutzutage gilt: optimal sind die Reifen, die vom Hersteller mit dem Neuwagen geliefert werden. Im Sommer wie im Winter sollte die gleiche Größe verwendet werden.
Ausnahme: die gewünschten Schneeketten passen nur auf die kleinere Reifendimension.

Jeder Reifen ist an der Seitenwand mit technischen Daten beschriftet. Liest man beispielsweise dort „165/70 R13 79 T“, so bedeutet dies im Einzelnen:

165 = Reifenbreite in mm,
70 = Verhältnis von Breite zu Höhe in Prozent,
R = Radial-Bauweise (der Standard für Pkw),
13 = Felgendurchmesser in Zoll,
79 = Tragfähigkeits-Kennzahl (hier 437 kg pro Reifen),
T = Höchstgeschwindigkeits-Symbol (hier 190 km/h).

Liegt die Höchstgeschwindigkeit des Fahrzeuges über der Erlaubten des Reifens (T), so muss im Fahrersichtfeld eine kleine Plakette mit der zulässigen Reifenhöchstgeschwindigkeit angebracht werden. Der Fahrzeugführer darf dann nicht schneller fahren, als die Zulassung des Reifen erlaubt.

Die Kennzeichnung mit dem ungeschützten Symbol „M+S“ steht für „mud and snow“, also „Matsch und Schnee“, und soll auf gute Wintereigenschaften hinweisen.

Die Definition M+S-Reifen nach Richtlinie 2005/11/EG, Zfr. 2.2 lautet:
"M+S-Reifen" sind Reifen, bei denen das Profil der Lauffläche und die Struktur so konzipiert sind, dass sie vor allem im Matsch und frischem oder schmelzendem Schnee bessere Fahreigenschaften gewährleisten als normale Reifen. Das Profil der Lauffläche der M + S-Reifen ist im allgemeinen durch größere Profilrillen und/oder Stollen gekennzeichnet, die voneinander durch größere Zwischenräume getrennt sind, als dies bei normalen Reifen der Fall ist.

Die Bezeichnung „M+S“ liest man auch oft auf Ganzjahresreifen, die eine Mischung aus Sommer- und Winterreifen darstellen, aber allenfalls für Wenigfahrer in schneearmen, milden Regionen sinnvoll sind. Wegen der technischen Kompromisslösung dieser Reifenart verschieben sich deren Eigenschaften entweder zu Gunsten der Winter- oder der Sommertauglichkeit.

Wer sicher gehen will, einen richtigen Winterreifen zu erwerben, der sollte jedoch auf das Symbol mit der Schneeflocke achten, welches nur Reifen erhalten, die nachvollziehbaren Testkriterien entsprechen.

Besonders wichtig sind Winterreifen auch für Offroadfahrzeuge, denn hier gaukeln die Reifen durch den Allradantrieb beim Anfahren eine Traktion vor, die sie beim Bremsen nicht halten können.


4. Wartung und Lagerung


Generelle Luftdruckzuschläge für Winterreifen sind mittlerweile auch Schnee von gestern. Die Druckluftwerte der Fahrzeughersteller – meistens im Tankdeckel zu finden – gelten für alle Reifentypen und sind mit den Reifenherstellern abgestimmt. Ein um 10 % erhöhter Luftdruck ist jedoch weniger schädlich, als zu wenig Druck und ist bei höheren Geschwindigkeiten und voller Beladung durchaus sinnvoll.

Wenn nach Ostern die Winterreifen wieder eingelagert werden, empfiehlt sich ein trockener, dunkler und mäßig belüfteter Raum. Dort werden die Reifen am Besten an der Felge aufgehängt oder flach übereinander gestapelt. Viele Reifenhändler bieten auch einen Einlagerungsservice an – interessant für alle mit wenig Platz im Keller. Bei jedem Reifenaustausch sollten die Reifen Achsweise umpositioniert werden, um einen gleichmäßigen Abrieb zu erzielen. Ein diagonales Tauschen ist auch möglich, sofern die Reifen nicht laufrichtungsgebunden sind. Spätestens nach sechs Jahren sollten Reifen nicht mehr verwendet werden, da die Gummimischung durch chemische Prozesse verhärtet und spröde wird.


