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15.03.2010, PP München


Wiesnreport vom 24.09.2006

Inhalt:

1637. Halbzeitbilanz der Wiesn 2006

1638. Renitenten Maßkrugdieb festgenommen

1639. Zwei Standl-Aufbrecher festgenommen

1640. Maßkrugschlägerei in Festzelt

1641. Vier professionelle Taschendiebe festgenommen

1642. Nackter Brite hinter Festzelt aufgegriffen

1643. Wiesn-Besucher rastet aus und verletzt mehrere Personen


1637. Halbzeitbilanz der Wiesn 2006
Die Wiesn 2006 zeigte bisher einen ruhigen und unspektakulären Verlauf. Die Einsatzzahlen gingen mit 820 Einsätzen im Vergleich zum Jahr 2005 (893 Einsätze) zurück. Erwartungsgemäß brachte das sogenannte Italienerwochenende den eingesetzten Beamten viel Arbeit. Bei Bilderbuchwetter besuchten alleine am gestrigen Samstag ca. 500.000 Menschen das Oktoberfest, Zelte und Biergärten mussten bereits ab Mittag wegen Überfüllung geschlossen werden. Auch an den Fahrgeschäften bildeten sich lange Schlangen. Die Beamten der Wiesn-Wache rückten allein an diesem arbeitsintensivsten Tag zu 211 Einsätzen aus.

Wiesn-Wachleiter Gerhard Bayer ist mit der bisherigen Entwicklung auf der Wiesn zufrieden: „Es haben sich noch keine Brennpunkte ergeben, die uns Sorgen bereiten würden. Das größte Volksfest der Welt stellt natürlich in allen Bereichen besonders hohe Anforderungen an die Polizei. Unser Einsatzkonzept ist aber genau darauf abgestimmt.“ Für die ca. 350 eingesetzten Beamten heißt es deshalb auch dieses Jahr: „Business as usual.“

Die Gesamtzahl der bekannt gewordenen Straftaten liegt mit 724 Delikten um 8,55 Prozent über denen des Vorjahres (667 Taten). Bei den Raubstraftaten verzeichneten wir mit fünf angezeigten Fällen vier weniger als im Vorjahr.

Die Vergewaltigungen auf dem Oktoberfest blieben mit einem angezeigten Fall auf dem gleichen niedrigen Niveau wie letztes Jahr. Daneben wurden sechs sonstige Sexualstraftaten (2005: 9) gemeldet. Es handelt sich dabei um immer wiederkehrende Motivlagen wie Busengrabscher oder Beleidigungen mit sexuellem Hintergrund.
Bei den Körperverletzungsdelikten ist eine Steigerung von 10,5 % (2005: 124 zu 2006: 137) zu verzeichnen. Davon fallen 65 Fälle auf gefährliche Körperverletzungen (2005: 53), was einer Zunahme von 22,6 % entspricht. In 25 Fällen wurden Körperverletzungen mittels Maßkrug begangen (2005: 18 Fälle). Bei den Freiheitsentziehungen kam es zu einem Rückgang um 14 %, wurden 2005 noch 387 Personen vorübergehend fest- oder in Gewahrsam genommen, waren es dieses Jahr bislang 333.

Die Taschendiebfahnder erhielten für die 18 Wiesntage Unterstützung von besonders geschulten Beamten der Bundespolizei und der Berliner Polizei. Diese zivile Einsatzgruppe hat sich wieder einmal als sehr schlagkräftig bei der Bekämpfung des professionellen Taschendiebstahls erwiesen. Bereits 23 Taschendiebe wurden festgenommen, davon 18 auf frischer Tat durch die Taschendiebfahndung. Darunter befindet sich auch eine hochkarätige vierköpfige Diebesbande aus der Slowakischen Republik und eine dreiköpfige Bande aus Polen, gegen die Haftbefehl erlassen wurde. Wie viele Delikte diesen Tätern jeweils zuzuordnen sind, ist noch offen. Teilweise waren die festgenommenen Taschendiebe bereits in der Vergangenheit auf dem Oktoberfest auffällig geworden. Nach dem derzeitigen Verlauf ist beim Taschendiebstahl ein Rückgang von neun Fällen in den ersten acht Tagen gegenüber dem Vorjahr festzustellen. Waren es 2005 noch 201 Anzeigen, verzeichneten wir dieses Jahr bisher 192 Fälle.

