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24.11.2016, PP München


„Gscheid radln – aufeinander achten!“ 2016 – Kampagne zur Erhöhung der Sicherheit rund um den Fahrradverkehr

"Gscheid radln – aufeinander achten!"

Im Vergleich zum Vorjahr (2014) ist die Anzahl der Radverkehrsunfälle in München 2015 leicht zurück gegangen, und zwar um 2,2 Prozent, von 2.598 (in 2014) auf knapp 2.542 (in 2015) Fälle. Noch deutlicher gesunken ist die Zahl der schwer verunglückten Radler, und zwar um 16,4 Prozent, von 270 auf 232 Fälle.



„Beinahe jeder zweite Schwerverletzte bei Verkehrsunfällen des letzten Jahres in München war als Fahrradfahrer unterwegs“, betont Polizeivizepräsident Werner Feiler.

Über die Hälfte der Verkehrsunfälle mit Beteiligung von Radfahrern wurden von den Radfahrern verursacht. Hauptsächlich missachteten sie dabei die Vorfahrt bzw. den Vorrang anderer Verkehrsteilnehmer oder fuhren als sog. Geisterradler entgegen der vorgeschriebenen Fahrtrichtung auf dem Radweg.

Häufig übersehen aber auch die Kraftfahrzeugführer beim Abbiegen oder beim Wenden die Radfahrer, nehmen ihnen an Kreuzungen oder Einmündungen die Vorfahrt oder öffnen die Fahrer- oder Beifahrertür, ohne auf von hinten kommende Radfahrer zu achten.

Ein weiteres Problem stellt der sog. Tote Winkel dar. Darunter versteht man den Bereich neben, hinter und vor einem Lkw, den der Fahrer weder durch Rundumblich, noch durch seine mittlerweile 7 vorgeschriebenen Rückspiegel einsehen kann. 2 Radfahrer verloren im vergangenen Jahr bei solchen Unfällen ihr Leben. In beiden Fällen bog der Lkw-Fahrer nach rechts ab und übersah dabei den ordnungsgemäß auf dem danebenliegenden Radweg in gleicher Richtung fahrenden Radfahrer.
Solche Unfälle sind letztlich nur durch entsprechendes Verhalten der Radfahrer zu vermei-den, indem sie die Gefahr des „Toten Winkels“ kennen und in entsprechenden Situationen damit rechnen, dass sie der Lkw-Fahrer nicht sehen kann, mit dem Fahrer Blickkontakt auf-nehmen und im Zweifelsfall lieber auf ihre Vorfahrt verzichten.
Im vergangenen Jahr haben wir zu diesem Thema einen Präventionsfilm mit dem Titel „Abbieger - Augenblick bitte!“ produziert, der auf unserer Homepage oder auf YouTube abrufbar ist.

Unsere Analyse ergibt außerdem, dass bei jedem sechsten Fahrradunfall der Radfahrer allei-ne beteiligt war. Besonders auffällig ist hierbei die Steigerung um 20 % bei Ursache Alkohol. Insbesondere bei alkoholbedingten Stürzen geht dies regelmäßig mit erheblichen Verletzungen einher


Kampagne „Gscheid radln – aufeinander achten!“ 2016
Zweiwöchige Schwerpunktaktion vom 18.-29.04.2016


Verkehrsunfälle haben in den allermeisten Fällen im falschen Verhalten eines oder mehrerer Beteiligter ihre eigentliche Ursache. Teilweise liegt auch riskantes und manchmal sogar bewusstes Fehlverhalten zu Grunde.

Zumindest während und nach unseren bisherigen Schwerpunktaktionen der vergangenen Jahre konnten wir positive Verhaltensänderungen – hin zu mehr Beachtung der Verkehrsregeln und mehr Rücksichtnahme – unter den Verkehrsteilnehmern feststellen. Dennoch ist eine weitere Verbesserung der Regelkonformität und des Miteinanders rund um den Radverkehr dringend erforderlich, denn jeder einzelne Verletzte im Straßenverkehr ist einer zu viel.

Mit einem ausgewogenen Anteil an Verkehrsaufklärung, Verkehrsüberwachung und Öffentlichkeitsarbeit wirken wir deshalb auf eine weitere Erhöhung der Verkehrssicherheit für alle Menschen im Ballungsraum München hin.
Die bewährte Kooperation mit der Landeshauptstadt München setzen wir auch heuer fort, um mit mehr Effektivität noch mehr Bürger zu erreichen und noch mehr Nachhaltigkeit zu erzielen.

