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30.12.2011, PP Schwaben Nord
Augsburger Polizeibeamter nach Verfolgungsfahrt getötet - Chronologie
AUGSBURG: Über 700 Hinweise und mehr als 850 Spuren wurden in den letzten Wochen von der Soko „Spickel“ bewertet und abgearbeitet. Die akribische Ermittlungsarbeit der Beamtinnen und Beamten führte letztlich am Mittag des 29.12.2011 zur Festnahme von zwei dringend tatverdächtigen männlichen Personen in Augsburg und Friedberg. In Ergänzung zur Pressekonferenz am Freitag, 30.12.2011 wurde eine Chronologie der bisherigen Geschehnisse zusammengestellt
Tattag: 28.10.2011
Eine Funkstreifenbesatzung der PI Augsburg Süd entdeckte am Freitag, 28.10.2011, gegen 02.50 Uhr auf dem südlichen Parkplatz des Kuhsees (städtisches Naherholungsgebiet) zwei männliche Personen, die mit einem Motorrad unterwegs waren und wollten die Kradbesatzung einer Kontrolle unterziehen.
Angesichts der bevorstehenden Kontrolle flüchteten die beiden Männer auf dem Motorrad über die Fußgängerbrücke am Hochablass in Richtung Spickelstraße. Während der 41-jährige Polizeihauptmeister Mathias Vieth den Streifenwagen steuerte und dem Motorrad folgte, informierte seine Streifenpartnerin über Funk die Einsatzzentrale. Sofort wurden mehrere Funkstreifenbesatzungen zur Unterstützung entsandt. Die Flüchtenden bogen letztlich von der Spickelstraße in einen Waldweg ein und stürzten nach ca. 250 Metern, wodurch es der Streifenbesatzung gelang aufzuholen. Als die beiden Polizeibeamten ausstiegen, wurden sie aus der Dunkelheit heraus beschossen. Das Feuer wurde von Mathias Vieth erwidert. Seine Kollegin teilte über Funk die Schussabgabe mit und gab anschließend ebenfalls mehrere Schüsse auf die in der Dunkelheit befindlichen Täter ab. Diesen gelang jedoch unter Zurücklassung des Motorrades und der Mitnahme einer Tasche die Flucht.
Als die unterstützenden Streifenwagen eintrafen, waren seit Beginn der Verfolgung nur ca. 10 Minuten vergangen. Der Polizeihauptmeister war unmittelbar nach der Schießerei verstorben, ein sofort alarmierter Notarzt konnte nur noch seinen Tod feststellen. Er war von mehreren Schüssen getroffen worden, wobei die Schutzweste „gehalten“ hatte. Todesursächlich waren Treffer, die außerhalb des Schutzbereiches der Weste lagen.
Haftbefehl im Mordfall Vieth erweitert (06.02.2012)
In der vergangenen Woche hat das Amtsgericht Augsburg – Ermittlungsrichter – auf Antrag der Staatsanwaltschaft Augsburg gegen die 31-jährige arbeitslose Beschuldigte einen erweiterten Haftbefehl erlassen, der auch auf den dringenden Verdacht der Hehlerei gestützt wird.
Die Beschuldigte hat in einer Vernehmung eingeräumt, über 30.000 EUR aus einer der Kisten in ihrem Keller, in denen auch die Waffen gefunden wurden, entnommen und in ihrer Wohnung versteckt zu haben.
Das Geld konnte bei einer erneuten Wohnungsdurchsuchung aufgefunden und sichergestellt werden. Einzelheiten zur Herkunft des Geldes können derzeit aus ermittlungstaktischen Gründen nicht genannt werden.
Weibliche Person festgenommen (18.01.2012)
Am 16.01.2012 wurde eine weibliche Person aufgrund eines Haftbefehls, den die Staatsanwaltschaft Augsburg wegen des dringenden Tatverdachts eines Vergehens gegen das Waffengesetz bzw. eines Verbrechens nach dem Kriegswaffenkontrollgesetz erwirkt hat, festgenommen und befindet sich seither in Untersuchungshaft in einer bayerischen Justizvollzugsanstalt.
Polizistenmord erneut in Fernsehsendung "Aktenzeichen XY ungelöst" (11.01.2012)
Der Fall des im Dienst erschossenen Polizisten Mathias Vieth wurde in der Sendung „Aktenzeichen XY ungelöst“ vom 11.01.2012 im ZDF erneut ausgestrahlt.
Dabei wurden u. a. auch die Lichtbilder der beiden in Untersuchungshaft sitzenden tatverdächtigen Brüder, als auch die von ihnen benutzen Fahrzeuge gezeigt.