II. Recht - "Winterreifenpflicht"


1. bisherige Regelung: "geeignete Bereifung"


Sind Winterreifen in Deutschland allgemeine Pflicht?

Bis April 2006 mussten lediglich Gefahrgutfahrzeuge bei Schnee- und Eisglätte sowie Sichtweite unter 50 Metern jede Gefährdung anderer auszuschließen und wenn nötig den nächsten Parkplatz aufsuchen.

Zum 1. Mai 2006 wurde im § 2 Abs. 3a der StVO folgender Passus ergänzt:

„Bei Kraftfahrzeugen ist die Ausrüstung an die Wetterverhältnisse anzupassen.

Hierzu gehören insbesondere eine geeignete Bereifung und Frostschutzmittel in der Scheibenwaschanlage.“

Es handelt sich also um eine ausrüstungsbezogene Verhaltensvorschrift in der StVO. Bislang kannte man die Regelungen zur grundsätzlichen Ausrüstung von Fahrzeugen nur aus der Straßenverkehrszulassungs-Ordnung (StVZO). Dort finden auch sich die Angaben zur Mindestprofiltiefe.

Der erste Satz wurde bewusst allgemein gehalten.

Im zweiten Satz werden spezifiziert zwei Ausrüstungen genannt – geeignete Bereifung und Frostschutzmittel.

Welche Reifen geeignet waren, ließ die Norm offen. Hier wurde deutlich, dass keine allgemeine Winterreifenpflicht bestand, sondern zur Beurteilung einer geeigneten Bereifung immer die Gesamtumstände des Einzelfalles berücksichtigt werden mussten.

Das OLG Oldenburg hat mit Beschluss vom 09.07.2010 entschieden, dass die Bußgeldbewehrung für Verstöße gegen § 2 Abs. 3a StVO gegen das Bestimmtheitsgebot (Artikel 103 Absatz 2 Grundgesetz) verstoße und deshalb verfassungswidrig sei.

Es war notwendig, die bisherige Vorschrift durch eine Regelung zu ersetzen, die den obergerichtlichen Bedenken Rechnung trägt.


2. "Winterreifenpflicht" bei Glatteis, Schneeglätte, Schneematsch, Eis- oder Reifglätte


In der Richtlinie 92/23/EWG des Rates vom 31. März 1992 über Reifen von Kraftfahrzeugen und Kraftfahrzeuganhängern und über ihre Montage werden Reifen beschrieben, die für winterliche Wetterverhältnisse, vor allem bei Matsch und frischem und schmelzendem Schnee, besonders geeignet sind.

Als "Winterreifen" gelten nur solche Reifen, die mit der Aufschrift M + S (M+S, M.S.), einem Schneeflockensymbol oder einem Alpine-Symbol (Bergpiktogramm mit Schneeflocke) gekennzeichnet sind. Dabei kann es sich auch um sogenannte Allwetter- oder Ganzjahresreifen handeln.

Außerdem wird nun für den Verkehrsteilnehmer nachvollziehbar geregelt, bei welchen Wetterverhältnissen Winterreifen zu verwenden sind.

§ 2 Absatz 3a StVO lautet daher seit 04.12.2010:

"Bei Glatteis, Schneeglätte, Schneematsch, Eis- oder Reifglätte darf ein Kraftfahrzeug nur mit Reifen gefahren werden, welche die in Anhang II Nr. 2.2 der Richtlinie 92/23/EWG des Rates vom 31. März 1992 über Reifen von Kraftfahrzeugen und Kraftfahrzeuganhängern und über ihre Montage (ABl. L 129 vom 14.5.1992, S. 95), die zuletzt durch die Richtlinie 2005/11/EG (ABl. L 46 vom 17.2.2005, S. 42) geändert worden ist, beschriebenen Eigenschaften erfüllen (M+S-Reifen).
Kraftfahrzeuge der Klassen M2, M3, N2 und N3 [dabei handelt es sich um Lkw über 3,5 Tonnen und Kraftomnibusse mit mehr als 8 Sitzplätzen] gemäß Anlage XXIX der Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung in der Fassung der Bekanntmachung vom 28. September 1988, zuletzt geändert durch Verordnung vom 21. April 2009 (BGBl. I S. 872) dürfen bei solchen Wetterverhältnissen auch gefahren werden, wenn an den Rädern der Antriebsachsen "M+S-Reifen" angebracht sind.
Satz 1 gilt nicht für Nutzfahrzeuge der Land- und Forstwirtschaft sowie für Einsatzfahrzeuge der in § 35 Absatz 1 genannten Organisationen, soweit für diese Fahrzeuge bauartbedingt keine "M+S-Reifen" verfügbar sind."

