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24.03.2016, PP Niederbayern


Polizeiliche Kriminalstatistik des Polizeipräsidiums Niederbayern für das Jahr 2015

NIEDERBAYERN: Das Polizeipräsidium Niederbayern zieht auch im Jahre 2015 insgesamt wieder eine positive Bilanz zur Kriminalitätsentwicklung in Niederbayern. Trotz hoher Einsatzbelastungen, beispielsweise durch den G7-Gipfel aber auch durch die seit Mitte des Jahres steigenden Flüchtlingszahlen, ist es der Niederbayerischen Polizei gelungen, den Sicherheitsstandard auch 2015 auf hohem Niveau zu halten. Dafür dankte Polizeipräsident Josef Rückl allen niederbayerischen Polizeibeamtinnen und –beamten ganz besonders.


Entwicklung der Gesamtkriminalität


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Entwicklung der Gesamtkriminalität in Niederbayern (mit ausländerrechtlichen Verstößen)

Auf den ersten Blick weist die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) 2015 für den Regierungsbezirk Niederbayern einen starken Anstieg der Fallzahlen um 142% gegenüber dem Vorjahr auf. In Zahlen ausgedrückt stiegen die Gesamtstraftaten im Jahr 2015 demnach um 72.744 Fälle auf insgesamt 123.899 Fälle an.

Hauptursache dafür ist aufgrund der erheblichen Zuwanderung eine starke Steigerung im Deliktsfeld Straftaten gegen das Aufenthalts-, das Asylverfahrens- und das Freizügigkeitsgesetz/EU. Ankommende Flüchtlinge begehen bereits beim Grenzübertritt grundsätzlich einen ausländerrechtlichen Verstoß.


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Entwicklung der Gesamtkriminalität in Niederbayern (ohne ausländerrechtlichen Verstößen)

Zur besseren Vergleichbarkeit bleiben diese Delikte innerhalb der im Folgenden dargestellten Auswertungen rechnerisch unberücksichtigt.

Demnach ist im Bereich der Gesamtkriminalität in Niederbayern ein äußerst erfreulicher Rückgang der Fallzahlen um 2,1% zu verbuchen (2014: 47.903 Fälle; 2015: 46.904 Fälle).


Aufklärungsquote:


Die Aufklärungsquote liegt in Niederbayern mit 65,1% deutlich über dem Landesdurchschnitt von 62,8%. Somit kann das Polizeipräsidium Niederbayern wie auch in den vergangenen Jahren eine gute Bilanz in der Kriminalitätsbekämpfung, insbesondere in der Aufklärung von Straftaten, aufweisen.


Häufigkeitszahl:


Ein wichtiger Index für die „Kriminalitätsbelastung der Bevölkerung“ ist die sogenannte Häufigkeitszahl. Sie gibt die Anzahl der erfassten Straftaten im Jahr, gerechnet auf 100.000 Einwohner, wieder. Mit einer Häufigkeitszahl von 3.917 liegt Niederbayern im bayernweiten Vergleich auf einem sehr niedrigen Wert (Bayern: 4687). Dies bedeutet, dass Niederbayern immer noch ein sehr sicherer Regierungsbezirk ist. Im Vergleich der Landkreise und kreisfreien Städte ist der Landkreis Freyung-Grafenau mit einer Häufigkeitszahl von 2.575 der sicherste niederbayerische Landkreis.


Gewaltkriminalität:


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Zusammensetzung der Gewaltkriminalität

Nachdem bei der Gewaltkriminalität (siehe Grafik zur Zusammensetzung) im Jahr 2014 gegenüber 2013 ein leichter Rückgang um 0,7% zu verzeichnen war, weist die PKS für 2015 im Vergleich zu 2014 wieder einen leichten Anstieg um 0,4% auf 1.615 Fälle aus.
Die Gewaltkriminalität macht mit 1,3% nur einen geringen Teil der Gesamtkriminalität aus, ist jedoch für das Sicherheitsgefühl der Bürgerinnen und Bürger naturgemäß von ganz besonderer Bedeutung. Umso wichtiger ist die hohe Aufklärungsquote (85,4 %) in diesem Deliktsbereich; diese konnte im Vergleich zum Vorjahr leicht gesteigert werden und liegt 1,5 Prozentpunkte über dem Durchschnitt im 10-Jahres-Vergleich.
Gewaltdelikte werden oft unter Alkoholeinfluss begangen. Von den 1.379 geklärten Fällen war bei 520 Alkohol im Spiel (37,7%). Dies belegt, dass Alkohol als Aggressionsverstärker ersten Ranges zu werten ist.
Ein besonderer Fahndungserfolg in diesem Deliktsbereich gelang der Niederbayerischen Polizei nach einem versuchten Totschlag durch vier Kosovaren am 30.08.2015 in Passau. Die Täter traten dabei auf drei am Boden liegende Geschädigte ein und trafen dabei ihre Opfer mit Fußtritten mehrmals mit voller Wucht an Kopf und Oberkörper. Anschließend konnten die Täter unerkannt flüchten. Durch intensive polizeiliche Maßnahmen, insbesondere nach Einleitung einer Öffentlichkeitsfahndung, konnten die Kosovaren Anfang 2016 schließlich in Österreich festgenommen werden. Dies gelang insbesondere aufgrund einer professionellen Zusammenarbeit zwischen den bayerischen und österreichischen Verfolgungsbehörden.