Während und nach der Sendung gingen von Zuschauern 15 Hinweise bei der „Soko Spickel“ ein, teils direkt in das Sendestudio, teils unter der eingeblendeten Sonderrufnummer.
Außerdem hat die „Soko Spickel“ hierzu noch einige Fragen an die Bevölkerung.
Pressekonferenz zu den Festnahmen im Mordfall am 30.12.2011
Am Donnerstag, 29.12.2011 wurden zwei männliche Personen festgenommen, die dringend tatverdächtig sind, den Mord an dem Polizeibeamten Mathias Vieth am 28.10.2011 begangen zu haben. Dazu fand am 30.12.2011 im Polizeipräsidium Schwaben Nord eine Pressekonferenz statt, die vom Bayerischen Staatsminister des Innern, Herrn Joachim Herrmann, der bayerischen Justizministerin, Frau Dr. Beate Merk, dem Leiter der Staatsanwaltschaft Augsburg, Herrn Leitenden Oberstaatsanwalt Reinhard Nemetz, Herrn Polizeipräsident Gerhard Schlögl und dem Leiter der Kriminalpolizeiinspektion Augsburg und Soko-Leiter, Herrn Leitenden Kriminaldirektor Klaus Bayerl, abgehalten wurde.
Polizeiliche Maßnahmen
Absuchmaßnahmen:
Im Anschluss an die Tat wurden umfangreiche Absuchmaßnahmen durchgeführt, die zur Auffindung mehrerer Gegenstände führten, unter anderem eine Waffe und ein Visier eines Motorradhelmes. Die aufgefundenen Gegenstände wurden spurentechnisch auch hinsichtlich auf DNA-Spuren untersucht, wobei auch eine DNA-Spur gesichert werden konnte. Außerdem wurden umfangreiche Hausbefragungen in den Augsburger Stadtteilen um den Tatort unter Verwendung eines Fahndungsplakates durchgeführt. Es wurden 100.000,- EURO als Belohnung ausgesetzt und eine Fahndungs-Hotline unter 0821/323-3030 eingerichtet, für anonyme Hinweise 0821 - 3499335.
Öffentlichkeitsfahndungen
Tasche
Von der von den Tätern nach dem Zusammentreffen mit der Polizei mitgenommenen Tasche wurde ein Vergleichsbild veröffentlicht.
Motorrad
Es handelte sich um eine graue Honda Typ CB 500 mit gelben Mustern auf dem Tank bzw. den Seitenteilen und dem angebrachten Kennzeichen. A-L 307, das in der Nacht vom 10. auf den 11. Oktober 2011 im Stadtgebiet Ingolstadt gestohlen wurde und ursprünglich mit dem Kennzeichen IN-HW 8 versehen war. Von diesem Motorrad wurden deutschlandweit ca. 4.000 Maschinen verkauft, den Deutschlandaufkleber und der Schutzbügel für den Motor wurden nachträglich angebracht. Beide rechtmäßigen Kennzeichenhalter haben mit dem Verbrechen nichts zu tun.
Motorradhelm
Es handelte sich um eine graue Honda Typ CB 500 mit gelben Mustern auf dem Tank bzw. den Seitenteilen und dem angebrachten Kennzeichen. A-L 307, das in der Nacht vom 10. auf den 11. Oktober 2011 im Stadtgebiet Ingolstadt gestohlen wurde und ursprünglich mit dem Kennzeichen IN-HW 8 versehen war. Von diesem Motorrad wurden deutschlandweit ca. 4.000 Maschinen verkauft, den Deutschlandaufkleber und der Schutzbügel für den Motor wurden nachträglich angebracht. Beide rechtmäßigen Kennzeichenhalter haben mit dem Verbrechen nichts zu tun.
Waffen
Hinsichtlich der verwendeten Waffen wurde durch die spurentechnische Auswertung am Tatort festgestellt, dass von den Tätern mindestens drei Waffen mitgeführt und aus mindestens zwei Waffen Schüsse auf die Polizeibeamten abgegeben wurden.
Im Bereich des Tatortes wurde eine ursprünglich unbrauchbar gemachte Pistole der russischen Marke Tokarev aufgefunden, die wieder als funktionsfähig umgebaut worden war. Aus dieser Waffe wurde allerdings nicht geschossen.
Außerdem wurde am Tatort eine 100ml Flasche mit Feinmechaniköl sichergestellt, es handelt sich hier um Massenware, die überwiegend über Baumärkte vertrieben wird.
Im Zündschloss des Motorrades befand sich der 2-teilige Wechselschraubenzieher Marke „Felo“, mit diesem wurde das entwendete Motorrad kurzgeschlossen.
Bisher erschienene Pressemeldungen:
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