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15.03.2012, PP Schwaben Nord


Kriminalstatistik des Polizeipräsidiums Schwaben für das Jahr 2007-Niedrigster Stand der Gesamtkriminalität seit dem Jahr 2000-


Mit dem niedrigsten Stand seit dem Jahr 2000 setzt sich der Rückgang der Gesamtkriminalität weiter fort. Die Anzahl der registrierten Straftaten verringerte sich dabei um 0,8 % (762 Fälle) auf nunmehr 90.108 Fälle.


Für den Freistaat Bayern werden im gleichen Zeitraum 666.807 Straftaten ausgewiesen, 6.875 Fälle bzw. 1,0 % weniger als im Vorjahreszeitraum.
Die Aufklärungsquote betrug in Schwaben für das Jahr 2007 68,3 % womit das Vorjahresergebnis von 69,0 % knapp verfehlt wurde. Der Landesdurchschnitt von 64,3 % wurde jedoch erneut deutlich übertroffen.
Die Kriminalitätsbelastung (Anzahl der Straftaten pro 100.000 Einwohner) stellt sich im Regierungsbezirk Schwaben mit 5.043 Delikten (und damit 0,7 % weniger als im Jahr 2006) im Vergleich zum Landesdurchschnitt von 5.338 Straftaten wesentlich günstiger dar.


Polizeipräsident Klaus Waltrich:


Das Ergebnis der Kriminalstatistik zeigt sehr klar, dass Schwaben weiterhin zu den sichersten Regionen Deutschlands zählt. Besonders hervorheben möchte ich die Aufklärung spektakulärer Gewaltverbrechen. Ich erinnere beispielsweise an den Fall „Nora“ in Königsbrunn, die Ermittlungserfolge bei der Klärung des Mordes an einer 39-jährigen Kemptenerin im September oder die schnelle Festnahme der Tatverdächtigen nach Auffinden einer verbrannten Frauenleiche bei Neu-Ulm. Erst in den letzten Tagen konnte auch der brutale Überfall vom Juni 2007 auf einen 85-jährigen Augsburger Rentner geklärt werden. Diese polizeilichen Ermittlungserfolge und die insgesamt deutlich über dem bereits schon sehr hohen bayerischen Durchschnitt liegende Aufklärungsquote konnte nur durch die hervorragende Zusammenarbeit mit der Bevölkerung, die hohe Motivation der Polizeibeamten vor Ort und den professionellen Einsatz kriminaltechnischer Mittel erzielt werden.

Die Struktur der Gesamtkriminalität zeigt gegenüber dem Jahr 2006 leichte Veränderungen:


Struktur der Gesamtkriminalität


Diebstahlsdelikte


Wenngleich die Diebstahlsdelikte mit 31,1 % weiterhin das Deliktsfeld mit dem größten Anteil an der Gesamtkriminalität darstellen, so sind die Straftaten in diesem Bereich, dem langjährigen Trend folgend, weiterhin rückläufig. 1997 hatte der Anteil der Diebstahlsdelikte an der Gesamtkriminalität noch 45,5 % betragen. Gegenüber dem Vorjahr reduzierte sich die Anzahl der Diebstähle um 982 Fälle oder 3,4 %.

Innerhalb dieses Deliktsfeldes ist besonders der Rückgang der Ladendiebstähle um 5,7 % gegenüber dem Jahr 2006 auffällig. Lediglich bei den Diebstählen in / aus Wohnungen ist ein Anstieg um 4,4% (+63 Fälle) festzustellen. Der durch Diebstahl entstandene Schaden betrug im Jahr 2007 rund 19 Mio. Euro (2006: 19,3 Mio. Euro).


Vermögens- und Fälschungsdelikte


Bereits im dritten Jahr in Folge wurde bei den Vermögens- und Fälschungsdelikten eine deutlich rückläufige Tendenz festgestellt. Insgesamt wurden hier 12.783 Fälle und damit 1066 (-7,7 %) weniger als im Jahr 2006 registriert. Durch Straftaten in diesem Deliktsfeld wurde ein Gesamtschaden von etwa 62 Mio. Euro verursacht.


