Polizei Bayern » PP Oberfranken » Kriminalität » Statistik
05.04.2012, PP Oberfranken
Polizeiliche Kriminalstatistik 2010 für Oberfranken
- 6,3 % weniger registrierte Straftaten - Gesamtstraftaten seit dem Jahr 2000 erstmals wieder unter 50.000 - Häufigkeitszahl ist deutlich unter dem bayernweiten Durchschnitt - Überdurchschnittliche Aufklärungsquote von 68,5 %
Kriminalitätsentwicklung allgemein

|
| Zehnjahresvergleich der Gesamstraftaten |
In Oberfranken sanken die registrierten Straftaten nach 2009 (-2,7 Prozent) erneut. Im abgelaufenen Jahr beträgt der Rückgang 6,3 Prozent oder 3.320 Fälle. Damit liegt die Anzahl der Gesamtstraf-taten mit 49.257 Fällen seit dem Jahr 2000 erstmals wieder unter 50.000.
Mit einem Aufklärungsergebnis von 68,5 Prozent (0,5 Prozentpunkte unter dem Vorjahreswert) verzeichnete die oberfränkische Polizei auch im Jahr 2010 wieder eine konstant überdurchschnittliche Auf- klärungsquote, die auch im bayernweiten Vergleich einen Spitzenplatz einnimmt. Insgesamt klärte die Polizei 33.754 Straftaten und ermittelte 24.204 Tatverdächtige. Die Häufigkeitszahl (HZ) bezeichnet das Verhältnis der bekannt gewordenen Straftaten pro hunderttausend Einwohner.
Gegenüber 2009 ging dieser Index nochmals zurück und liegt mit 4.576 (-281) deutlich unter dem bayerischen Landesdurchschnitt von 4.958.

|
| Polizeipräsident Reinhard Kunkel |
| Polizeipräsident Reinhard Kunkel |
|
|
„In Oberfranken nimmt der Standortfaktor Sicherheit einen hohen Wert ein. Mit der oberfränkischen Kriminalstatistik können wir unseren Leitsatz 'Mit Sicherheit Oberfranken' auch mit konkreten Zahlen belegen und untermauern. Sowohl bei der niedrigen Kriminalitätsbelastung als auch bei der hohen Aufklärungsquote ist Oberfranken, nicht nur wegen seiner geografische Lage, an der Spitze in Bayern zu finden“, resümierte Oberfrankens Polizeipräsident Reinhard Kunkel. „Die fast schon traditionell hohe Aufklärungsquote spricht neben einer guten Fahndungs- und Ermittlungsarbeit der oberfränkischen Polizisten auch für eine funktionierende Sozialkontrolle in den oberfränkischen Städten und Gemeinden. Viele Hinweise zur Aufklärung von Straftaten kommen von aufmerksamen Bürgern“, so Kunkel weiter.
Kriminalitätsentwicklung in den Mittelstädten, Landkreisen und der Grenzregion

|
| Grafik Veränderungen der Fallzahlen in % |
| Polizeipräsident Reinhard Kunkel |
|
|
Knapp ein viertel der oberfränkischen Bevölkerung lebt in den vier Mittelstädten Bamberg, Bayreuth, Coburg und Hof. Insgesamt registrierte die Polizei dort 18.826 (2009: 19.910) Straftaten. Dies entspricht einem Anteil von rund 38 Prozent in Oberfranken. Während Hof (+1,8 Prozent) als einzige der vier Mittelstädte eine geringe Zunahme des Deliktsaufkommens zu verzeichnen hatte, sanken die Fallzahlen der Städte Bamberg (-10,6 Prozent), Bayreuth (-4,5 Prozent) und Coburg (-5,4 Prozent).
Auch in sieben der neun oberfränkischen Landkreisen ist ein Rück- gang bei den Fallzahlen zu verzeichnen. Lediglich im Landkreis Lichtenfels (+20 Fälle) und im Landkreis Wunsiedel (+209 Fälle) wurden mehr Straftaten registriert.
Auf Basis ständiger Analysen indikativer Deliktsbereiche und fortlaufendem Austausch mit den tschechischen Partnern in Karlsbad lässt sich sagen, dass sich die Sicherheitslage in der Grenz- region, auch drei Jahre nach dem Wegfall der systematischen Grenzkontrollen, nicht negativ entwickelt. Gleichwohl schlägt sich die erfolgreiche Arbeit der Schleierfahnder in der Statistik nieder. So wurden im so genannten ersten Fahndungsschleier 1.861 Aufgriffe verzeichnet. Die Schwer- punkte lagen in den Bereichen des Betäubungsmittelgesetztes, dem Waffengesetz und der Kfz-Verschiebung. 374 Personen, die bundes- oder europaweit zur Fahndung ausgeschrieben waren, wurden angehalten und 84 davon sofort festgenommen.
Gewaltkriminalität nahezu unverändert