Die Überwachung der Wiesn mittels Videotechnik ist für die Münchner Polizei nicht mehr wegzudenken. Auch heuer waren viele Festnahmeerfolge auf den Einsatz der 12 Videokameras, die an strategisch wichtigen Punkten auf dem Festgelände installiert sind, zurückzuführen. Insbesondere bei der Feststellung von verdächtigen Gegenständen, wie z.B. abgestellten Taschen oder Koffern, und bei der Beobachtung von auffälligen Personen leistet diese Technik ausgezeichnete Arbeit. Die Einsatzkräfte an den Monitoren können die Kameras gezielt steuern und effektiv einsetzen. Eingegangene Notrufe können in vielen Fällen visuell überprüft werden, so dass sich die Mitarbeiter der Einsatzzentrale ein Bild von der Situation vor Ort machen und entsprechend reagieren können. Bislang konnten 33 Personen aufgrund der Videoüberwachung festgenommen werden, davon allein 13 Rauschgiftkonsumenten und Kleindealer. Daneben profitierten die Taschendiebfahnder von den Hinweisen der Videobeobachter im Einsatzstab, fünf Diebstähle gehen auf konkrete Hinweise dieser Beamten zurück.

Auch in diesem Jahr unterstützten vier Beamte und eine Beamtin der „Polizia di Stato“ die Wiesn-Wache. Die Beamten aus Südtirol wurden in unsere Einsatztrupps integriert und halfen den Münchner Beamten bei Einsätzen mit italienischen Besuchern. Sie fungierten dabei als Dolmetscher und Helfer in besonderen Lebenslagen. Allein das Erscheinen der „Polizia di Stato“ wirkte bei manchen aufgebrachten Landsmann als deeskalierend.

Bislang wurden bei den Einsätzen 13 Beamte leicht verletzt. Eine Polizeimeisterin war am ersten Wochenende von einer renitenten Frau in den Oberschenkel gebissen worden. In den anderen Fällen traten oder schlugen Festgenommene auf die Beamten ein. Bei allen Widerstandshandlungen blieben die Einsatzkräfte dienstfähig, bei den Verletzungen handelte es sich überwiegend um Aufschürfungen oder Prellungen.



Polizeiliche Tätigkeiten/Einsätze(1. bis 8. Tag) 2006 2005
Gesamt 820 893
Festnahmen 333 387


Der bislang kurioseste Fall ereignete sich am ersten Wiesn-Wochenende:

Ein 29-Jähriger aus dem oberbayerischen Saulgrub feierte mit seiner Trachtengruppe nach dem Wiesn-Einzug in einem Bierzelt. Dort entwendete ein zunächst Unbekannter dem Musiker dessen Tuba im Wert von ca. 5.000 €. Völlig aufgelöst erstattete der 29-Jährige noch am gleichen Tag bei der Wiesn-Wache Anzeige gegen Unbekannt.
Trotz intensiver Ermittlungen blieb der Fall zunächst ungeklärt. Die entscheidende Wende brachte der vergangene Freitag. Drei Kriminalbeamte des PP München waren gegen 07.00 Uhr auf der Fahrt in die Arbeit, als sie in der S-Bahn ein Gespräch mithörten. Ein 17-Jähriger aus München prahlte gegenüber seinem Mitfahrer, „dass sein Freund am vergangenen Sonntag eine Tuba auf der Wiesn geklaut habe und er diese nun im Internet verhökern wolle“. Die Beamten schalteten sich nun in das Gespräch ein und stellten die Personalien des jungen Mannes fest. Die sachbearbeitende Kriminaldienststelle Kommissariat 431 konnte nach intensiven Ermittlungen - der Freund behauptete, nur den Vornamen des Diebes zu kennen - noch am gleichen Tag einen 17-Jährigen als Täter identifizieren und das wertvolle Blasinstrument bei der ahnungslosen Mutter eines weiteren Bekannten sicherstellen. Diese hatte die Tuba im guten Glauben für den Täter in Verwahrung genommen.
Der 17-Jährige war bei seiner Vernehmung geständig. Er gab an, zur Tatzeit betrunken gewesen zu sein. Beim Verlassen des Zeltes hatte ihm der Ordnungsdienst - offensichtlich im Glauben, er sei der rechtmäßige Eigentümer des Instrumentes - noch freie Bahn geschaffen.
Sein 17-Jähriger Freund wurde wegen versuchter Strafvereitlung angezeigt, da sich herausstellte, dass ihm die Identität des Diebes - entgegen seiner Beteuerung- sehr wohl bekannt war.
Heute Mittag, also genau eine Woche nach der Tat, konnten Beamte der Wiesn-Wache dem überglücklichen Musiker seine Tuba zurückgeben.