Straßenkriminalität


Nahezu unverändert blieb der Bereich der Straßenkriminalität gegenüber dem Vorjahr. 17.184 Straftaten bedeuten einen minimalen Rückgang um 57 Fälle oder 0,3 % gegenüber dem Jahr 2006.

Innerhalb dieses Deliktsfeldes zeigt sich die Entwicklung jedoch uneinheitlich:
Besorgniserregend ist der weitere Anstieg bei Gefährlichen und Schweren Körperverletzungen im öffentlichen Raum. Hier wurden im Jahr 2007 926 Fälle verzeichnet, was einer weiteren Steigerung um 139 Taten oder 17,7 % gegenüber dem Jahr 2006 entspricht (siehe auch Gewaltkriminalität).

Auch bei den sogenannten Vandalismusdelikten (Sachbeschädigungen im öffentlichen Raum und an Kraftfahrzeugen) musste erneut eine Zunahme um 240 Fälle (+3,7 %) auf insgesamt 6.545 Taten festgestellt werden. 41,5 % aller in diesem Bereich ermittelter Tatverdächtiger standen unter Alkoholeinfluss und etwa 40 % aller ermittelter Tatverdächtiger von Sachbeschädigungen waren Kinder und Jugendliche.

Deutlich zurück gegangen sind dagegen Diebstähle aus Kraftfahrzeugen (-25,4 %) und Diebstähle von Kraftwagen (-9,9 %) was zumindest teilweise auf den vermehrten Einsatz von Sicherungssystemen in Kraftfahrzeugen zurückzuführen ist. Auch bei den Diebstählen von / aus Automaten konnte ein starker Rückgang verzeichnet werden (- 13,9 %).


Gewaltkriminalität


Die Gewaltkriminalität fällt mit 2.932 Delikten und einem Anteil von 3,3 % an der Gesamtkriminalität relativ gering aus. Nach sieben Jahren kontinuierlichen Anstiegs waren die Zahlen im Jahr 2006 erstmalig wieder rückläufig. 2007 konsolidierte sich dieser Stand jedoch nicht und der Trend der Vorjahre setzte sich weiter fort.
Es wurde insgesamt eine Steigerung um 155 Fälle oder 5,6 % gegenüber dem Jahr 2006 registriert. Gerade diesem Deliktsbereich wurde aufgrund der zum Teil erheblichen Auswirkungen auf die Opfer seitens der Polizei mit großen Anstrengungen begegnet, was sich auch in der Aufklärungsquote von 85,5 % widerspiegelt.
Dem Rückgang der vorsätzlichen Tötungsdelikte um 38,9 % (-11 Fälle), der Vergewaltigungen um 38,9 % (-31 Fälle) und der Raubdelikte um 4,9 % (-17 Fälle) steht ein starker Anstieg der gefährlichen und schweren Körperverletzungen gegenüber.
Bei einem Zuwachs um 9,8 % bzw. 216 Fällen sind diese geprägt von einer Vielzahl von Massenschlägereien sowie von scheinbar unmotivierten Angriffen auf Unbeteiligte durch häufig jugendliche und heranwachsende Tatverdächtige in alkoholisiertem Zustand. Bei einem Bevölkerungsanteil von 8,6 % waren 41 % der ermittelten Tatverdächtigen bei diesen Straftaten Jugendliche und Heranwachsende. 42,4 % aller ermittelter Tatverdächtiger standen unter Alkoholeinfluss.


Polizeipräsident Klaus Waltrich:
„Der weitere Anstieg im Bereich der Gewaltkriminalität und der Vandalismusdelikte bleibt ein vordringliches gesamtgesellschaftliches Problem und wird weiterhin ganz oben auf der polizeilichen Agenda stehen. Mich stimmt es bedenklich, dass es sich bei einem enorm hohen Anteil der Täter um junge Menschen handelt, die zudem bei der Tatbegehung häufig alkoholisiert sind. Dies muss ein Alarmsignal für alle Verantwortungsträger sein.“


Sexualdelikte


Bei den Sexualdelikten ergibt sich eine differenzierte Entwicklung. Eine erhebliche Zunahme wurde bei der Verbreitung pornographischer Schriften (+ 168 Fälle oder +66,4%) verzeichnet, welche in erster Linie auf ein bundesweites Ermittlungsverfahren im Zusammenhang mit dem illegalen Besitz von Kinderpornographie zurückzuführen ist. Demgegenüber reduzierten dich die Fälle sexueller Gewalttaten, unter anderem von Vergewaltigungen, um 5,9 % oder 17 Fälle.


