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19.09.2014, PP München


Kampagne "Gscheid radln!" zur Reduzierung von Verkehrsunfällen mit Beteiligung von Radfahrern 2011

Gscheid radln

Im Jahr 2010 ereigneten sich im Gesamtbereich des Polizeipräsidiums München insgesamt 2.457 Verkehrsunfälle mit Beteiligung von Radfahrern. Dies entspricht einem Rückgang von 11,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Bei den Unfällen wurden jedoch noch immer 2.328 Personen verletzt und 4 getötet.

56 Prozent aller Unfälle wurden durch Radfahrer selbst verursacht. Damit sind über die Hälfte der Unfälle mit Beteiligung von Radfahrern auf deren Fehlverhalten zurückzuführen.


Schwerpunktaktion 2010


Mitte Juli 2010 wurde auf eine zuvor festgestellte starke Zunahme der Unfälle mit Beteiligung von Radfahrern in Form eines vierwöchigen Schwerpunkteinsatzes mit vermehrten Kontrollen reagiert.

Im Rahmen der erfolgreich verlaufenen Kontrollaktionen wurden über 3.000 Radfahrer angehalten, wobei in mehr als 1.300 Fällen ein Verwarnungsgeld (z.B. wegen Benutzung des Radweges entgegen der Fahrtrichtung, Benutzung eines Mobiltelefons etc.) erhoben und in knapp 1.000 Fällen eine Ordnungswidrigkeitenanzeige wegen Missachtung des Rotlichts erstellt wurde.

Im Zeitraum der Aktion und der Folgemonate lag der Rückgang der Unfallzahlen höher als im Jahresmittel, was den Erfolg der Aktion dokumentiert.


Kampagne 2011: „Gscheid radln!“


Im Zeitraum von Januar bis April 2011 stiegen die Unfallzahlen im Vergleich zum Vorjahr um 34,6 Prozent an. Obwohl sich hier aufgrund des jahreszeitbedingt insgesamt geringeren Aufkommens an Fahrradverkehr Unterschiede hinsichtlich der Witterung stark bemerkbar machen, untermauert diese Steigerung die Notwendigkeit einer fortgesetzten konzeptionellen Vorgehensweise seitens der Polizei.

Nach wie vor werden über die Hälfte der Unfälle durch Fehlverhalten von Radfahrern verur-sacht.

Mit einer anteilmäßig ausgewogenen Verbindung von Repression, Prävention und einsatzbe-gleitender Öffentlichkeitsarbeit soll anhand der diesjährigen Kampagne nachhaltig die Verkehrssicherheit erhöht und eine weitere Veränderung von Verhaltensmustern bei Radfahrern erreicht werden.

Mittels vermehrter gezielter Kontrollen durch Streifenbeamte und des zusätzlichen Einsatzes von Unterstützungskräften der Bereitschaftspolizei soll einerseits ein erhöhter Anteil der begangenen Verstöße festgestellt und geahndet werden, andererseits soll der einzelne Radfahrer durch die Wahrnehmung der verstärkten Überwachung zu regelkonformem Verhalten bewegt werden.

Der durchgängige Slogan der Gesamtaktion lautet „Gscheid radln!“. Buttons mit Logo und Slo-gan werden im Rahmen von Kontrollen verteilt. Ein Flyer stellt die Inhalte der Kampagne vor. Mehrere Schwerpunktaktionen sind geplant. Die Dauer der Aktionen beträgt jeweils ca. 3 Wo-chen.


Aktion „Rotlicht“


Das Auftaktthema ab 23.05.2011 lautet „Rotlicht“. Am 15.07.2011 beginnt im Rahmen der „Nacht der Prävention“ im Dienstgebäude Ettstraße die 2. Aktion unter dem Motto „Miteinander“.

Als Begleitmaterial der Aktion „Rotlicht“ dient eine „Grüne Karte“, die sowohl an regelwidrig als auch an regelkonform handelnde Radfahrer ausgehändigt wird.