Verkehrshalbzeitbilanz 2006



1638. Renitenten Maßkrugdieb festgenommen
Zwei Ordner eines Sicherheitsdienstes beobachteten einen 19-jährigen Österreicher am Freitag, den 22.09.2006, um 21.30 Uhr, dabei, als er das Oktoberfestgelände mit zwei gestohlenen Maßkrügen verlassen wollte. Als die Ordner den Schüler festhalten wollten, kam es zu einem Handgemenge, bei dem sich einer der Ordner am rechten Ellenbogen verletzte. Letztendlich konnten die beiden Sicherheitskräfte den Österreicher festhalten und der Wiesn-Wache übergeben. Der renitente Maßkrugdieb musste dort 400 Euro als Sicherheitsleistung zahlen.


1639. Zwei Standl-Aufbrecher festgenommen
Ebenfalls bereits am Freitag, den 22.09.2006, gegen 03.20 Uhr, wurden drei Personen vom Sicherheitsdienst dabei beobachtet, wie sie einen Stand mit Plüschtieren in der Wirtsbudenstraße aufrissen und versuchten, aus dem Inneren verschiedene Tiere zu entwenden. Als die Männer bemerkten, dass sie beobachtet wurden, ergriffen sie sofort die Flucht. Im Rahmen der Sofortfahndung konnten Polizeibeamte der Wiesn-Wache einen 21-jährigen Türken und einen 26-jährigen Deutschen allerdings noch auf dem Festgelände dingfest machen. Einen dritten Täter (ca. 25 Jahre alt, Glatze, bekleidet mit einer olivgrünen Bomberjacke) gelang die Flucht. Da die Festgenommenen unter Alkoholeinfluss standen, wurde eine Blutentnahme veranlasst. Nach Anzeigenerstattung wurden sie wieder entlassen. Nach dem dritten Täter wird gefahndet.


1640. Maßkrugschlägerei in Festzelt
Völlig unmotiviert nahm am Freitag, den 22.09.2006, um 22.50 Uhr, ein 35-jähriger Pole aus München in einem Biergarten eines Festzeltes einen Maßkrug und schlug diesen auf den Kopf eines 40-jährigen Landsmannes, ebenfalls aus München. Bei dem heftigen Schlag zerbrach der Krug, was den 35-Jährigen jedoch nicht davon abhielt, nochmals mit dem abgebrochenen Henkel gezielt gegen den Kopf des 40-Jährigen zu schlagen. Das Opfer zog sich dabei eine große Platzwunde am Kopf sowie Schnittverletzungen an der Hand zu. Der Mann musste deshalb in eine Münchner Klinik eingeliefert werden. Der Maßkrugschläger konnte von der Festwiesen-Wache festgenommen werden und wurde der Haftanstalt des Polizeipräsidiums München überstellt.