Rauschgiftkriminalität


Im Bereich der Rauschgiftkriminalität ist die Anzahl der bekannt gewordenen Fälle von 5.761 im Jahr 2006 auf 5.166 (-10,3 %) zurückgegangen. Die höheren Zahlen der Vorjahre resultierten vor allem aus mehreren Großverfahren. 96,8 % aller bekannt gewordenen Rauschgiftdelikte wurden geklärt.
Im Jahr 2007 fielen 38 Menschen dem Rauschgiftkonsum zum Opfer (2006: 40). Die Zahl der unmittelbar mit dem Drogenkonsum in Zusammenhang stehenden Todesfälle liegen damit deutlich unterhalb der Höchststände der Jahre 1998 (77), 2000 (56) und 2004 (50). Der Schwerpunkt in der Rauschgiftkriminalität in Schwaben liegt im Ballungsraum Augsburg. Allein hier gab es im Jahr 2007 20 (2006: 19) auf den Konsum von Rauschgift zurückzuführende Todesfälle.


Struktur der Tatverdächtigen


Zu den 90.108 Straftaten konnten 44.273 Tatverdächtige ermittelt werden. Davon waren 33.593 (75,9 %) männlichen Geschlechts.


nichtdeutsche Tatverdächtige


Der Anteil der nichtdeutschen Tatverdächtigen liegt bei 20,9 % (2006: 21,7 %). Werden dabei ausländerrechtliche Delikte (Verstöße gegen das Aufenthalts- und Asylverfahrensgesetz) außer Acht gelassen, verringert sich ihr Anteil auf 19,5 %. Der Anteil gemeldeter Nichtdeutscher an der Bevölkerung Schwabens beträgt etwa 9,1 %.

Allerdings sollte hierbei Berücksichtigung finden, dass 12,6 % aller nichtdeutschen Tatverdächtigen nicht gemeldet sind, da sie sich als Touristen, Durchreisende oder aufgrund illegalen Aufenthaltes zur Tatzeit in Schwaben befinden. Zwangsweise führt dies zu einer Verzerrung der Kriminalitätsbelastung durch die im Regierungsbezirk Schwaben lebenden Ausländer.


(Spät-) Aussiedler


An der Gesamtzahl der Tatverdächtigen gemessen beträgt der Anteil von (Spät-) Aussiedlern aus der ehemaligen Sowjetunion derzeit 5,8 %. Dabei ist, wie in den Vorjahren, eine deutlich erhöhte Beteiligung an Widerstands- und Raubdelikten, gefährlichen Körperverletzungen im öffentlichen Raum sowie Ladendiebstählen gegeben. Dagegen sind Aussiedler bei Betrugs- und Sexualdelikten erheblich weniger auffällig.


Altersstruktur


Kinder


Die tatverdächtigen Kinder waren vermehrt an Fahrrad- und Ladendiebstählen sowie Sachbeschädigungen beteiligt. 4,8 % aller ermittelter Tatverdächtiger waren Kinder.


Jugendliche und Heranwachsende


Der Anteil von Jugendlichen und Heranwachsenden an den ermittelten Tatverdächtigen betrug im Jahr 2007 22,5 % und blieb damit gegenüber dem Jahr 2006 nahezu unverändert. Da ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung bei 8,6 % liegt, ist diese Bevölkerungsgruppe an der Begehung von Straftaten stark überrepräsentiert. Neben den bereits genannten gefährlichen und schweren Körperverletzungen ist diese Altersgruppe insbesondere an Sachbeschädigungen (eher Jugendliche), Rauschgiftdelikten (eher Heranwachsende) und Raubdelikten deutlich überproportional vertreten.


Der durch Straftäter in Schwaben verursachte Gesamtschaden betrug im Jahr 2007 ca. 126 Mio. Euro (2006: 135 Mio. Euro).


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