Straßenkriminalität:


Nachdem im Bereich der Straßenkriminalität (darunter fallen zum Beispiel Körperverletzungs-, Sexual-, Sachbeschädigungs- oder Diebstahlsdelikte, die im öffentlichen Raum begangen werden) im Jahr 2014 gegenüber 2013 ein Anstieg des Fallaufkommens um 2,5% verzeichnet wurde, ist 2015 ein Rückgang der Zahlen um 3,9% gegenüber dem Vorjahr zu vermelden. Besonders beachtlich ist, dass damit im Zehnjahresvergleich das niedrigste Fallaufkommen (8378 Fälle) registriert wurde.

Günstig entwickelte sich ebenfalls der Bereich „Sachbeschädigung an Kraftfahrzeugen“. Hier konnte ein deutlicher Rückgang um 379 Fälle (-17,3 %) von 2185 auf insgesamt 1806 Taten im Jahre 2015 verzeichnet werden.

Die Entwicklung im Bereich der Straßenkriminalität ist äußerst positiv, da gerade Straftaten, die im öffentlichen Raum begangen werden, maßgebliche Auswirkungen auf das subjektive Sicherheitsgefühl der Bevölkerung haben.


Diebstahlskriminalität:


Allgemein:
Die Fallzahlen der Diebstahlskriminalität sind 2015 erfreulicherweise um 2,6% gegenüber dem Vorjahr zurückgegangen. Mit 14784 Straftaten im Jahre 2015 nimmt dieser Deliktsbereich insgesamt 31,52 % der Gesamtzahl aller registrierten Straftaten ein.

Wohnungseinbruchdiebstähle:
Einbrüche in Wohnungen stellen eine massive Verletzung der Privatsphäre dar. Zwar hat sich die Zahl der Wohnungseinbrüche von 683 Fälle im Jahr 2014 auf 673 Fälle im Jahr 2015 (-1,5 %) reduziert, dennoch befinden sich die absoluten Zahlen in diesem Deliktsbereich auf einem Niveau, das weiterhin besondere polizeiliche Bekämpfungsansätze erfordert. Bemerkenswert ist, dass im Jahr 2015 insgesamt 44,1% aller Einbrüche noch im Versuchsstadium abgebrochen wurden. Einbrecher wollen möglichst schnell Fenster oder Terrassentüren überwinden, um das Entdeckungsrisiko tunlichst gering zu halten. Dies verdeutlicht umso mehr, wie wichtig ein geeigneter Einbruchsschutz ist. Entsprechende kostenfreie und produktneutrale Beratungen um den technischen aber auch verhaltensorientierten Einbruchschutz bieten insbesondere die kriminalpolizeilichen Beratungsstellen bei den Kriminalpolizeidienststellen in Niederbayern. Wichtig in diesem Zusammenhang ist zudem eine gut funktionierende Sozialkontrolle. „Wachsame Nachbarn“ tragen sicherlich dazu bei, das ein oder andere Einbruchsvorhaben scheitern zu lassen.
Eine ganze Serie von Wohnungseinbruchsdiebstählen im Raum Passau konnte Anfang 2015 geklärt werden. Nach mehrwöchigen Ermittlungen gelang es der Polizei zwei georgische Serienwohnungseinbrecher festzunehmen, denen insgesamt 90 Wohnungseinbruchsdiebstähle mit einem Beutewert von ca. 857.000 Euro nachgewiesen werden konnten.

Diebstahl von Kraftfahrzeugen:
Gerade der Bereich „Diebstahl von Kraftfahrzeugen“ entwickelte sich im vergangenen Jahr sehr positiv. Hier konnte ein Rückgang der Fallzahlen um 52 Fälle (-25,4 %) auf insgesamt 153 Delikte registriert werden.

