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20.02.2018, PP Oberpfalz


Verkehrslagebild der Oberpfalz für 2017 – Niedrigster Stand bei den Verkehrstoten und Verletzten im Langzeitvergleich

OBERPFALZ. Die Verkehrsstatistik weist für das Jahr 2017 sogar den niedrigsten Stand bei den im Straßenverkehr getöteten Verkehrsteilnehmern seit ihrer Einführung aus. Insbesondere bei Motorradfahrern gelang eine Trendwende. Trotz insgesamt steigender Unfallzahlen sank die Zahl der dabei verletzten Personen auf den niedrigsten Stand der vergangenen zehn Jahre. Hohe Zahlen bei den Wildunfällen und dem unerlaubten Entfernen vom Unfallort als Herausforderung.


1. Aktuelle Verkehrsunfallzahlen und Langzeitentwicklung

Der langfristige Trend von steigenden Verkehrsunfallzahlen hat auch 2017 angehalten. Insgesamt ereigneten sich im Regierungsbezirk Oberpfalz im vergangenen Jahr 35.984 Verkehrsunfälle (2016: 35.214; +2,2 %); ein erneuter Höchststand im Langzeitvergleich (10 Jahre).

Während sich die Verkehrsunfälle mit Personenschaden um 3,8 % auf nunmehr 4.378 (2016: 4.550) reduzierten, stiegen sowohl die Zahl der Verkehrsunfälle mit Sachschaden und Anzeige (2017: 7.899; 2016: 7535; + 4,8 %) als auch die Verkehrsunfälle im Kurzaufnahmeverfahren, die sogenannten Kleinunfälle, an (2017: 23.707; 2016: 23.129; +2,5 %).

Auch bei den Unfallfolgen konnten Tiefstände verzeichnet werden. Mit 55 Verkehrstoten (2016: 80) kamen 31,3 % weniger Personen ums Leben, ein neuer historischer Tiefstand seit Einführung der Statistik im Jahr 1954. Auch die Anzahl der bei Verkehrsunfällen verletzten Personen ging um 3,8 % auf 6.017 Personen zurück (2016: 6.257), der niedrigste Wert im Langzeitvergleich.

Maßgeblich für die Steigerung der Gesamtunfallzahlen sind ein neuerlicher Anstieg bei den Wildunfällen sowie die Entwicklung im Bereich der Verkehrsunfälle mit unerlaubten Entfernen vom Unfallort. Mit insgesamt 9.943 Wildunfällen waren 211 bzw. 2,2 % mehr zu verzeichnen als im Vorjahr, nach 2015 (10.377) der zweithöchste Wert in diesem Bereich. Bedenklich stimmt der Anstieg bei den Verkehrsunfällen mit unerlaubten Entfernen vom Unfallort. Deren Anzahl stieg um 4,1 % auf 5.963 (2016: 5.728) an und stellt den Höchstwert im 10-Jahres-Vergleich dar. Wird die aktuelle Verkehrsunfallstatistik mit der aus dem Jahr 2008 (Langzeitvergleich) in Relation gesetzt, so kann ein Anstieg bei allen registrierten Verkehrsunfällen um 17,5 % festgestellt werden. Die Verkehrsunfälle mit Personenschaden gingen um 8,7 % zurück, während die Verkehrsunfälle mit Sachschaden und Anzeige um 19,4 % zugenommen haben. Die Anzahl der Verletzten ging im Vergleich zu 2008 um 9,0 % zurück, bei den Getöteten beträgt der Rückgang 26,7 %. Wird der Vergleich zu 2011 - dem Bezugsjahr des Verkehrssicherheitsprogramms 2020 - herangezogen, beträgt der Rückgang bei den Verkehrstoten 39,6 %.

Zu einigen besonders exponierten Unfallbereichen sowie zu Unfallursachen und Risikogruppen ist Folgendes anzumerken:


- Geschwindigkeitsunfälle

Im Bereich der Geschwindigkeitsunfälle konnte ein leichter Anstieg um 3,3 % auf 974 verzeichnet werden. Hierbei ist anzumerken, dass dies im Langzeitvergleich den zweitniedrigsten Wert darstellt. Trotz des leichten Anstiegs der Gesamtsumme ging die Anzahl von Geschwindigkeitsunfällen mit Personenschaden um 3,1 % auf einen neuen Tiefstand zurück. Während die Zahl der hierbei verletzten Personen annährend gleich blieb, kamen mit 15 Personen 10 bzw. 40 % weniger ums Leben als im Vorjahr. Die Langzeitentwicklung in diesem Unfallbereich zeigt deutliche Rückgänge in jeglicher Hinsicht auf. Die Gesamtunfallzahlen reduzierten sich um 34,3 %, bei den Unfällen mit Personenschaden um 38,3 %, den Verletzten 41,5 % und den Getöteten um 28,6 %.