Mit zunehmend warmem Wetter stehen natürlich Biergartenbesuche an. Hierbei bitten wir dringend Folgendes zu beachten: Nach wissenschaftlichen Erkenntnissen ist die Wahrscheinlichkeit zu verunglücken für Radfahrer bereits bei 0,8 Promille signifikant höher! Radfahrer machen sich bereits ab 0,3 Promille strafbar, wenn bei ihnen eine alkoholbedingte Fahrunsicherheit festgestellt wird oder sie einen Unfall verursachen. Ab 1,6 Promille wird das Rad fahren als Straftat verfolgt. Der Entzug der Fahrerlaubnis ist möglich. Der Umstieg vom Auto auf das Fahrrad ist nach Alkoholgenuss daher keine sinnvolle Alternative.

Die Münchner Polizei sagt eindeutig „ja“ zum freiwilligen Tragen des Fahrradhelms! Beim Mo-torrad- oder beim Skifahren haben sich Schutzhelme mittlerweile etabliert. In punkto Fahrradhelm besteht jedoch ein deutlicher Nachholbedarf.

Im Sinne unseres Slogans „Gscheid radln – aufeinander achten!“ setzen wir bei unserer zweiwöchigen Schwerpunktaktion vom 18.-29.04.2016 ganz bewusst auf ein gedeihliches Miteinander aller Verkehrsteilnehmer untereinander. Unsere Maßnahmen richten sich deshalb in gleichem Maße an Kfz-Führer, Fußgänger und Radfahrer.





Maßnahmen


So kommen im Rahmen unserer Verkehrsüberwachungsmaßnahmen bei Verstößen von Kfz-Führern beispielsweise die Benutzung von Mobiltelefonen, Fehler beim Abbiegen, das Parken auf Radwegen, das unvorsichtige Öffnen von Fahrzeugtüren oder die Missachtung von Rotlicht zur Ahndung. Damit sollen die Rahmenbedingungen für die Radfahrer verbessert und mehr Sicherheit für die Radfahrer erzielt werden.

Fußgänger werden beim unachtsamen oder ordnungswidrigen Überqueren der Fahrbahn oder dem widerrechtlichen Benutzen von Radwegen angesprochen oder beanstandet. Besondere Gefahren bestehen zudem in der Ablenkung durch Kopfhörer und Handy.

Auch bei Radfahrern legen wir unser Augenmerk insbesondere darauf, dass keine Handys bedient werden. Bei getragenen Kopfhörer werden wir ebenfalls auf die erheblichen Gefahren eingeschränkter Wahrnehmung hinweisen und bei lauterer Musik das ordnungswidrige Verhalten auch verwarnen. Zudem werden wir auf unerlaubtes Gehwegradln, sowie die korrekte Radwegbenutzung achten, da „Geisterradln“ oft folgenschwere Unfälle verursacht. „Rotlichtsünder“ stehen ebenfalls im Fokus der Kontrollen.


Zudem wird die Münchner Polizei u.a.

mit dem Flyer „Augenblick bitte!“ Autofahrer daran erinnern beim Rechtsabbiegen Blickkontakt mit Radfahrern aufzunehmen,

mit dem Flyer und Aufkleber „Geisterradler gefährden!“ auf die mit diesem häufigen Fehlverhalten einhergehenden Risiken hinweisen,

mit einer Checkliste die vollständige Ausrüstung von Fahrrädern kontrollieren und

mit „Roten Karten“, eine für Radfahrer, die andere für Kfz-Führer und Fußgänger auf gefahrenträchtige Verstöße und deren Rechtsfolgen hinweisen und einen Anstoß zum sicheren Verhalten im Straßenverkehr geben,

mit Infoständen an Örtlichkeiten besonders schwerer Unfälle und bei Veranstaltungen der Landeshauptstadt München präsent sein.

Zusätzlich veranschaulichen wir in unseren Videospots der Filmreihe „Obacht gebn – sicher ans Ziel!“ Gefahrensituationen und Empfehlungen, welche auf unserer Facebook-Seite und über YouTube abrufbar sind.




Bewährte Kooperation mit der Stadt München


Weitere Links

Die bewährte Kooperation mit der Landeshauptstadt München setzen wir auch heuer fort, um mit mehr Effektivität noch mehr Bürger zu erreichen und noch mehr Nachhaltigkeit zu erzielen.