|
| Ltd. Kriminaldirektor Harald Osel |
Die Fallzahlen der Gewaltkriminalität sind nahezu unverändert (+4 Fälle oder +0,2 Prozent). Im Fünfjahresvergleich verfestigten sich die Fallzah- len auf einem relativ niedrigem Niveau. Die Aufklärungsquote lag bei 84,9 Prozent. Während die gefährlichen und schweren Körperverletzungen leicht zurückgingen, stieg die Zahl der Raubdelikte, nach teilweise erheblichen Rückgängen in den Jahren 2007, 2008 und 2009, um 35 auf 217 Fälle (+19,2 Prozent) an. Diese Fallzahl entspricht dem exakten Mittelwert im Zehnjahresvergleich. Erfreulich ist, dass sowohl der Anteil der Jugendlichen (2010: 38, 2009: 41) als auch der Heranwachsenden (2010: 27, 2009: 29) als Tatver- dächtige bei Raubdelikten rückläufig ist.
Einen Deliktsbereich mit hohem Fallaufkommen stellen die einfachen vorsätzlichen Körperverletzungen dar, die statistisch nicht mehr zu den Gewaltdelikten zählen. 8.596 dieser Straftaten in Oberfranken bedeuten ein Plus von 122 Fällen (+1,4 Prozent). Die Ursachen für diesen Anstieg sind ausschließlich im privaten Umfeld zu sehen. So gingen im Bereich der Häuslichen Gewalt im abgelaufenen Jahr 179 Anzeigen (+12,2 Prozent) mehr ein.
„Diese Steigerung ist ein Indiz dafür, dass unsere Philosophie - keine Bagatellisierung derartiger Delikte – greift“, sagte der Leiter des Sachgebietes Verbrechensbekämpfung, Leitender Kriminal-direktor Harald Osel. „Betroffene Opfer suchen den Kontakt mit der Polizei und den Beratungsinstitutionen. Dies führt zu einer konsequenten Anzeigenerstattung“, so Osel weiter.
Diebstahlsdelikte

|
| Zehnjahresvergleich Diebstahlsdelikte |
Die Diebstahlsdelikte nehmen mit 27,6 Prozent den größten Anteil an der Gesamtkriminalität ein. Den zweithöchsten Anteil (27,3 Prozent) stellen die sonstigen Straftaten nach dem Strafgesetzbuch dar. Die Fallzahlen der Diebstahlsdelikte gingen im Vergleich zum Vorjahr erneut deutlich zurück (-939 Fälle oder -6,5 Prozent). Der Schwer- punkt dieses Rückganges liegt, gemessen an den absoluten Fallzahlen, im Bereich des „einfachen Diebstahls“ (-624 Fälle oder -6,0 Prozent). Im Vergleich der letzten fünf Jahre gingen die Fallzahlen des „schwe- ren Diebstahls“ um 21,7 Prozent (-315 Fälle) zurück. Alleine im letzten Jahr beträgt der Rückgang 7,7 Prozent. In fast allen Bereichen, angefangen vom Ladendiebstahl (-9,0 Prozent) über den Diebstahl von Fahrrädern (-16,7 Prozent) bis hin zum Diebstahl von Pkw (-4,0 Prozent) konnten, teilweise erhebliche, Rückgänge registriert werden.
Internetkriminalität – Vom klassischen zum virtuellen Tatort -
Das Tatmittel Internet ist auf dem Vormarsch. Die Entwicklung zeigt, dass eine Verlagerung von den klassischen Eigentumsdelikten hin zu online begangenen Straftaten, wie beispielsweise dem Waren- oder Warenkreditbetrug, stattfindet. Bei 1.422 Straftaten wurde das Internet im Jahr 2010 als Tatmittel eingesetzt. Dies ist zwar nur ein Anteil von knapp 3 Prozent (2,9 Prozent) an der Gesamtkriminalität, dafür erstrecken sich jedoch die so verübten Straftaten auf vielfältige Delikte, von der Beleidigung bis hin zum Sexualdelikt.
Die Aufklärung der Internetkriminalität stellt an die Polizei besondere Anforderungen. So sind für die Verfolgung von Spuren spezifische Kenntnisse erforderlich und nicht selten ergeben sich internationale Bezüge. Die oberfränkische Polizei trägt dieser Entwicklung unter anderem durch die Einstellung von Spezialisten Rechnung.
Straßenkriminalität - fast "historischer Tiefstand" -