- Alkoholunfälle

In Bezug auf die Alkoholunfälle kam es 2017 zu einer Steigerung gegenüber dem Vorjahr. Mit 423 Unfällen war in 36 Fällen (+9,3 %) mehr Alkohol mit im Spiel, wobei 21 Personen mehr verletzt (+9,2 %), jedoch eine weniger getötet wurden. Diese gestiegenen Fallzahlen gegenüber dem Vorjahr spiegeln jedoch nicht den langfristig positiven Trend in diesem Unfallbereich wieder. So sind verglichen mit dem Jahr 2008 deutliche Rückgänge in Höhe von 14,9 % bei den Alkoholunfällen, 18,9 % bei den Verletzten und 61,5 % bei den Getöteten zu verzeichnen.


- Drogenunfälle

Unter Einfluss von sonstigen berauschenden Mitteln stehende Fahrzeugführer waren 2017 bei 29 Verkehrsunfällen beteiligt. Hierbei wurden 17 Personen verletzt, im Gegensatz zum Vorjahr kam jedoch niemand ums Leben.


- Wildunfälle

Nach einem leichten Rückgang in 2016 stieg die Anzahl der Wildunfälle 2017 wieder um 2,2 % auf nunmehr 9.943 an. Die 72 Verletzten spiegeln exakt den Vorjahreswert wider. Anders als im vergangenen Jahr erlagen jedoch 2 Unfallopfer ihren Verletzungen.


- Verkehrsunfälle mit Beteiligung und / oder Schädigung von Kindern / Schulwegunfälle

Verkehrsunfälle mit Beteiligung und / oder Schädigung von Kindern gingen zum zweiten Mal in Folge zurück. Bei 259 Verkehrsunfällen (-6,2 %) wurden insgesamt 287 Kinder verletzt (-2,7 %), jeweils der geringste Stand im 10-Jahres-Vergleich. 2017 kam im Regierungsbezirk Oberpfalz kein Kind bei einem Verkehrsunfall zu Tode. Ebenfalls positiv zeigte sich die Entwicklung bei den Schulwegunfällen. Mit 46 Unfällen (- 11,5%) und 50 verletzten Schülern (-19,4 %) war dieser Unfallbereich ebenfalls rückläufig und befindet sich im Langzeitvergleich auf niedrigem Niveau.


- Verkehrsunfälle mit Beteiligung von „Jungen Erwachsenen“ (18 bis 24 Jahre)

Junge Erwachsene waren 2017 an 2.914 Verkehrsunfällen beteiligt. Auch hier waren sowohl bei den Unfallzahlen als auch der Anzahl von verletzten Jungen Erwachsenen Rückgänge in Höhe von 2,9 bzw. 4,7 % und die jeweils niedrigsten Stände im Langzeitvergleich zu verzeichnen. Die Zahl der getöteten Jungen Erwachsenen blieb im Vergleich zum Vorjahr unverändert.


- Verkehrsunfälle mit Beteiligung von Senioren (65 Jahre und älter)

Betrachtet man die Verkehrsunfälle mit Beteiligung von Senioren, so muss für diesen Unfallbereich eine erneute leichte Steigerung um 0,9 % auf 2.292 Verkehrsunfälle festgestellt werden. Die Anzahl der hierbei verletzten Senioren verblieb in etwa auf dem Vorjahresniveau (2017: 548; -1,6 %), jedoch erlitten 7 Senioren weniger tödliche Verletzungen (-36,8 %).


- Verkehrsunfälle mit Beteiligung von Fußgängern

Die Anzahl der Verkehrsunfälle mit Beteiligung von Fußgängern ging um 5,5 % auf 362 zurück, ein weiterer Tiefstand im Langzeitvergleich. Bei diesen Unfällen wurden 305 Fußgänger verletzt, was in etwa dem Vorjahreswert (2016: 309) entspricht. Mit 3 getöteten Fußgängern, der geringsten Anzahl im 10-Jahres-Vergleich, kam es zu einem deutlichen Rückgang gegenüber dem Vorjahr.


- Verkehrsunfälle mit Beteiligung von Radfahrern

Immer mehr Menschen steigen auf den „guten alten Drahtesel“ um. Dies spiegelt sich auch in der Verkehrsunfallstatistik wieder. Die Verkehrsunfälle mit Beteiligung von Radfahrern stiegen um 2,8 % auf einen neuen Höchststand im 10-Jahres-Vergleich an. Auch die Anzahl der verletzten Radfahrer stellt mit 885 Personen (2016: 831; +6,5 %) den höchsten Wert dar, während die Zahl der Verkehrstoten um 3 zurückging. Die Nutzer von Pedelecs (Fahrräder mit Tretunterstützung bis 25 km/h) waren bei 69 Verkehrsunfälle beteiligt, 68 wurden hierbei verletzt und einer kam ums Leben.


- Verkehrsunfälle mit Beteiligung von Motorradfahrern

Wie bei manch anderen Unfallbereichen verlief auch die Entwicklung der Verkehrsunfälle mit Beteiligung von Motorradfahrern verglichen mit dem Vorjahr positiv. Die Gesamtunfallzahl ging um 10,1 % auf 510 zurück. Mit 488 Verletzten erlitten 28 oder 5,4 % Krad-Benutzer weniger körperlichen Schaden. Während 2016 mit 23 getöteten Krad-Benutzern der Höchststand im Langzeitvergleich zu verzeichnen war, konnte 2017 mit 8 Verkehrstoten (-65,2 %) der geringste Wert festgestellt werden.


