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20.04.2012, Polizei Bayern


Verkehrsunfallbilanz 2008

Innenminister Joachim Herrmann: "Konzertierte Verkehrssicherheitsarbeit zeigt Wirkung – deutlicher Rückgang bei Verkehrsunfallopfern ist erfreulich."


Innenminister Joachim Herrmann zog heute Bilanz zu den mannigfaltigen Maßnahmen und Aktionen zur Verkehrssicherheitsarbeit des Jahres 2008 in Bayern. Diese hätten zu einem Rückgang der Verkehrstoten um mehr als 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr geführt. "Die konzertierten Aktionen vieler Behörden, Institutionen, Verbände und ehrenamtlicher Helfer mit einer Kombination aus Verkehrsüberwachung, Verkehrsprävention, Verkehrserziehung sowie den flankierenden baulichen Maßnahmen im Straßennetz zeigen Wirkung. Die Zahl der Verkehrsunfälle und der dabei Verletzten und Getöteten hat abgenommen. Mit 788 Verkehrstoten, von denen jeder einer zuviel ist, registrieren wir den niedrigsten Wert seit Einführung der bayernweiten Verkehrsunfallstatistik im Jahre 1953", stellte Herrmann fest.

Herrmann betonte auch, dass die Behörden sich nicht mit dem Erreichten zufriedengeben würden. Die Aktion "Sicher und Fair im Straßenverkehr" werde auch im Jahr 2009 mit folgenden Schwerpunkten fortgesetzt:


  • Kein Pardon bei Alkohol und Drogen im Straßenverkehr
  • Konsequentes Vorgehen gegen unvernünftige Raser
  • Nachhaltige Präventionsarbeit zur Verbesserung der Verkehrssicherheit mit dem besonderen Fokus auf schwächere und besonders gefährdete Verkehrsteilnehmer (wie beispielsweise Kinder, Radfahrer, Fahranfänger und ältere Menschen)
  • Anschnallen hilft Unfallfolgen mildern
  • Aktion sicherer Schwerverkehr
  • Optimierung der Schulwegsicherheit
  • Programm "Sichere Landstraße" mit baulichen Verbesserungen im Straßennetz.

"Die Ergebnisse der Verkehrsunfallstatistik des Jahres 2008 zeigen, dass wir auf dem richtigen Weg sind, und dass unsere konzertierte und zielgruppenorientierte Verkehrssicherheitsarbeit Früchte trägt. Wir werden das ambitionierte Programm 'Sicher und Fair im Straßenverkehr' fortsetzen", kündigte Herrmann an.

Im Jahr 2008 ereigneten sich rund 344.000 Verkehrsunfälle und damit rund 3.000 weniger als im Jahr 2007. Die Zahl der Verletzten ging um knapp fünf Prozent auf 71.100 zurück. 788 Verkehrsteilnehmer wurden getötet, davon etwa drei Viertel bei der Benutzung des Pkw oder von Motorrädern und ein Viertel als Radfahrer oder Fußgänger. "Mehr als 20.000 Unfälle mit zum Teil Schwerverletzten und Toten sind auf nicht angepasste Geschwindigkeit und über 6000 Unfälle auf Alkohol- und Drogeneinfluss zurückzuführen. Zusammen mit der weiteren auffälligen Unfallursache des unzureichenden Sicherheitsabstandes sind hier die Folgen bei Unfällen besonders prekär. Dies ist nicht hinnehmbar und wir werden deshalb in diesen Bereichen Schwerpunkte setzen", so Herrmann.

Die Verkehrssicherheitsaktion "Sicher und Fair im Straßenverkehr" habe die Verkehrsteilnehmer im Fokus, die besonders gefährdet seien oder besonderen Schutz benötigten. Der oberste Grundsatz für die sichere Teilnahme am Straßenverkehr, die gegenseitige Rücksichtnahme, müsse stets im Vordergrund stehen. Mit Präventionsprogrammen für Kinder, Fahranfänger, Radfahrer und ältere Menschen würden gezielt diese Zielgruppen angesprochen. "Die Gruppe der 18- bis 24-jährigen Fahranfänger, die über wenig Fahrpraxis verfügt, aber zum Teil zu risikobereit ist, ist eine wichtige Zielgruppe für unsere Verkehrssicherheitsarbeit", so Herrmann. Deren Anteil an der Gesamtbevölkerung Bayerns läge bei etwa acht Prozent, sie sei aber mit 22 Prozent an Unfällen mit schweren Personenschäden überproportional vertreten.


Kein Pardon bei Alkohol und Drogen im Straßenverkehr:


Mit über 6.000 Alkohol- und Drogenunfällen sei zwar ein Rückgang von knapp zehn Prozent festzustellen, aber durch Alkohol und Drogen im Straßenverkehr mussten auch 113 Menschen ihr Leben lassen. Die Polizei würde hier mit geschultem Personal einen Schwerpunkt setzen. "Wir haben uns deshalb im Bundesrat bei der Neufassung des Bußgeldkataloges, der seit gut vier Wochen gilt, bei Alkohol- und Drogenfahrten für eine Verdoppelung der Bußgelder ausgesprochen", betonte Herrmann.