|
| Zehnjahresvergleich Straßenkriminalität |
Im Bereich der Straßenkriminalität erreichen die Fallzahlen (8.911) fast schon einen „historischen Tiefstand“. Im Vergleich zum Vorjahr bedeutet dies ein Minus von 12,8 Prozent oder 1.306 weniger Delikte. Insbesondere konnte die oberfränkische Polizei die für das Sicher- heitsempfinden der Bevölkerung sensiblen Bereiche der Sachbeschä- digungen an Fahrzeugen (-10,1 Prozent) oder Vandalismus (-15,1 Prozent, sonstige öffentliche Sachbeschädigungen) signifikant ein- dämmen. „Eine konsequente Umsetzung regionaler Sicherheitskonzepte sowie oberfrankenweite Sicherheitsprogramme zahlen sich hier genau so aus, wie die Präsenz an Kriminalitätsbrennpunkten“, so Leitender Kriminaldirektor Harald Osel.
Rauschgiftkriminalität
Nach einem deutlich ausgeprägten Rückgang der Rauschgiftkriminalität in den Jahren 2003 bis 2007, einem Anstieg um 39 Prozent im Jahr 2008 und einer Stagnation im Jahr 2009, gehen die aktuellen Fallzahlen wieder leicht zurück. Im Jahr 2010 registrierte die oberfränkische Polizei 2.815 Fälle der Betäubungsmittelkriminalität. Dies sind 152 Fälle (-5,1 Prozent) weniger als im Vorjahr. Ein deutlicher Anstieg ist in den Bereichen illegaler Handel und Schmuggel (+82 Fälle oder +19,9 Prozent) und der illegalen Einfuhr von Betäubungsmittel (+33 Fälle oder 71,7 Prozent) zu verzeichnen. Cannabis stellt trotz eines Rückganges von 21,0 Prozent nach wie vor den größten Anteil bei den festgestellten Verstößen dar. Die Fallzahlen von Amphetamin (inklusive Metamphetamim/Crystal) sind dagegen mit einem Zuwachs von 9,6 Prozent weiter steigend.
„Die bayerische Linie - keine Verharmlosung oder Liberalisierung der Rauschgiftkriminalität - wird in Oberfranken weiter stringent verfolgt“, so Leitender Kriminaldirektor Harald Osel.
Polizeiliche Kriminalprävention
| Polizeipräsident Reinhard Kunkel |
|
|
Den Schwerpunkt der polizeilichen Präventionsarbeit in Oberfranken bilden die Deliktsbereiche der Gewalt-, Drogen- und Jugendkrimi- nalität sowie die Opferhilfe. „Die Bekämpfung der Gewaltkriminalität bildet einen polizeilichen Schwerpunkt. Dieses Phänomen muss jedoch auch mit einer gesell- schaftlichen Ächtung und Bekämpfung einhergehen und verbunden sein. Hierzu gehören insbesondere eine „Kultur des Hinsehens“ und die Erziehung zur Gewaltfreiheit“, so Polizeipräsident Reinhard Kunkel.
91 Jugendkontaktbeamte sind im Präsidialbereich Oberfranken eingesetzt. Sie bauen eine Brücke zwischen Polizei und Jugendlichen und schaffen damit eine Vertrauensbasis. Dies ermöglicht Strukturen örtlicher Jugendszenen und deren negative Begleiterscheinungen zu erkennen und eine verbesserte Vernetzung präventiver Maßnahmen zu erreichen.
| Polizeipräsident Reinhard Kunkel |
|
|
Zum oberfränkischen Langzeitprojekt „Unsere Stadt – gemeinsam gegen Drogen“ (USggD)sagte Polizeipräsident Reinhard Kunkel „Ziel ist es Kinder, Jugendliche und Heranwachsende zu einer Verhaltens- änderung zu bewegen. Das heißt: Abstinenz bei illegalen Drogen und einen verantwortungsbewussten Umgang mit legalen Suchtmitteln zu erreichen.“ Bestätigt sieht sich die oberfränkische Polizei in ihren Präventionsmaßnahmen auch durch die Statistik. „In sämtlichen Deliktsfeldern der Rauschgiftkriminalität liegt der Anteil der jugendlichen Tatverdächtigen in Oberfranken zum Teil deutlich unter dem bayerischen Gesamtdurchschnitt“, so Polizeipräsident Reinhard Kunkel.
Alkohohlbeeinflussung zur Tatzeit gewinnt an Bedeutung