1641. Vier professionelle Taschendiebe festgenommen
Die Taschendiebfahnder des Polizeipräsidiums München konnten zwei tschechische Taschendiebpärchen auf frischer Tat festnehmen. Am Samstag, 23.09.2006, gegen 00.30 Uhr, fielen die Tschechen den Fahndern auf, weil sich die beiden Frauen auffällig für stark alkoholisierte Wiesn-Besucher im Bahnhofsviertel interessierten. Die Beamten konnten mehrfach beobachten, wie die beiden Damen in die Gesäß- und Jackentaschen von Männern griffen und versuchten, daraus Wertgegenstände zu stehlen. Ihre männlichen Begleiter hielten sich immer im näheren Umfeld aus und beobachteten die Umgebung. Letztendlich setzten sich die beiden Damen zu einem stark alkoholisierten 36-jährigen Informatiker aus der Schweiz. Nach kurzer Zeit wurde der Mann von einer der Tschechinnen umarmt und geküsst, während ihm die andere Dame sein Handy aus der linken Hosentasche zog. Anschließend ging die Frau sofort zu ihren beiden Begleitern und übergab das Handy. Alle vier Handtaschendiebe im Alter zwischen 32 und 50 Jahren wurden festgenommen und dem Haftrichter vorgeführt.



1642. Nackter Brite hinter Festzelt aufgegriffen
betrunkener nackter Mann mit Krücken aufhalten soll. Eine verständigte Streife der Wiesn-Wache wurde bereits bei der Annäherung zum „Tatort“ von lachenden Festbesuchern empfangen. Die Beamten fanden zu ihrem Erstaunen wirklich eine männliche Person vor, die erheblich unter Alkoholeinfluss stand und sich nur mit Mühe auf den Krücken halten konnte. Nach einer sehr anstrengenden Befragung des Mannes konnte folgender Sachverhalt in Erfahrung gebracht werden:

Der englische Tourist besuchte offensichtlich mit zwei Landsleuten das Oktoberfest. Nach dem Genuss von mehreren Maß Bier verspürte er ein menschliches Bedürfnis. Wegen einer Fußverletzung konnte sich der Engländer nur auf Krücken fortbewegen. Ganz offensichtlich wurde der Gang zur Toilette zu spät angetreten, so dass das „kleine Geschäft“ komplett in die Hose ging. Die Freunde des Engländers waren diesem zwar beim Ausziehen der Kleidung behilflich, danach war die Männerfreundschaft offensichtlich jedoch beendet, weil sie ihren Weg ohne ihn fortsetzten. Die Polizeibeamten halfen dem Engländer, seine völlig durchnässte Kleidung wieder anzuziehen. Letztendlich gelang es den Beamten auch noch, die Freunde des Engländers ausfindig zu machen. Diese versprachen, die alte Männerfreundschaft wieder aufleben zu lassen und sich um ihren Freund zu kümmern. Sie sahen ein, dass trotz der frühen Morgenstunde der Tag für sie gelaufen ist und wollten nur noch ihren Rausch ausschlafen.


1643. Wiesn-Besucher rastet aus und verletzt mehrere Personen
Am Samstag, 23.09.2006, um 18.45 Uhr, ging eine Einsatzgruppe der Festwiesen-Wache in der Wirtsbudenstraße Streife, als sie von mehreren Passanten darauf aufmerksam gemacht wurde, dass ein Wiesn-Besucher völlig ausrastet und schon einige Personen geschlagen und gebissen hat. Von den Beamten konnte der Mann, ein 25-jähriger Deutsch-Italiener aus München, dann am Haupteingang gestellt werden. Bei der Festnahme leistete er erheblichen Widerstand und versuchte die Beamten ebenfalls zu beißen. Zudem erbrach er sich mehrmals und besudelte dabei die Beamten. In der Wache randalierte der 25-Jährige dann weiter und musste deshalb in eine Einzelzelle gebracht werden. Der Deutsch-Italiener musste zur Ausnüchterung in eine Münchner Klinik eingeliefert werden. Er muss nun mit einer Anzeige wegen Widerstand und Körperverletzung rechnen.


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