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01.02.2012, PP Schwaben Nord


"Rote Karte" für Skinheads in Schwaben


Die intensive polizeiliche Überwachung, die Null-Toleranz-Linie als Einschreitschwelle und die enge Zusammenarbeit der schwäbischen Polizei mit anderen Behörden führten dazu, dass sich im Bereich des PP Schwaben Nord eine Abschwächung der Skinhead-Szene abzeichnet.


Historischer Ursprung der Skinheads


Die Skinheads, die wegen ihrer kahl geschorenen Schädel so genannt werden, traten erstmals Ende der 60er Jahre in London auf und entstammten den britischen Arbeitermilieus. In ihren Anfängen war die Skinhead-Szene unpolitisch und in der Regel auf den Besuch von Fußballspielen fixiert. Später bewog die Abstammung aus der Arbeiterschicht viele Skins dazu, ihre politische Heimat in kommunistischen Gruppierungen zu suchen. Eine politische Kehrtwendung erfolgte erst durch die massive Kampagne der rechtsextremen "National Front", die massiv gegen den starken Ausländerzuzug und die "damit verbundene Bedrohung" der englischen Unterschicht mit rassistischen Parolen agitierte.

Ende der 70er Jahre schwappte die Skinhead-Bewegung von Großbritannien auf die Bundesrepublik Deutschland über. Die anfangs auch in Deutschland unpolitische Subkultur entwickelte sich Mitte der 80er Jahre zu einer Bewegung mit einer starken ausländerfeindlichen, rassistischen und damit auch rechtsextremistischen Ausrichtung, die insbesondere durch die Skin-Fanzines und Skin-Bands gefördert wurde. In der ehemaligen DDR gab es seit Beginn der 80er Jahre eine Hooligan-Szene, die ausschließlich bei Fußballspielen auftrat und durch Schlägereien mit Anhängern anderer Fußballvereine auffiel. Ab Mitte der 80er Jahre war ein Wandel zum typischen Skinhead-Outfit zu verzeichnen, der vornehmlich auf die Verbindungen und Kontakte zu westdeutschen Skin-Szene zurückzuführen ist. Ab 1989 (Wiedervereinigung) nahm die Zahl der Skinheads in Ost-Deutschland kontinuierlich zu.


Aktuelle Lage im Bereich des PP Schwaben Nord


Die Skinheadszene im Bereich des PP SWN ist nach wie vor von einer starken Fluktuation geprägt und kennt in der Regel weder feste Organisationsstrukturen noch formelle Mitgliedschaften. Die Bindungen zur Gruppe reichen von losen gelegentlichen Kontakten über regelmäßige Beteiligung an Aktionen bis zur vollen sozialen Integration oder Wahrnehmung von informellen Führungsfunktionen. Im Bereich des PP SWN bestehen regionale/lokale Kleingruppen in Dillingen, Lauingen, Wertingen, Tapfheim, Rain a.L., Nördlingen, Augsburg, Friedberg und Aichach. Seit dem Verbot des Vereins "Skinheads Allgäu" im Jahre 1996 sind alle Bestrebungen, die vorhandenen schwäbischen Kleinszenen in eine überregionale Bewegung zu integrieren, gescheitert.



Nach wie vor ist die Szene durch den massiven polizeilichen Kontroll- und Verfolgungsdruck stark verunsichert und kaum in der Lage, größere Skinhead-Veranstaltungen zu organisieren und durchzuführen. Wie in den vergangenen Jahren ist wiederum festzustellen, dass schwäbische Skinheads an Konzerten und sonstigen überregionalen Veranstaltungen in anderen Bundesländern sowie dem benachbarten Ausland teilnehmen. Zugleich wird aber auch deutlich, dass immer noch ein beachtliches Mobilisierungspotential innerhalb der schwäbischen Skinhead-Szene gegeben ist.


Vorbeugende Tipps und Hinweise
Die Gründe, warum sich Jugendliche einer Skinhead-Szene anschließen, sind sehr unterschiedlich. Oft ist es die letztendlich vergebliche Suche nach Geborgenheit, Kameradschaft, Anerkennung und eigener Stärke. Aber auch Selbstwertdefizite und Zukunftsängste spielen dabei eine wichtige Rolle. Daneben üben die Skinhead-Musik als Stilrichtung der Rockmusik sowie der exzessive Lebensstil einschließlich des enormen Alkoholkonsumes eine nicht zu unterschätzende Anziehungskraft auf Jugendliche und junge Erwachsene aus.

Durch Kontakte zu Skinheads besteht für Kinder und Jugendliche die Gefahr der nachhaltigen Beeinflussung mit rechtsextremistischem, fremdenfeindlichem und antisemitischem Gedankengut.

Es ist ein besonderes Anliegen des Polizeipräsidiums Schwaben Nord, Jugendliche sowie Erziehungsberechtigte auf die szenentypischen Gefährdungen, wie z. B. das Abgleiten in die Kriminalität und die Alkoholabhängigkeit, aufmerksam zu machen.

Für Fragen und Auskünfte stehen Ihnen die Staatsschutzkommissariate bei den Kriminalpolizeidienststellen gerne zur Verfügung.

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