Polizeivizepräsident Werner Feiler: „Den wichtigsten Beitrag für mehr Sicherheit im Straßenverkehr können alle Verkehrsteilnehmer, damit auch die Radfahrer, mit der Beachtung der Verkehrsregeln und einem stets rücksichtsvollen Verhalten immer selbst leisten. Mit einer zusätzlichen freundlichen Geste oder einem Lächeln machen Sie den Straßenverkehr harmonischer und damit sicherer. Probieren Sie es noch heute aus!“


Downloads


Ergebnis der Schwerpunktaktion vom 18.-29.04.2016


„Weniger Radlunfälle, weniger Verletzte und 15 Fahrraddiebe!“


Im Zeitraum vom 18.-29.04.2016 führte das Polizeipräsidium München in Kooperation mit der Landeshauptstadt München im Rahmen der Kampagne „Gscheid radln – aufeinander achten!“ eine zweiwöchige Schwerpunktaktion zur Erhöhung der Sicherheit rund um den Radverkehr durch. Unter dem Gesamtmotto „Miteinander“ wurden Radfahrer, Kfz-Führer und Fußgänger gleichermaßen in die Kontroll- u. Aufklärungsmaßnahmen einbezogen.

Während des Aktionszeitraums reduzierte sich die Anzahl der Verkehrsunfälle mit Beteiligung von Radfahrern im Bereich des Stadtgebiets München um 60 % von 102 auf 41 gegenüber dem Vergleichszeit-raum des Vorjahres. Auch bei der Anzahl der verletzten Radfahrer lässt sich ein Rückgang um 62 % von 87 auf 33 verzeichnen. Mitursächlich für den Rückgang sind sicher auch die teilweise widrigen Witterungsverhältnisse mit einem reduzierten Radverkehrsanteil.

Die polizeilichen Maßnahmen konzentrierten sich insbesondere auf Örtlichkeiten, an denen sich die Verkehrsströme von Radfahrern, Kfz-Führern sowie Fußgängern kreuzen und dies zu Konflikten und gefährlichen Situationen führen kann. Häufig waren auch uniformierte Fahrradstreifen im Einsatz.

Bei Kfz-Führern wurde ein besonderes Augenmerk auf die häufigste Unfallursache – das vorschrifts-widrige Abbiegen – gelegt, sowie das Parken auf Rad- oder Gehwegen beanstandet. Bei Fußgängern musste in vielen Fällen das verbotene Beschreiten von Radwegen und das regelwidrige Überschreiten der Fahrbahn beanstandet werden.

Bei den Fahrradfahrern wurde häufig das sogenannte „Geisterradln“, also das Fahrern entgegen der vorgeschriebenen Fahrtrichtung, festgestellt. Auch die vorschriftswidrige Ausrüstung bzw. Beleuchtung, das Radln auf Gehwegen, die Handybenutzung sowie Rotlichtverstöße wurden beanstandet.


In den beiden Wochen mussten

- 2.791 Kfz-Führer
- 826 Fußgänger und
- 4.676 Radfahrer

wegen ihres falschen Verhaltens im Straßenverkehr beanstandet werden (einschließlich gebührenfreier Verwarnungen). Die Verkehrsteilnehmer zeigten sich insgesamt einsichtig und äußerten ganz überwiegend Verständnis für die Kontrollen bzw. begrüßten diese ausdrücklich. Dies besonders, nachdem ihnen die möglichen – oft gravierenden – Unfallfolgen ihres Fehlverhaltens für sich selbst und andere erläutert wurden. Vielfach sprachen sich die Verkehrsteilnehmer für mehr polizeiliche Kontrollen im Straßenverkehr aus.
Einzelne zeigten allerdings keine Einsicht in Bezug auf ihr gefahrenträchtiges Verhalten im Straßenverkehr – bei drei „Unbelehrbaren“ ist deshalb eine Vorladung zum Verkehrsunterricht vorgesehen.

Bei einer Verkehrskontrolle wurden in einem Transporter sieben Fahrräder festgestellt. Der Fahrer und sein Mitfahrer machten unglaubwürdige Angaben über deren Herkunft. Die weiteren Ermittlungen ergaben, dass die Fahrräder einfach vor einem Anwesen „aufgeladen“ wurden. Die Fahrräder waren dort offenbar unversperrt abgestellt gewesen. Die Fahrräder wurden sichergestellt und den Berechtigten übergeben, gegen den Fahrer und seinen Beifahrer wurde Strafanzeige erstattet.

Im Rahmen unserer Kontrollen konnten insgesamt 15 Fahrraddiebe festgestellt und angezeigt wer-den. Die zuvor entwendeten Fahrräder wurden sichergestellt und den rechtmäßigen Besitzern zurück-gegeben.

Sieben Radfahrern blüht wegen des Fahrens unter Alkoholeinfluss ebenfalls ein Strafverfahren; ein Radfahrer musste angezeigt werden, weil er unter dem Einfluss von Drogen geradelt waren.

Während der Sommermonate werden die polizeilichen Kontroll- und Aufklärungsmaßnahmen im Rahmen des täglichen Streifendienstes fortgeführt. Wer sich nicht an Verkehrsvorschriften hält und somit eine Gefahr für sich selbst und andere darstellt, muss also weiterhin mit einer Beanstandung durch Polizeibeamte rechnen.


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