Der Bußgeldkatalog wurde natürlich auch entsprechend angepasst und die Bußgeldsätze verdoppelt.
Beim Führen eines Kraftfahrzeuges - bei den genannten Wetterverhältnissen - ohne Winterreifen wird ein Bußgeld von 40 EUR fällig, mit Behinderung 80 EUR und bei einer Gefährdung 100 EUR. Kommt es gar zum Unfall beträgt das Bußgeld 120 EUR.

Die Verordnung über den Betrieb von Kraftfahrunternehmen im Personenverkehr (BOKraft) enthält übrigens schon seit längerem eine ähnliche Regelung.
Dort heißt es im § 18:
„Wenn es die Umstände angezeigt erscheinen lassen, sind Winterreifen, Schneeketten, Spaten und Hacke sowie Abschleppseil oder -stange mitzuführen.“
Ein Verstoß gegen diese Vorschrift ist jedoch nur für den Unternehmer bußgeldbewährt und beträgt nach obigem Schema 80, 120, 140 bzw. 160 EUR.


III. Versicherung


Immer wieder taucht die Frage auf, ob es Schwierigkeiten mit der Kraftfahrtversicherung geben kann, wenn man bei winterlichen Straßenverhältnissen einen Unfall mit Sommerreifen hatte. Da es in Deutschland keine allgemeine Winterreifenpflicht gibt, muss diese Frage zunächst grundsätzlich verneint werden. In Einzelfällen kann dies jedoch anders sein. Deshalb wird zum Verständnis nachfolgend die Systematik der Kfz-Versicherungsarten erläutert:


a) Kfz-Haftpflicht


Diese tritt für den Versicherungsnehmer ein und reguliert bei berechtigten Ansprüchen den Fremdschaden. Einen Leistungsausschluss wegen grober Fahrlässigkeit gibt es nicht. Allerdings kann die Gesellschaft den Versicherungsnehmer bei sogenannten Obliegenheitsverletzungen oder Gefahrerhöhungen in Regress nehmen. Bis zu 5.000 € können dann zurückgefordert werden, wenn z.B. eine Alkoholisierung von über 1,1 Promille vorlag, sich der Fahrer unerlaubt vom Unfallort entfernt hat, nicht im Besitz einer Fahrerlaubnis war oder wissentlich mit total abgefahrenen Reifen (unter 1,6 mm) unterwegs war.

Ordnungsgemäße Sommerreifen im Winter stellen grundsätzlich keine Gefahrerhöhung oder Obliegenheitsverletzung dar. Allerdings verlangt die Straßenverkehrsordnung, dass der Fahrzeugführer bei entsprechenden Witterungsverhältnissen dann sein Fahrzeug ggf. nicht benutzen darf. Wie sich die Versicherungen im Schadensfall verhalten bleibt abzuwarten.

Bei nicht hundertprozentig geklärter Schuldfrage zwischen den Beteiligten kann dem eigentlichen Unfallgeschädigten auch eine Mithaftung aus der Betriebsgefahr seines Fahrzeuges – der so genannten Gefährdungshaftung - auferlegt werden. Bis zu 1/3 des Fremdschadens muss dann von seiner Versicherung übernommen werden. Dies begründet sich damit, dass dem Fahrer kein schuldhaftes Verhalten nachgewiesen werden kann, er den Unfall bei optimaler Reaktion aber möglicherweise hätte vermeiden können und somit kein unabwendbares Ereignis für ihn vorlag. Denkbar ist der Fall eines Vorfahrtberechtigen, der wegen des überlangen Bremsweges durch unangepasste Bereifung (z. B. fast abgefahrener Sommerreifen bei Schneematsch) nicht mehr rechtzeitig vor einem Vorfahrtsmissachtenden zum Stehen kam, ohne jedoch die zulässige Höchstgeschwindigkeit überschritten oder zu spät reagiert zu haben.