|
| Entwicklung der Straftaten unter Alkohol |
| Ltd. Kriminaldirektor Harald Osel |
|
|
Bei der Begehung von Straftaten hat der „Faktor Alkohol“ in den letzten Jahren immer mehr an Bedeutung gewonnen. 16,2 Prozent aller geklärter Straftaten im Jahr 2010 in Oberfranken wurden unter Alkoholeinfluss begangen
Die Körperverletzungsdelikte stehen hier an erster Stelle. Bei 44,3 Prozent der Fälle waren die Tatverdächtigen alkoholisiert. Unter den Jugendlichen und Heranwachsenden Tatverdächtigen steigt der Anteil derer die unter Alkoholeinfluss Straftaten begehen (Jugendliche 2009: 17,8 Prozent, 2010: 18,7) (Heranwachsende 2009: 30,0 Prozent, 2010: 31,2 Prozent).
Noch bedenklicher fällt die Bilanz bei den Gewaltdelikten aus. Hier sind 40,0 Prozent aller Tat- verdächtigen alkoholisiert. Bei den heranwachsenden Tatverdächtigen waren es sogar über 55 Prozent. „Die Zahlen belegen: Alkohol ist der Aggressionsverstärker Nummer eins. Während in den letz- ten zehn Jahren die Gesamtstraftaten in Oberfranken sanken, stiegen die alkoholbezogenen Straftaten um über 55 Prozent. Nachts, zwischen 1 und 6 Uhr beträgt die Steigerung sogar 82,5 Prozent“, erklärte Leitender Kriminaldirektor Harald Osel. „Die gesamte Gesellschaft muss hier entgegenwirken. Prävention und Aufklärung, aber auch Sperrzeitverlängerungen wie aktuell in der Stadt Bamberg, werden deshalb aus polizeilicher Sicht als regionaler Lösungsansatz befürwortet“, so Osel weiter.
Gewalt gegen Polizeibeamte
Die Thematik Gewalt gegen Polizeibeamte ist in engen Kontext mit dem Alkoholmissbrauch zu sehen. Bei 489 Vorfällen im Jahr 2010 wurden oberfränkische Polizeibeamtinnen und Polizeibe- amte angegriffen oder beleidigt und 76 von ihnen dabei verletzt. Fast drei viertel (72,8 Prozent) aller Tatverdächtigen waren bei den Widerstandshandlungen alkoholisiert. „Insbesondere in den Nachtstunden und an den Wochenenden sehen sich unsere Einsatzkräfte verstärkt aggressiver Gewalt Einzelner ausgesetzt“, erklärte Polizeipräsident Reinhard Kunkel. „Eine Messerattacke auf uniformierte Polizeibeamte im Raum Bamberg beweist, dass die Gefahren für unsere Kolleginnen und Kollegen im täglichen Einsatz sehr hoch sind. Das Polizeiliche Einsatztraining (PE-Training), welches in Oberfranken einen hohen Stellenwert besitzt, soll unsere Polizisten auf solche gefährlichen Situationen vorbereiten. Dabei steht eine kommunikative Lösung immer im Vordergrund, aber nicht immer ist unser Gegenüber damit einverstanden“, so Kunkel weiter.
Weniger Tatverdächtige im Alter von unter 21 Jahren

|
| Langzeitvergleich jugendlicher Tatverdächtiger |
Der Anteil der Tatverdächtigen unter 21 Jahren ist nochmals auf nun 24,8 Prozent gesunken. Damit setzt sich dieser positive Trend seit 2007 (26,8 Prozent, 2008: 26,3 Prozent, 2009: 25,7 Prozent) im dritten Jahr hintereinander fort. Diese Entwicklung ist auch in ausgewählten Bereichen wie beispielsweise bei Rohheitsdelikten, der Gewaltkriminalität oder der Straßenkriminalität belegbar.
Das Polizeipräsidium Oberfranken sieht diesen Erfolg auch im Zusammenhang mit dem Programm zu Betreuung jugendlicher Intensivtäter (JUIT). Die Quote der Jugendlichen Tatverdächtigen sank im letzten Jahr um 0,6 auf 10 Prozent. Da der Bevölkerungsanteil der Jugendlichen in Oberfranken nahezu konstant blieb (2009: 4,5 Prozent, 2010: 4,4 Prozent) bedeutet dies einen realen Rückgang der Jugenddelinquenz. Ein weiterer Beleg für den Erfolg des JUIT Programms ist, dass es keine Verlagerung der Jugendlichen Tatverdächtigen hin zu den Heranwachsenden gab (Quote nahezu unverändert bei 10,4 Prozent).
Leitender Kriminaldirektor Harald Osel sagte dazu: „Ziel dieses Programms - bei dem eine kleine Gruppe von Intensivtätern betreut wird - ist es, kriminelle Karrieren von jungen Menschen zu beenden und vor allem Jugendliche, vor solchen Karrieren zu bewahren. Hierbei kooperiert die oberfränkische Polizei eng mit dem Kommunen, der Justiz und den Schulen“.
mehr dazu ...
|  |
|