Die Missachtung von „Rotlichtern“ ist als eine der „10 Todsünden“ häufig Ursache von Unfällen mit Radfahrer-Beteiligung. Zur Verbesserung des Verhaltens von Radfahrern im Verkehr und somit zur Reduzierung von Unfallursachen geben wir folgende Empfehlungen:


Empfehlungen zur Unfallverhütung

  • Fahren Sie nur mit einem verkehrssicheren Fahrrad, vor allem mit funktionierenden Bremsen und vorschriftsmäßiger Beleuchtung
  • Fahren Sie rechtzeitig mit Licht, damit sie besser erkannt werden
  • Tragen Sie auffällige Kleidung, am besten mit reflektierendem Material
  • Fahren Sie immer mit Fahrradhelm
  • Vergessen Sie nicht, dass das Handy-Verbot auch für Radfahrer gilt
  • Fahren Sie stets nüchtern – bereits ab 0,3 Promille können Sie sich strafbar machen
  • Benutzen Sie immer Radwege oder die für Radfahrer vorgesehenen Verkehrsführungen und ausschließlich in der vorgegebenen Richtung
  • Bleiben Sie an Ampeln mit Rotlicht immer vorbildlich stehen
  • Fahren Sie vorausschauend
  • Zeigen Sie rechtzeitig mit Handzeichen an, wohin Sie fahren möchten
  • Nehmen Sie Rücksicht auf Kinder, Behinderte und ältere Mitbürger

Bedenken Sie:

Andere Verkehrsteilnehmer nehmen Sie oft nur schwer wahr. Rechnen Sie mit Fehlern anderer, denn bei Unfällen mit Kraftfahrzeugen ziehen Sie immer den Kürzeren. Neben der Beachtung der Verkehrsvorschriften durch Radfahrer fordert die Straßenverkehrsordnung von allen Verkehrsteilnehmern ständige Vorsicht und gegenseitige Rücksichtnahme.“


Ergebnis der Aktion „Rotlicht“


Im Zeitraum vom 23.05. bis 12.06.2011 führte das PP München die 1. Aktion der Kampagne „Gscheid radln!“ 2011 durch. Das Thema lautete „Rotlicht“. Im Verlauf der Aktion wurden Radfahrer insbesondere an Ampeln verstärkt Kontrollen unterzogen.

Das Ziel bestand darin, durch einen ausgewogenen Anteil an Prävention, Repression und einsatzbegleitender Öffentlichkeitsarbeit ein grundlegendes Bewusstseins dafür zu schaffen, dass die Nutzung des ökologisch sinnvollen und somit zukunftsträchtigen Verkehrsmittels Fahrrad allein nicht ausreichend ist, sondern diese vielmehr mit der Einhaltung von Regeln einherzugehen hat.

Zusätzlich zur erhöhten Kontrolltätigkeit im täglichen Streifendienst wurden 9 Schwerpunktkontrollen mit Unterstützungskräften der Bereitschaftspolizei und 14 Schwerpunkte der Einsatzhundertschaften des PP München, der örtlichen Polizeiinspektionen sowie der Verkehrspolizei durchgeführt.


12.500 Fahrradfahrer wurden im Rahmen der Aktion kontrolliert
7.539 wurden beanstandet (einschließlich verkehrserzieherischer Gespräche mit strafunmündigen Kindern)
5.045 wurden gebührenpflichtig verwarnt
2.308 wurden angezeigt, davon
- 2.106 wegen Missachtung des Rotlichts
8 wurden aufgrund erheblicher Uneinsichtigkeit und entsprechend gefährdendem Verhalten zum Verkehrsunterricht vorgeschlagen

Die meist geahndeten Verstöße waren:

  • Missachtung des Rotlichts
  • Fahren entgegen der vorgeschriebenen Fahrtrichtung („Geisterradln“)
  • Fahren auf Gehweg
  • Nebeneinander fahren
  • Verbotswidrige Handybenutzung
  • Beeinträchtigung des Gehörs (MP3-Player etc.)
  • Fehlende/mangelhafte Beleuchtung

Neben der Anzeige eines Radfahrers wegen Trunkenheit im Verkehr (2,7 Promille) konnten im Zusammenhang mit den ganzheitlich durchgeführten Kontrollen 4 Festnahmen wegen Fahrraddiebstahls und 1 wegen Betäubungsmittelbesitzes getätigt werden.

Bei den Kontrollen kam es auch zur Beanstandung von Kraftfahrzeugführern, beispielsweise aufgrund von Fehlern beim Abbiegen und Parken auf Radwegen.

Mit allen Angehaltenen wurde ein Aufklärungsgespräch geführt. Zusätzlich wurden Flyer, Buttons und „Grüne Karten“ ausgehändigt. Die Radfahrer nahmen die Kontrollmaßnahmen überwiegend positiv auf und bestätigten deren Notwendigkeit. Mehrfach wurden die Beamten gebeten, die Kontrolltätigkeit noch zu erhöhen und es wurden seitens der Bürger weitere Örtlichkeiten vorgeschlagen.

Ein Großteil der zunächst weniger einsichtigen Radler zeigte nach dem Aufklärungsgespräch hinsichtlich der oft gravierenden Unfallfolgen nach verkehrswidrigem Verhalten Verständnis.