Fahrraddiebstähle:
Der Diebstahl von Fahrrädern, einschließlich unbefugter Ingebrauchnahme, liegt in Niederbayern aktuell auf dem höchsten Niveau seit 10 Jahren. Mit 2285 Fällen in 2015 musste in diesem Deliktsfeld nochmals eine Steigerung um 155 Fälle (+7,3 %) gegenüber dem Vorjahr festgestellt werden. An dieser Stelle appelliert die Polizei nochmals, Fahrräder mit geeigneten Sicherheitseinrichtung gegen Diebstahl zu sichern und empfiehlt, die Registrierung der fahrradeigenen Identifikationsnummer. Die Möglichkeit dazu bietet jede Polizeidienststelle.


Sexualdelikte:


In diesem Deliktsbereich ist allgemein ein Anstieg um 123 Fälle (+24,2%) von 509 Delikten im Jahre 2014 auf insgesamt 632 Fälle im Jahre 2015 festzustellen.
Eine deutliche Steigerung des Fallaufkommens ist hier insbesondere im Bereich der sonstigen sexuellen Nötigung zu verzeichnen; dazu zählen „einfache“ sexuelle Handlungen. Mehr als die Hälfte aller Opfer stehen hier in einer nahen sozialen Beziehung zum Täter.
Ebenfalls angestiegen ist die Deliktsgruppe des sexuellen Missbrauchs von Kindern. Mit einer Steigerung auf 218 Fälle im Jahre 2015 (127 Fälle in 2014) ist hier ein Plus von 91 Fällen (+71,7%) zu verzeichnen. Entscheidend trägt zu dieser Entwicklung das stark gestiegene Phänomen des sog. „Sexting“ bei. Dieser aus den Wörtern „Sex“ und „texting“ (englisch für „SMS/MMS verschicken“) gebildete Begriff steht im Deutschen vor allem für das Versenden von erotischen Selbstaufnahmen mittels Smartphone und/oder Internet (z. B. innerhalb Chatrooms). Die Polizei warnt hier insbesondere Kinder und Jugendliche vor der Anfertigung anzüglicher Selbstaufnahmen (sog. „Selfies“) und der anschießenden leichtfertigen Weitergabe an Dritte. Durch den Besitz derartiger Aufnahmen kommt es nicht selten zu Nötigungs- oder gar Erpressungsversuchen durch den jeweiligen Empfänger.


Kriminalität durch Zuwanderer:


Unter dem Begriff „Zuwanderer“ werden nach bundeseinheitlicher Definition die Tatverdächtigen subsumiert, die mit den Aufenthaltsgründen „Asylbewerber“, „Duldung“, „Kontingentflüchtling/Bürgerkriegsflüchtling“ und „unerlaubt“ in der PKS registriert wurden.
Insbesondere in den Regierungsbezirk Niederbayern kamen über die oberösterreichische-niederbayerische Grenze im Jahre 2015 wesentlich mehr Zuwanderer als in den Jahren zuvor. Diese stellten mit 1.414 Tatverdächtigen einen Anteil von 6,4% (2014: 2,7%) an allen Tatverdächtigen in Niederbayern. Von dieser Gruppe wurden im Jahr 2015 insgesamt 1821 Straftaten begangen, was eine Steigerung im Verhältnis zum Vorjahr um 1047 Fälle (+135,3%) bedeutet. Den größten Anteil an den begangenen Straftaten bilden hier die Körperverletzungsdelikte (2015: 524 Fälle). Ein Gutteil davon wurde zwischen Angehörigen dieser Personengruppe zum Teil innerhalb der Gemeinschaftsunterkünfte begangen. Das zweitgrößte durch Zuwanderer begangene Deliktsfeld sind Ladendiebstähle mit 312 Fällen im Jahre 2015.


Ausblick


„Das Polizeipräsidium Niederbayern wird trotz einer im Jahre 2015 sehr positiven Kriminalitätsentwicklung auch in der Zukunft alles daran setzen, die objektive Sicherheit zu erhöhen und das subjektive Sicherheitsgefühl unserer niederbayerischen Bevölkerung zu stärken. Neben professionellen Rahmenbedingungen braucht die niederbayerische Polizei dazu die gesamte Gesellschaft als Unterstützung. Eine optimale Zusammenarbeit zwischen Bevölkerung, Politik und den Sicherheitsbehörden schafft gemeinsam mit unseren motivierten und engagierten Polizeibeamtinnen und –beamten die Basis für eine gute Sicherheitslage in Niederbayern“ betont Polizeipräsident Josef Rückl.



Medien-Kontakt: Pol.-Präs. Ndby., Presse-Team, Christian Biedermann, KHK, 09421/868-1012
Veröffentlicht am 24.04.16 um 14.25 Uhr.


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