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03.12.2015, PP München


Amtliche Kennzeichen an Kraftfahrzeugen und Anhängern

Kraftfahrzeuge und ihre Anhänger müssen mit wenigen Ausnahmen mit einem amtlichen Kennzeichen versehen sein, wenn sie im öffentlichen Straßenverkehr benutzt werden. Dies gilt für in- und ausländische Fahrzeuge gleichermaßen. Im Folgenden informieren wir Sie über die unterschiedlichen amtlichen Kennzeichen, die an in Deutschland zugelassenen Fahrzeugen anzutreffen sind.


Kennzeichenpflicht


Je nach Fahrzeugtyp und individuellen Erfordernissen werden dabei die Kennzeichenschilder in länglicher (mit einzeiliger Darstellung der individuellen Buchstaben- und Ziffernkombination) oder in kurzer Form (mit zweizeiliger Darstellung der Buchstaben- und Ziffernkombination) ausgegeben. Die Größe ist standardisiert im Rahmen vorgegebener Grenzen. Für Leichtkrafträder (max. 80 km/h, 125 ccm und 11 kW) und Kleinkrafträder alter Art (max. 50 ccm und Höchstgeschwindigkeit über 40 km/h, in Verkehr gekommen vor dem 31.12.83) findet eine verkleinerte Form Verwendung.

Für Motorrad-Kennzeichen wurden 2011 die Vorschriften bezüglich der Schildergröße geändert. Es ist nur noch ein Mindestmaß von 18 x 20 cm (Breite/Höhe) vorgeschrieben.


Der Vollständigkeit halber seien noch die Versicherungskennzeichen (Verfallkennzeichen mit einjähriger Gültigkeit vom 01. März bis 28. bzw. 29 Februar des Folgejahres, die keine amtlichen Kennzeichen sind und von den Versicherungen als Bestätigung für einen bestehenden Versicherungsvertrag herausgegeben werden) für


  • Kleinkrafträder (Höchstgeschwindigkeit von nicht mehr als 50 km/h und elektrischem Antrieb oder Verbrennungsmotor mit nicht mehr als 50 cm3 Hubraum),
  • Fahrräder mit Hilfsmotor und Mofas sowie
  • maschinell angetriebene Krankenfahrstühle

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erwähnt, die aber im folgenden nicht behandelt werden sollen.

Wohl jeder weiß, dass aus der ersten Buchstabengruppe eines amtlichen Kennzeichens (amtlich: Unterscheidungszeichen) der jeweilige Zulassungsbezirk herauszulesen ist. So steht beispielsweise ein "M" für München, wobei das Fahrzeug hier schon wieder sowohl in der bayerischen Landeshauptstadt als auch im Landkreis München (zwei unterschiedliche Zulassungsbezirke!) zugelassen sein kann.

Um eine bürgerfreundlichere Gestaltung im Kfz-Zulassungsverfahren zu ermöglichen haben sich in manchen Regionen (z. B. Oberbayern) mehrere Zulassungsbehörden mittels Kooperationsvertrag zusammengeschlossen. Seit 2011 ist es in diesen Gebieten daher möglich, Zulassungsvorgänge nicht mehr nur bei der für den Wohnort oder Betriebssitz zuständigen Zulassungsbehörde, sondern bei jeder beliebigen Zulassungsbehörde innerhalb dieses Verbundes vorzunehmen. Daher kann nun das Unterscheidungszeichen (z. B. RO für Rosenheim) von der Zulassungsbehörde auf der Stempelplakette (z. B. Landratsamt Traunstein) abweichen.

Wer sich für diese weitergehende Differenzierung interessiert, sei auf die Fundstelle in den Anlagen I bis VII der Straßenverkehrs-Zulassungsordnung verwiesen.

Dem Unterscheidungszeichen folgt die individuelle Fahrzeugerkennungsnummer, die aus Buchstaben und/oder Zahlen besteht. Fehlen in der Fahrzeugerkennungsnummer die Buchstaben, handelt es sich um ein Behördenfahrzeug.