b) Kasko-Versicherung


Diese Versicherung tritt bekanntlich für die Schäden am eigenen Fahrzeug des Versicherungsnehmers ein. Anders als bei der Haftpflichtversicherung führt hier bei vielen Gesellschaften bereits eine grobe Fahrlässigkeit zur vollständigen Leistungsfreiheit des Versicherers. Eine Abstufung der Versicherungsleistung je nach „Grobheit“ der Fahrlässigkeit erfolgt dann nicht mehr.

Das OLG Frankfurt hatte 2003 einem Autofahrer die grobe Fahrlässigkeit bereits deshalb unterstellt, weil dieser ohne vollständige Winterausrüstung in ein Wintersportgebiet in die Schweiz fuhr. Bei einer Bergabfahrt kam dabei der Betroffene mit Sommerreifen der Breite 255 und Schneeketten auf der Hinterachse über die Vorderräder ins Rutschen und es kam zum Unfall. Den entstandenen Schaden an seinem Pkw wollte er von seiner Kaskoversicherung ersetzt haben.

Genau wie bei Haftpflichtschäden muss auch bei Kasko-Schäden nachgewiesen werden, dass der Unfall mit Winterreifen bzw. geeigneter Ausrüstung nicht geschehen wäre. Im obigen Fall wurde dazu von der Versicherung ein Gutachter verpflichtet. Einigen Versicherungen zufolge liegt aber auch hier der Anteil von Leistungsausschlüssen im Promillebereich.


IV. Fazit


Die technischen Vorteile in der Verwendung witterungsangepasster Reifenarten sind unbestritten. Für viele Halter sprechen jedoch einige Gründe dagegen: z. B. Anschaffungskosten, keine Lagerfläche für den zweiten Reifensatz oder einfach keine Lust zum Reifenmontieren. Dabei wird verkannt, wie schnell z. B. ein Auffahrunfall bei überraschender Schneeglätte im dichten Berufsverkehr passieren kann. Jeder Autofahrer kennt Situationen, in denen er für einen Augenblick nur darauf vertraute, dass der Pkw noch rechtzeitig zum Stehen kommt. Danach sollte jedem klar werden, dass ein Satz Winterreifen meist billiger ist als die Reparaturrechnung nach einem Unfall. Und spätestens nach der Auseinandersetzung mit der Kfz-Versicherung, dem Zeitaufwand für die Fahrzeugreparatur und der plötzlich fehlenden Mobilität sinkt die Winterlaune unter den Gefrierpunkt.

Auch die Kfz-Versicherer werden – schon allein aus Kostengründen – die Beurteilung ihrer Schadensfälle dem neuen Recht anpassen. Der Maßstab an die grobe Fahrlässigkeit bei der Kaskoversicherung könnte dann in Zukunft niedriger angesetzt werden.

Seit Änderung der StVO haben schon die zahlreichen Pressemeldungen und beipflichtenden Äußerungen der Verbände und Reifenhersteller einen Vorstoß im präventiven Bereich geleistet.

Eine angepasste Bereifung sollte beim eigenen Fahrzeug selbstverständlich sein. Die perfekte Ausrüstung zu haben gibt ein beruhigendes Gefühl und macht Spaß. Zum Fußballspielen geht man ja auch nicht mit Büroschuhen.

Im Bundesdurchschnitt haben in der Saison 2005/2006 erstmals fast 54 % der Kraftfahrer auf Winterreifen umgerüstet. Dies ermittelte die „Initiative Pro Winterreifen“, die gemeinsam mit dem Deutschen Verkehrssicherheitsrat (DVR), führenden Reifenherstellern und dem Automobilclub von Deutschland (AvD) seit mehreren Jahren erfolgreiche Aufklärungsarbeit für die Benutzung von Winterreifen leistet. Die schönen Seiten des Winters lassen sich mit der richtigen Ausrüstung einfach entspannter genießen – mit Sicherheit.


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