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05.04.2017, PP München


Motorrad fahren? Aber sicher!


Im Jahr 2016 waren im Zuständigkeitsbereich des PP München (Landeshauptstadt und Landkreis München) 984 motorisierte Zweiradfahrer an Unfällen (2015: 1.058) beteiligt, dabei wurden 852 Unfallbeteiligte verletzt (2015: 903) und zwei getötet (2015: 4).

Hier einige Tipps, wie Sie Unfälle vermeiden können.


Fähigkeiten nicht überschätzen - fair im Verkehr


Welcher Motorradfahrer kennt nicht das innere Kribbeln, wenn nach einem langen Winter die Temperaturen wieder einen Stand erreichen, bei denen man nicht mehr der Gefahr von Erfrierungen und Erkältungskrankheiten ausgesetzt ist, wenn Sonnenstrahlen und frisches Grün unwiderstehlich zum ersten Ausritt verlocken. Allzu leicht wird jedoch im Überschwang der Gefühle bei den ersten Fahrten übersehen, dass in den zurückliegenden Monaten möglicherweise die Fahrfertigkeiten gelitten haben und erst wieder vorsichtig trainiert und reaktiviert werden müssen. Dies gilt umso mehr, wenn der Erwerb des Motorradführerscheins schon länger zurückliegt und man nach einer längeren Zweiradpause erstmals wieder auf ein Motorrad aufsteigt.

Neben Fahrkönnen sind aber auch körperliche Fitness, die richtige mentale Einstellung und die sorgfältige Planung längerer Touren mit rechtzeitigen Fahrtunterbrechungen wichtige Garanten für eine auf Dauer unfallfreie Fahrt.

Speziell bei ausgedehnten Fahrten ist zu beachten, dass bei extremer Kälte oder Hitze die Konzentrationsfähigkeit erheblich nachlässt; regelmäßige und ausreichende Pausen werden hier noch wichtiger.

Die schmale Silhouette eines Motorradfahrers erschwert seine Erkennbarkeit.

Fahren Sie vorausschauend und rechnen Sie ständig mit einem Fehlverhalten der übrigen Verkehrsteilnehmer.

Versuchen Sie ständig, sich in die Situation der Anderen zu versetzen.


Herbst und Winter


Motorradfahrer müssen grundsätzlich mit Licht fahren. Wegen der Witterungsverhältnisse fahren ab Herbst bis zum Frühjahr auch die Führer anderer Kraftfahrzeuge häufig schon tagsüber mit Licht, spätestens jedoch mit der einsetzenden Dämmerung.
Jeder Motorradfahrer sollte vor jeder Fahrt seine Beleuchtung prüfen und durch auffallende Kleidung besonderen Wert auf seine Erkennbarkeit richten.

Motorradfahrer müssen sich durch eine noch vorausschauendere Fahrweise auf die veränderten Verhältnisse einstellen und damit rechnen, dass sie übersehen werden können.

Insbesondere beim Überholen, an Kreuzungen und Einmündungen oder bei stark frequentierten Ausfahrten ist besondere Vorsicht geboten.

Auch die veränderten Fahrbahnverhältnisse, wie Laub, nasse Fahrbahn, Reifglätte oder vereiste Stellen erfordern eine verringerte Geschwindigkeit, insbesondere in Waldstücken, auf Brücken oder vor anderen Gefahrenstellen.

Wichtige Hinweise über "Gefährliche Begegnungen" hat das Institut für Zweiradsicherheit der Deutschen Versicherungswirtschaft in der gleichnahmigen Broschüre veröffentlicht.


Auch für Motorradfahrer gelten die Vorschriften der Straßenverkehrsordnung!
Souveräne Biker halten sich an die Vorschriften!



Bremsen


In einer Notsituation das Motorrad optimal und sicher abzubremsen, ist weitaus schwieriger als bei einem Auto, da Vorder- und Hinterradbremse getrennt betätigt werden müssen. Auch wenn moderne Motorräder bereits mit ABS ausgerüstet sind, verhalten sich die verschiedenen angebotenen Systeme bei einer Gefahrenbremsung unterschiedlich. Vor allem, wenn Sie eine längere Pause vom Motorradfahren eingelegt haben, empfehlen wir unbedingt die Teilnahme an einem Fahrsicherheitstraining. Hier haben Sie die Möglichkeit, sich wieder an das Fahrzeug zu gewöhnen und Ausweich- und Bremsmanöver im Schonraum zu trainieren. Sie lernen, das Fahrzeug besser zu beherrschen, Gefahren frühzeitig zu erkennen und ihnen sicher zu begegnen.

Auch bei optimaler Bremsung verlängert sich der Anhalteweg (Reaktionsweg plus Bremsweg) schon bei einer geringen Geschwindigkeitssteigerung.