Kennzeichen-Liberalisierung


Im Rahmen einer von der Bundesregierung verfolgten „Kennzeichen-Liberalisierung“ wurde vom Bundestag im September 2013 beschlossen, dass sogenannte „Altkennzeichen“, d. h. Unterscheidungszeichen die im Rahmen von Gebietsreformen in der Vergangenheit abgeschafft bzw. nicht mehr ausgegeben werden durften, auf Antrag der zuständigen Zulassungsstellen wieder eingeführt werden können.

So können beispielsweise die Unterscheidungszeichen „WOR“ (Wolfratshausen) und „AIB“ (Bad Aibling), die seit der Landkreisreform 1972 nicht mehr ausgegeben wurden, wieder beantragt werden.

Im Juli 2014 soll eine weitere Änderung im Zulassungsverfahren eingeführt werden. Sofern der Bundesrat seine Zustimmung erteilt, wird dann eine bundesweite Kennzeichen-Mitnahme bei Wohnortwechsel möglich sein.


Kennzeichenformen


Während der Hintergrund aller in Deutschland zugeteilten Kennzeichen grundsätzlich weiß und aus Sicherheitsgründen retroreflektierend ist, sind bei den Buchstaben, Zahlen und dem Kennzeichenrand folgende Farben anzutreffen:


  • grün
  • rot
  • schwarz

Grüne Kennzeichen


Grüne Schriftfarbe wird bei den Kennzeichen bestimmter Fahrzeuge (z.B. im land- und forstwirtschaftlichen Einsatz) verwendet, die von der Kraftfahrzeugsteuer befreit sind.


Rote Kennzeichen


Etwas umfangreicher ist der Kreis der Fahrzeuge, bei denen ein rotes Kennzeichen angebracht sein kann. Seit einer Rechtsänderung, die zum 01. Mai 1998 in Kraft getreten ist (näheres dazu siehe weiter unten unter Kurzzeitkennzeichen), werden rote Kennzeichen nur noch für eine wiederkehrende Verwendung ausgegeben; diese Fahrzeuge benötigen keine Betriebserlaubnis. Das bisherige rote Kennzeichen zur einmaligen Verwendung wurde durch das Kurzzeitkennzeichen ersetzt.

Zu unterscheiden bei den Kennzeichen für eine wiederkehrende Verwendung sind zwei grundsätzliche Verwendungszwecke, die sich durch Fahrzeugerkennungsnummer unterscheiden lassen:


"Händler-Kennzeichen"



Beginn mit der Fahrzeugerkennungsnummer 06
Sie deutet darauf hin, dass es sich um ein Kennzeichen handelt, das an einen Fahrzeughersteller, Händler oder an eine Werkstätte ausgegeben worden ist und das für Probe-, Werkstatt- und Überführungsfahrten verwendet werden darf.


"Oldtimer-Kennzeichen"



Beginn mit der Fahrzeugerkennungsnummer 07
Hier handelt es sich um ein Oldtimer- oder Veteranenfahrzeug. Das Fahrzeug muss älter als 30 Jahre und als Oldtimer anerkannt sein; es befindet sich in Privathand oder ist Eigentum eines Veteranen- oder Oldtimerclubs. Die Verwendung ist für entsprechende Veranstaltungen oder aber auch für Probe-, Werkstatt- und Überführungsfahrten zulässig. Auf Antrag kann das Kennzeichen als Wechselkennzeichen an verschiedenen Oldtimern verwendet werden, für die dann jeweils ein eigener Fahrzeugschein auszustellen ist.


Schwarze Kennzeichen


Das amtliche Kennzeichen mit schwarzer Schrift ist am häufigsten anzutreffen; hier gibt es auch die meisten unterschiedlichen Gestaltungsformen:


Eurokennzeichen



Das Eurokennzeichen mit den Sternen der EU-Mitgliedsstaaten in gelb und dem Buchstaben "D" im blauen Feld findet alternativ zum Kennzeichen alter Art seit 1995 Verwendung.