- Hauptunfallursachen

Fehler beim Abbiegen, Wenden, Rückwärts- sowie Ein- und Anfahren waren mit 11,7 % auch 2017 die häufigste Hauptunfallursache. Abstandsverstöße (6,3 %) sowie Vorfahrts- und Vorrangsverstößen folgen mit deutlichem Abstand. Der Anteil an Verkehrsunfällen, bei denen nicht angepasste Geschwindigkeit oder Alkoholeinfluss hauptursächlich war, stieg leicht auf 3,4 % an (2016: 3,2 %). Nach wie vor haben diese beiden Unfallursachen besonders schwere Folgen für die Verkehrsteilnehmer, was der Anteil bei den Verkehrstoten in Höhe von 36,4 % verdeutlicht. Das Polizeipräsidium Oberpfalz setzt daher seine Anstrengungen zur Bekämpfung, Aufklärung und Überwachung in diesen Bereichen weiterhin mit entsprechender Prioritätensetzung fort.


- Verkehrsüberwachung

Durch Angehörige des Polizeipräsidiums Oberpfalz wurden im vergangenen Jahr insgesamt 5.175 Messungen mit technischen Großgeräten oder Handlasermessgeräten zur Überwachung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit durchgeführt. Die Messdauer belief sich auf annährend 13.000 Stunden. Im Zuge der Messtätigkeiten konnten 17.376 Geschwindigkeitsüberschreitungen im Anzeigenbereich festgestellt werden, ein geringfügiger Anstieg um 1,0 % gegenüber 2016. Im Gegensatz hierzu wurden in diesem Bereich jedoch mit 43.973 bzw. 14,1 % deutlich mehr Verwarnungen mit Verwarnungsgeld ausgesprochen.
In 1.256 Fällen (2016: 1.311; -4,2 %) war die Geschwindigkeitsübertretung so deutlich, dass zusätzlich zur Geldbuße auch ein Fahrverbot verhängt wurde.


2. Verkehrssicherheitsprogramm 2020 „Bayern mobil - Sicher ans Ziel“

Im Rahmen der Umsetzung des Verkehrssicherheitsprogramms 2020 „Bayern mobil – Sicher ans Ziel“ sind alle Dienststellen gehalten, eigene Verkehrsunfallanalysen zu betreiben. Sollten sich hierbei Unfallschwerpunkte herauskristallisieren, werden situationsangepasste weiterführende Maßnahmen, sowohl präventiver als auch repressiver Art, vorgenommen. Diese erstrecken sich auf den Bereich der Verkehrsüberwachung wie z. B. Geschwindigkeitsüberwachung mit mobilen Großgeräten aber auch mittels den bei den Dienststellen vorhandenen Handlasermessgeräten, auf die Prävention sowie die Öffentlichkeitsarbeit.

Weiterhin wird mit anderen Verkehrsbehörden eng zusammen gearbeitet. So darf exemplarisch genannt werden, dass im Rahmen von Verkehrsunfallkommissionen und Verkehrsschauen erkannte Gefahrenstellen thematisiert und anhand neuer Beschilderungen oder Abänderungen im Streckenbau entschärft werden.
Auch im Rahmen von bundes- und landesweiten Verkehrsaktionen sowie der Ostbayerischen Verkehrssicherheitsaktion wird versucht, die Verkehrssicherheit zu maximieren.

Als konkretes Beispiel für getroffene Maßnahmen darf der seit 2017 durch das Polizeipräsidium Oberpfalz durchgeführte Aktionsplan zur Erhöhung der Verkehrssicherheit für Zweiradfahrer angeführt werden, der auch 2018 fortgeführt wird.

Hierfür wurden kurz-, mittel- und langfristig angesetzte Maßnahmenpakete erarbeitet und - teilweise auch mit Unterstützungskräften der Bayerischen Bereitschaftspolizei - umgesetzt. Diese Maßnahmenpakete beinhalteten sowohl präventive als auch repressive Ansätze, wobei zu Beginn der Motorradsaison verstärkt Augenmerk auf präventive Maßnahmen wie Verkehrsunterrichte und Infostände gelegt wurde.

Im Verlauf der durchgeführten Kontrolltätigkeiten wurden oberpfalzweit neben mobilen Kontrollen auch 39 Kontrollstellen, vorwiegend an bekannten Verkehrsunfallschwerpunkten und Gefahrenbereichen, betrieben. Über 1.000 Motorradfahrer konnten so überprüft werden. Dabei wurden aber nicht nur festgestellte Verstöße geahndet. Die eingesetzten Beamten führten auch eine Vielzahl an Gesprächen, in deren Verlauf der/die ein oder andere Motorradfahrer /-in auch auf Gefahrenquellen hingewiesen wurde, an die bis dato noch nicht oder nicht im erforderlichen Umfang gedacht wurde.


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