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09.02.2018, Landeskriminalamt


Tatortspuren als Zeugen

- Auftakt für EU-Kooperationsprojekt des Bayerischen Landeskriminalamtes und des Institutes für Rechtsmedizin Ulm zur biologischen Charakterisierung von Tatortspuren


München – Am 1. Juli 2017 fiel der Startschuss des EU-geförderten gemeinschaftlichen Projektes zwischen dem Bayerischen Landeskriminalamt in München und dem Institut für Rechtsmedizin in Ulm. Ziel des Projektes mit dem Titel „Next Generation Body Fluid Typing“ ist die Etablierung eines verbesserten Verfahrens zur Charakterisierung von Tatortspuren. Tatortspuren, das sind unter anderem menschliche Körperflüssigkeiten in Zusammenhang mit einer Straftat entstanden sein können. Häufig relevante Körperflüssigkeiten sind Blut, Speichel und Sperma. Darüber hinaus können in bestimmten Fällen aber auch Menstruationsblut, Vaginalsekret und Hautantragungen bedeutend sein. Die Untersuchung solcher tatortrelevanten Spuren erfolgt meist in molekularbiologischen Abteilungen von universitären Einrichtungen – wie z.B. einem Institut für Rechtsmedizin – oder kriminaltechnischen Instituten von Landeskriminalämtern. Der Fokus der dortigen Untersuchungen liegt primär auf der Individualisierung der Tatortspuren und somit der Zuordnung eines Spurenverursachers anhand der Erstellung eines genetischen Fingerabdruckes, bestehend aus 16 vererbbaren Merkmalsystemen. Dieser genetische Fingerabdruck wird entweder zum Abgleich mit bekannten tatverdächtigen Personen herangezogen oder mit Einträgen Tatverdächtiger, die bereits in der DNA-Analyse-Datei (DAD), der zentral betriebenen Datenbank in Deutschland, eingestellt worden sind, abgeglichen.


Den Tathergang verstehen


Die Zuordnung der Täters oder der Täterin hilft zwar, die Täterschaft zu klären und einen Schuldigen zu benennen. Die Ermittler müssen aber auch verstehen, wie so eine Tat tatsächlich abgelaufen ist und welches biologische Material der Täter am Tatort zurückgelassen hat. Hierbei geben derzeit mikroskopische, immunologische und chemische Verfahren Auskunft. Die Anwendung dieser Methoden ist jedoch limitiert. Eine Generation neuer Verfahren soll daher die alten Verfahren ablösen oder ergänzend zum Einsatz kommen. Als vielversprechende Variante hat sich hierbei die Analyse der RNA (Ribonukleinsäure) der Spuren herausgestellt. Ribonukleinsäuren spielen eine Schlüsselrolle bei der Umsetzung und Weitergabe der genetischen Information innerhalb einer Zelle.
Die Untersuchung des so genannten Transkriptoms, der Zusammensetzung aller RNA einer Zelle, ist hochspezifisch für unterschiedliche Körperflüssigkeiten und erlaubt somit eine Differenzierung solcher. Auch komplexe Spuren, die sich aus Anteilen verschiedener Körperflüssigkeiten zusammensetzen, können anhand dieser Methode in ihre Einzelbestandteile aufgeschlüsselt werden. Da im Verlauf der Analyse multiple RNA-Marker simultan untersucht werden können, bietet das Verfahren im Vergleich zu anderen einen enormen Vorteil für den Spurenalltag. „Darüber hinaus sind spezifische RNA-Marker für tatrelevante Körperflüssigkeiten identifiziert und die Methode fast einsatzbereit für die Routine“, erklärt Prof. Wiegand, der als universitärer Projektleiter an der Etablierung des Verfahrens mitwirkt.


Europaweite Harmonisierung


In einigen europäischen Nachbarländern kommt die Methode sogar schon im Gerichtssaal zum Einsatz. Im Forensischen Institut in Den Haag, (NFI), wurden nach eigener Auskunft bereits Hunderte von Fällen mit dieser Methode bearbeitet. Auch Schweizer Wissenschaftler forschen intensiv an der Etablierung der RNA-Analytik. Ziel des gemeinsamen EU-Projektes soll es nun sein, innerhalb der nächsten drei Jahre ein ebenbürtiges Verfahren sowohl am LKA als auch am Institut für Rechtsmedizin in Ulm für die Routinearbeit anbieten zu können. Zusätzlich wird anhand der neuesten technologischen Entwicklungen auf dem wissenschaftlichen Markt – Stichwort: Next Generation Sequencing – die Etablierung eines Verfahrens zur simultanen Identifizierung des Spurenverursachers und der biologischen Herkunft einer Spur angestrebt. „Die Einführung eines solchen Verfahrens wäre in der Tat eine wahre Bereicherung und kleine Sensation für die forensische Genetik“, begeistert sich Dr. Thorsten Hadrys, der das Projekt seitens des Bayerischen LKAs betreuen wird. Nicht zuletzt soll dieses Projekt Weichen legen, die zu einem europaweiten Vergleich und damit zu einer Harmonisierung der Verfahren zur Spurencharakterisierung beitragen sollen.


München, 09.02.2018


 

 

 

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