Euro-Kennzeichen werden ausgegeben als


  • reguläres Kennzeichen (Muster siehe oben),
  • Oldtimerkennzeichen,
  • Wechselkennzeichen,
  • Saisonkennzeichen,
  • E-Kennzeichen,
  • rote Kennzeichen .

Seit dem 1.6.98 ersetzt der Erkennungsbuchstabe "D" im Kennzeichen das Nationalitätszeichen im direkten Verkehr zwischen Staaten der Europäischen Union. Gehen Fahrten in Staaten, die nicht der EU angehören, ist nach wie vor in der Regel auch bei Verwendung des Euro-Kennzeichens zusätzlich die Anbringung des Nationalitätenkennzeichens ("D-Schild") verbindlich.

Seit dem 01.11. 2000 wird als reguläres Kennzeichen nur noch das Euro-Kennzeichen ausgegeben.


Kennzeichen alter Art



Das Kennzeichen nach nebenstehendem Muster wird für Neufahrzeuge sowie bei Fahrzeugummeldungen seit dem 01.11.2000 nicht mehr vergeben.
Die bis zum 31.10.2000 ausgegebenen Kennzeichen dieser Art behalten jedoch weiterhin ihre Gültigkeit und müssen nicht ausgetauscht werden.


Oldtimerkennzeichen



Beim Oldtimerkennzeichen werden Unterscheidungszeichen und Erkennungsnummer um den Buchstaben "H" ergänzt.

Das Fahrzeug ist mindestens 30 Jahre alt; sein Einsatz dient vorwiegend der Pflege kraftfahrzeugtechnischen Kulturgutes. Anders als bei den roten Kennzeichen mit der Erkennungsnummer 07 kann das Fahrzeug ohne Einschränkungen im Straßenverkehr verwendet werden.


Wechselkennzeichen


Wechelkennzeichen

Seit 2012 ist in Deutschland die Verwendung von Wechselkennzeichen möglich.
Diese Kennzeichen bestehen aus einem Wechsel- und einem festen Teil.
Beide Kennzeichen unterscheiden sich nur in der letzten Ziffer, damit haben beide Fahrzeuge auch mit Wechselkennzeichen unterschiedliche Kennzeichen.

Das feste Element (mit letzter Ziffer des Unterscheidungszeichens, der Zulassungsplakette und in kleinen Ziffern die Wiederholung übrigen Unterscheidungszeichens) bleibt immer am Fahrzeug.

Das Wechselelement kann zwischen den beiden Fahrzeugen getauscht werden; nur das Fahrzeug mit dem kompletten Kennzeichen darf gefahren werden.

Ein Wechselkennzeichen kann immer nur für zwei Fahrzeuge der gleichen Fahrzeugklasse verwendet werden (zwei Pkw, zwei Motorräder oder zwei Anhänger).
Bei Oldtimer-Zulassungen kann auf dem Festteil hinter der Zahl auch ein „H“ stehen (siehe Oldtimerkennzeichen).

WICHTIG: Das Fahrzeug ohne Wechselkennzeichen darf nicht auf öffentlichem Verkehrsgrund abgestellt werden.


Saisonkennzeichen



Das Saisonkennzeichen findet dieselbe Verwendung wie das Normalkennzeichen.
Unterschied ist nur, dass die Berechtigung zur Teilnahme am Straßenverkehr (Bewegen und Abstellen) auf eine vorher festgelegte Zeit beschränkt ist. Der Zeitraum ist aus den eingeprägten Zahlen (Monate) am rechten Rand erkennbar (hier 04/10 = 1. April bis 31. Oktober).