Unvernünftige Raser gefährden sich und andere:


"Landesweit sind alle Polizeidienststellen mit Laser-Hand-Messgeräten ausgestattet, so dass niemand sicher sein kann, dass Unvernunft beim Tritt aufs Gaspedal auf unfallträchtigen Strecken unbeobachtet und ungesühnt bleibt. Wir wollen wenn möglich Raser vor Ort anhalten und mit ihrem Verstoß sofort konfrontieren. Davon versprechen wir uns eine heilsame Wirkung. Überdies sieht der neue Bußgeldkatalog bei erheblichen Geschwindigkeitsübertretungen seit dem 1. Februar 2009 deutlich empfindlichere Geldbußen vor", so Herrmann.


Anschnallen heißt Unfallfolgen mildern:


Passive Sicherungssysteme, wie Sicherheitsgurte und Kindersitze, würden in den meisten Fällen helfen, schwere Unfallfolgen zu vermeiden oder zu lindern. Deshalb werde die Polizei den Einsatz dieser Rückhalteeinrichtungen sorgfältig überwachen.


Aktion sicherer Schwerverkehr:


Im Jahr habe die Polizei mehr als 300.000 Nutzfahrzeuge überprüft. Bei knapp einem Drittel seien Verstöße gegen Lenk- und Ruhezeiten, technische Mängel sowie Fälle unzureichender Landungssicherung und Überladung festgestellt worden. "Die Zahlen sind trotz insgesamt zurückgehender Unfallbeteiligung schon alarmierend, weshalb die Polizei auch im Jahr 2009 einen Schwerpunkt bei der Kontrolle des Schwerverkehrs setzen wird", so Herrmann.


Optimierung der Schulwegsicherheit:


Die erfolgreichen Bemühungen für die Schulwegsicherheit würden auch 2009 fortgesetzt. Trotz zahlreicher Maßnahmen um die Schulwegsicherheit seien 2008 751 Kinder auf dem Schulweg verletzt worden und zwei Kinder sogar ums Leben gekommen. "Die besondere Sorge und Rücksichtnahme auf unsere Schulkinder ist mir ein wichtiges Anliegen. Wir wollen in den nächsten Jahren erreichen, dass jede Schule in Bayern einen umfassenden Schulwegdienst anbieten kann. Deshalb werden wir zusammen mit unseren Partnern von der Landesverkehrswacht und der Gemeinschaftsaktion "Sicher zur Schule - Sicher nach Hause" alles versuchen, um noch mehr ehrenamtliche Schulweghelfer, Schulbusbegleiter und Schülerlotsen für diese wichtige Aufgabe zu gewinnen", kündigte Herrmann an.


Bauliche Verbesserungen im Straßennetz:


Neben Säulen wie Verkehrsüberwachung und Verkehrserziehung seien bauliche Maßnahmen zur Erhöhung der Verkehrssicherheit im Straßennetz ein weiterer wesentlicher Stützpfeiler der Aktion "Sicher und Fair im Straßenverkehr". Mit dem Programm "Sichere Landstraße" flössen erhebliche Investitionsmittel in den verkehrssicheren Ausbau unfallträchtiger Strecken im Bereich der Bundes- und Staatsstraßen. "Von 2007 bis zum Jahr 2012 haben wir hierfür eine Investitionssumme von 160 Millionen Euro für insgesamt 520 Maßnahmen vorgesehen. Bisher konnten wir 300 davon abschließen und haben dafür rund 40 Millionen Euro ausgegeben. Im Jahr 2009 können wir weitere Verbesserungen mit einem Gesamtvolumen von voraussichtlich ca. 35 Millionen Euro verwirklichen," so Herrmann. Durch die Optimierung des Einsatzes von Schutzplanken und die Gestaltung des Seitenraumes der Straßen könnten Verletzungsrisiken minimiert werden.

Bayern habe in den letzten Jahren viel für die Verkehrssicherheit getan. Sei es im Gesetzgebungsverfahren über den Bundesrat, beispielsweise bei der auf die Hauptunfallursachen ausgerichteten Ausgestaltung des neuen Bußgeldkataloges, oder bei der auf bessere Beschilderung ausgerichteten Novelle der Straßenverkehrsordnung. "Wir haben aber auch deutliche eigene, zielgruppenorientierte Akzente in der Verkehrssicherheitspolitik gesetzt. Wir haben zum Beispiel ein umfangreiches, fast 16000 Kilometer umfassendes Radwegenetz in Bayern, welches wir 2009 mit rund 15 Millionen Euro optimieren und ausbauen werden. Damit tun wir etwas zur Verkehrsentlastung der Innenstädte, für unsere Umwelt und für die Verkehrssicherheit der Radfahrer. Wenn wir damit auch noch den einen oder anderen überzeugen können, häufiger auf das Fahrrad umzusteigen, dann haben wir auch noch einen Beitrag zur Gesundheit der Menschen geleistet", schloss Herrmann.


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