Dazu ein paar Zahlen zum besseren Verständnis:

An dem Punkt, an dem ein Krad aus einer Geschwindigkeit von 50 km/h bereits zum Stehen kommt, hat ein Fahrzeug, das 70 km/h schnell fährt, bei gleicher Reaktionszeit und Bremsverzögerung und gleichem Fahrbahnzustand noch eine Restgeschwindigkeit von mehr als 50 km/h.

Während der Anhalteweg bei 50 km/h und der vorgeschriebenen Mindestbremsverzögerung ca. 26 m lang ist, verlängert er sich bei einer um 20 km/h höheren Fahrgeschwindigkeit (plus 40 %) bereits auf ca. 43 m (plus 65 %!). Dieses Verhältnis wird bei höheren Fahrgeschwindigkeitsdifferenzen noch ungünstiger.


Die Naturgesetze lassen sich nicht überlisten!



Fahrbahn und Witterung


Motorradreifen sind auf glatter, schmieriger Fahrbahn und in Grenzsituationen schnell überfordert.


Gefahrenquellen können sein:

  • Verschlissene Fahrbahnbeläge
  • Fahrbahnmarkierungen
  • Schienen und Kanaldeckel
  • abgefräster Fahrbahnbelag im Bereich von Baustellen
  • Splitt und Streusand
  • Laub und Schmutz
  • Ölflecken
  • Nässe und Glätte, insbesondere in Waldstücken und auf Brücken

Zusätzlich droht bei Regen und Nässe (besonders in Spurrinnen) Aquaplaninggefahr.


Ständige Beobachtung der Fahrbahnoberfläche ermöglicht, sich rechtzeitig auf kritische Bedingungen einzustellen!

Achten Sie vor jedem Fahrtantritt auf den Zustand Ihrer Reifen!


  • Stimmt der Luftdruck noch?
  • Weisen die Reifen Beschädigungen (Risse, Fremdkörper) auf?
  • Sind die Reifen ungleichmäßig abgefahren? "Bremsplatten"?
  • Reicht die Profiltiefe noch aus (mindestens 1,6 mm; bei Mofas, Klein- und Leichtkrafträder mindestens 1 mm)?

Ansichtssache!?


Mehr als die Hälfte der Verkehrsunfälle mit Motorradfahrerbeteiligung wurden von anderen Verkehrsteilnehmern verursacht. Doch was hilft´s im Falle eines (Un)falles: Sie haben möglicherweise Recht, aber Sie haben auch keine Knautschzone und verletzen sich erheblich oder werden gar getötet!


Auslöser für kritische Situationen können sein:

  • Entfernung und Geschwindigkeit des Motorradfahrers werden wegen der schmalen Silhouette unterschätzt
  • Motorräder beschleunigen schneller und sind schwieriger abzubremsen als Autofahrer glauben.
  • In Kurven wird der Platzbedarf eines Bikers unterschätzt.


Schutzausrüstung


Motorradfahrer und Sozius müssen einen geeigneten Schutzhelm Tragen.


Geeignete Schutzhelme sind

  • amtlich genehmigte Schutzhelme die z.B. gemäß der ECE-Regelung Nr. 22 gebaut, geprüft und genehmigt sind
  • Kraftrad-Schutzhelme mit ausreichender Schutzwirkung, diese liegt bei Bauarbeiter- Feuerwehr- Radfahr- oder Stahlhelmen nicht vor.

Um seine Schutzfunktion voll erfüllen zu können, muss ein Helm

  • gut sitzen, ohne zu drücken
  • immer geschlossen werden
  • bei Beschädigungen oder nach einem Sturz ausgetauscht werden.

Ein klares, nicht verkratztes Visier und eine auffällige Farbe von Helm und Kleidung sorgen für ein gutes "Sehen und Gesehenwerden".

Motorradbekleidung soll aus abrieb- und reißfestem Material bestehen und so mögliche Sturz- und Unfallfolgen mindern. Protektoren erhöhen die Schutzwirkung. Auch bei kurzen Spritztouren gehören Handschuhe und Stiefel immer zur kompletten Schutzausrüstung!



Technische Änderungen


Motorräder laden zum Schrauben ein.

  • Lassen Sie die Finger davon, wenn Sie keine Sachkenntnis besitzen. Bringen Sie Ihr Fahrzeug lieber in die Werkstatt!
  • Verwenden Sie bei Reparaturen, Um- und Ausbauten nur zugelassene Teile!
  • Lassen Sie das Fahrzeug nach einem Umbau, falls dies vorgeschrieben ist, durch einen technischen Sachverständigen überprüfen!

Technische Änderungen ohne Genehmigung können zu einer Erhöhung des Unfallrisikos, dem Erlöschen der Betriebserlaubnis und zu empfindlichen Strafen führen. Außerdem setzen Sie Ihren Versicherungsschutz aufs Spiel.


Die Münchner Polizei wünscht allen Motorradfahrern und ihren Mitfahrerinnen und Mitfahrern auf dem Sozius eine sichere, unfallfreie Fahrt!


Linksammlung


 

 

 

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