Kennzeichen für elektrisch betriebene Fahrzeuge



Wer ein Fahrzeug im Sinne des § 2 Elektromobilitätsgesetz (EmoG) führt, kann Bevorrechtigungen bei der Teilnahme am Straßenverkehr erhalten, soweit dadurch die Sicherheit und Leichtigkeit des Verkehrs nicht beeinträchtigt werden.

Bevorrechtigungen sind möglich
1. für das Parken auf öffentlichen Straßen oder Wegen,
2. bei der Nutzung von für besondere Zwecke bestimmten öffentlichen Straßen oder Wegen oder Teilen von diesen,
3. durch das Zulassen von Ausnahmen von Zufahrtbeschränkungen oder Durchfahrtverboten,
4. im Hinblick auf das Erheben von Gebühren für das Parken auf öffentlichen Straßen oder Wegen.


Zusatzzeichen zu VerkehrszeichenKennzeichnung ausländischer Kraftfahrzeuge
Bevorrechtigungen bedürfen der Beschilderung durch die zuständigen Straßenverkehrsbehörden. Im Ausland erteilte Kennzeichen für elektrisch betriebene Fahrzeuge oder für elektrisch betriebene Fahrzeuge erteilte Plaketten stehen inländischen Kennzeichen oder Plaketten für elektrisch betriebene Fahrzeuge gleich.

Kurzzeitkennzeichen



Kurzzeitkennzeichen bestehen aus einem Unterscheidungszeichen und einer Erkennungsnummer, diese beginnt immer mit den Ziffern 03.. oder 04.. . Das Kennzeichen ersetzt seit dem 1.5.98 das bis dahin verwendete rote Kennzeichen. Wie dieses wird es für eine einmalige Verwendung zu Prüfungs-, Werkstatt- und Überführungsfahrten ausgegeben, muß jedoch nach Zeitablauf nicht mehr an die Zulassungsbehörde zurückgegeben werden. Seine Gültigkeit beträgt höchstens 5 Tage; das rechte gelbe Feld zeigt den letzten Tag, an dem es verwendet werden darf (hier: 21. Oktober 1999). Die Stempelplakette weist einen blauen Untergrund auf.


Ausfuhrkennzeichen



Das Ausfuhrkennzeichen hat das ehemalige ovalrunde Zollkennzeichen ersetzt. Seine Gültigkeit ist zeitlich befristet. Im rechten roten Feld ist der letzte Tag des Gültigkeitszeitraums eingeprägt (hier 21. Oktober 1999). Die Stempelplakette weist einen roten Untergrund auf.


Sonderformen von Kennzeichen



Sonderformen von Unterscheidungszeichen oder von ihrer Ausgestaltung her finden sich weiter an Dienst- und teilweise Privatfahrzeugen


  • des Bundes und seiner Organe
  • der Bundesländer
  • des Diplomatischen Korps und bevorrechtigter internationaler Organisationen

Stempelplakette



Alle vorgeschriebenen Kennzeichen an zulassungspflichtigen Fahrzeugen sowie an Fahrzeugen, die zwar nicht dem Zulassungsverfahren unterliegen, aber ein amtliches Kennzeichen tragen müssen, wie z.B. Leichtkrafträder oder selbstfahrende Arbeitsmaschinen mit einer durch die Bauart bestimmten Höchstgeschwindigkeit von mehr als 20 km/h, mit einer Stempelplakette versehen sein.
Die von den Zulassungsbehörden der Verwaltungsbezirke ausgegebene Plakette enthält seit 1.7.95 das farbige Wappen des jeweiligen Bundeslandes und den Namen der Zulassungsbehörde. Stempelplaketten alter Art mit silberweißem Untergrund behalten ihre Gültigkeit.

Beachte:
Fahrten zur Abstempelung der Kennzeichen und Rückfahrten nach Entfernung des Stempels dürfen mit ungestempelten Kennzeichen ausgeführt werden. Dabei müssen die Kennzeichen angebracht werden. Der kürzeste Weg ist zu nehmen; kein anderer Fahrtzweck darf verfolgt werden.


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