Während die Verkehrsunfallzahlen von Januar bis April 2011 im Vergleich zum Vorjahr um 34,6 Prozent auf 583 (2010: 433) anstiegen und sich die Zahl der Verletzten gar um 38,5 Prozent auf 547 (2010: 395) erhöhte, konnte für den Zeitraum der Aktion „Rotlicht“ im Vergleich zum Vorjahr ein Rückgang der Unfälle um 39,8 Prozent festgestellt werden (133 Unfälle gegenüber 221 im Jahr 2010). Die Verletztenzahlen reduzierten sich um 39 Prozent auf 133 (2010: 218).

Ferner untermauert wird der große Erfolg der Aktion durch den Rückgang der Anzahl der Radfahrer, die ihren Unfall selbst verursachten. Diese lag von Januar bis April bei 53,3 Prozent, während der Aktion hingegen bei 49,6 Prozent – jeweils im Vergleich zu den entsprechenden Vorjahreswerten.


Aktion „Miteinander“


Beginn der 2. dreiwöchigen Aktion mit dem Thema „Miteinander“ ist am 15.07.2011 im Rahmen der „Nacht der Prävention“ im Dienstgebäude Ettstraße. Unter verstärkter Einbeziehung von Kfz-Führern in die Kontrollmaßnahmen erfolgt die Hervorhebung folgender 5 Inhalte:


  • Erkennbarkeit
  • Augenkontakt (nicht auf Vorrang bestehen)
  • Vorausschauendes Fahren
  • Toter Winkel
  • Handzeichen

Den Herausforderungen im Zusammenhang mit den Entwicklungen auf dem Mobilitätssektor kann nur mittels eines gesamtgesellschaftlichen Ansatzes erfolgreich begegnet werden. Die Umgestaltung von Verkehrsräumen (bspw. „Green City“) und die dadurch forcierte Veränderung des „Modal Splits“ (Verkehrsmittelwahl) machen eine Harmonisierung des Miteinanders – also der „Fahrradkultur“ – unabdingbar.

Mit Ende der Schwerpunktkontrollen der 1. Aktion wird weiterhin im Rahmen des täglichen Dienstes ein besonderes Augenmerk auf das Verkehrsverhalten der Radfahrer und der Autofahrer gelegt.


Ergebnis Aktion "Miteinander"


Im Zeitraum vom 18.07. bis 07.08.2011 führte das PP München die zweite dreiwöchige Aktion der Kampagne „Gscheid radln!“ durch. Nach der erfolgreichen Aktion „Rotlicht“ im Mai/Juni 2011 lautete das Thema diesmal „Miteinander“. Inhalt war die verstärkte Einbeziehung von Fußgängern und Kfz-Führern in die Kontroll- und Aufklärungsmaßnahmen.

Das Ziel bestand in der Senkung der hohen Verkehrsunfallzahlen in Bezug auf Radlfahrer. Durch die Aktion „Rotlicht“ war dies bereits geglückt. Seinerzeit konnten die Anzahl der Unfälle um 39,8 Prozent verringert werden. Um diesen Erfolg wiederholen zu können und insbesondere Radlunfälle dauerhaft zu reduzieren, wurde bei der Aktion „Miteinander“ auf die Förderung des harmonischen Umgangs und der gegenseitigen Rücksichtnahme untereinander gesetzt. Anstelle der teilweise beharrlichen Verharmlosung von unfallursächlichen Regelverstößen durch Verkehrssünder soll Einsicht und letztlich die Vermeidung von Normverletzungen rücken.

Im Rahmen der Aktion waren neben eingesetzten Unterstützungskräften der Bereitschaftspolizei (15 Schwerpunktkontrollen) auch Beamte der Einsatzhundertschaften und Streifenbeamte der örtlichen Polizeiinspektionen sowie der Verkehrspolizei des PP München – auch auf Dienstfahrrädern – tätig.

Beamte der Polizeiinspektion Verkehrserziehung und -aufklärung betrieben an stark frequentierten Örtlichkeiten Infostände in Bezug auf die Kampagne. Kontrolliert wurde an Stellen, an denen sich der Fahrradverkehr häuft.


Die Maßnahmen zur Unfallverhütung in Zahlen:

  • 19.700 Angehaltene Verkehrsteilnehmer
  • 7.877 Beanstandungen von Radfahrern (einschl. gebührenfreier Verwarnungen)
  • 4.168 Beanstandungen von Kfz-Führern (einschl. gebührenfreier Verwarnungen)
  • 1.089 Beanstandungen von Fußgängern (einschl. gebührenfreier Verwarnungen)
  • 10 Vorladungen zum Verkehrsunterricht

Häufig geahndete Verstöße:


Radfahrer

- Fehlende/mangelhafte Beleuchtung
- Fahren auf Gehweg
- Fahren in nicht zugelassener Richtung („Geisterradln“)
- Missachtung des Rotlichts
- Verbotswidrig Handy oder MP3-Player benutzt

Fußgänger

- Missachtung des Rotlichts
- Verbotswidrig Radweg benutzt
- Fahrbahn nicht vorschriftsmäßig überquert

Kfz-Führer

- Fehler beim Abbiegen
- Missachtung des Rotlichts
- Parken auf Radwegen
- Verbotswidrig Handy benutzt

Erschreckend viele Radler waren ohne Helm unterwegs. Einem Gespann aus Fahrrad und Kettcar wurde die Weiterfahrt untersagt. Mehrere Fahrradfahrer versuchten sich der Kontrolle zu entziehen. In einem Fall kam es in diesem Zusammenhang zu einer Widerstandshandlung gegen Vollstreckungsbeamte. Ein Radfahrer war den Beamten innerhalb weniger Wochen gleich mehrfach bei der Missachtung des Rotlichts aufgefallen. Da er angegeben hatte, sich aufgrund der Unsinnigkeit von Ampeln und Verkehrsregeln auch weiterhin nicht daran halten zu wollen, wurde sein Fahrrad sichergestellt und ihm erst wieder ausgehändigt, nachdem er zugesichert hatte, sich zukünftig doch an die Vorschriften zu halten.

Der ganzheitliche Kontrollansatz führte zur Festnahme von 4 Fahrraddieben und einer weiteren Festnahme wegen Betäubungsmittelbesitzes. Zudem wurde ein Pkw-Führer wegen Kennzeichenmissbrauchs, ein anderer wegen eines Verstoßes nach dem Waffengesetz angezeigt.

Mit den Angehaltenen wurden Aufklärungsgespräche geführt. Zusätzlich kamen Flyer, Buttons und reflektierende Leuchtbänder zur Verteilung. Die Verkehrsteilnehmer zeigten sich weitgehend einsichtig hinsichtlich der Kontrollmaßnahmen, besonders nach dem Aufzeigen der oft gravierenden Unfallfolgen. Deshalb reichte in einer Vielzahl von Fällen eine gebührenfreie Verwarnung aus, um die Verkehrsteilnehmer zu einem regelkonformen und somit sichereren Verhalten zu bewegen. Wie schon bei der Aktion Rotlicht drangen Bürger sogar auf eine Ausweitung der Überwachungsmaßnahmen und schlugen konkrete Örtlichkeiten vor.
Der Umstand, dass leider auch wieder uneinsichtige Verkehrsteilnehmer angehalten wurden, unterstreicht die Notwendigkeit einer konsequenten Verkehrsüberwachung sowie einer umfassenden Präventionsarbeit.
Einige der beanstandeten Personen gaben an, die Kontrollen zwar grundsätzlich für notwendig zu erachten, äußerten jedoch gleichzeitig Unverständnis darüber, dass gerade sie beanstandet wurden. 10 gänzlich uneinsichtige Verkehrsteilnehmer erhalten eine Vorladung zum Verkehrsunterricht.

Während die Verkehrsunfallzahlen im 1. Halbjahr 2011 im Vergleich zum Vorjahr noch um 33 Prozent angestiegen waren und sich die Zahl der Verletzten gar um 37,4 Prozent erhöht hatte, konnte für den Zeitraum der Aktion „Miteinander“ sogar ein Rückgang der Unfälle, und zwar um 43,9 Prozent festgestellt werden (124 Unfälle gegenüber 221 im Jahr 2010). Dabei reduzierte sich die Anzahl der Verletzten um 45,2 Prozent auf 109 (2010: 199). Nach wie vor wurde über die Hälfte der Unfälle (54,8 Prozent) durch ein Fehlverhalten der Radfahrer verursacht. Allerdings ist bei der Gesamtbewertung dieser Unfallzahlen auch das vergleichsweise schlechtere Sommerwetter mit zu berücksichtigen.

Auch nach dem Ende der Schwerpunktkontrollen der 2. Aktion wird das Polizeipräsidium München im Rahmen des täglichen Dienstes ein Augenmerk auf das Verhalten der Verkehrsteilnehmer untereinander legen. Verkehrsteilnehmer, die sich nicht an die geltenden Vorschriften halten, müssen deshalb jederzeit damit rechnen, dass Sie von Polizeibeamten beanstandet werden.


Die Münchner Polizei wünscht allen „Verkehrspartnern“ eine unfallfreie Verkehrsteilnahme und bittet um gegenseitige Umsicht, Vorsicht und Rücksicht!


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